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Familie
29.04.2016  Sarah Clasen, Sabine Fähndrich, Hannelore Geier, Regine Hölscher-Mulzer, Franziska Pabst und Angelika Wolff

Vertrauliche Geburt: Eine Zwischenbilanz aus Sicht der Schwangerschaftsberatung

Seit dem 1. Mai 2014 existiert in Deutschland das „Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt“, mit dem schwangere Frauen die Möglichkeit haben, ihr Kind sicher und medizinisch begleitet zur Welt zu bringen, und gleichzeitig das Recht des Kindes, seine Herkunft zu erfahren, berücksichtigt wird. Den Schwangerschaftsberatungsstellen kommt dabei eine Schlüsselrolle im Verfahren der vertraulichen Geburt zu:
Sie waren von Anfang an aktiv an der Entstehung und an der Umsetzung des Gesetzes beteiligt, und bei ihnen liegt die Organisationshoheit für das gesamte Verfahren.

Durch die Anstrengungen aller am Verfahren beteiligter Kooperationspartner haben sich inzwischen vielerorts Netzwerke gebildet, wurden Abläufe gemeinsam erarbeitet und Herausforderungen im Prozess identifiziert. 1,5 Jahre nach dem Inkrafttreten des Gesetzes ist es Zeit für eine Zwischenbilanz – erste Erfahrungen sind gemacht und Spannungsfelder haben sich herausgebildet. Empirisch abgesicherte Erkenntnisse werden jedoch erst 2017 nach dem Abschluss der Gesetzesevaluation vorliegen. Bis zum 31. Januar 2016 sind laut Angaben des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) 169 Kinder vertraulich zur Welt gebracht worden. In zehn Fällen entschieden sich die Mütter nachträglich für die Aufgabe ihrer Anonymität, sodass derzeit 159 Herkunftsnachweise beim BAFzA hinterlegt sind. Die Schwangerschaftsberatungsstellen konnten somit bereits vielfältige Erfahrungen in der Beratung der betroffenen Frauen und mit der Steuerung des Verfahrens sammeln.

In dem vorliegenden Artikel werden aus der Perspektive der Träger der Schwangerschaftsberatungsstellen und Wohlfahrtsverbände das Verfahren erläutert, die neuen Arbeitsanforderungen an die Schwangerschaftsberatungsstellen vor allem im Bereich der Kooperation dargelegt und die Herausforderungen der beteiligten Akteure an den jeweiligen Schnittstellen aufgezeigt. Ein Blick auf die durch das Gesetz angesprochene Zielgruppe der Frauen, die ihre Schwangerschaft verheimlichen wollen, bildet einen zweiten Schwerpunkt. In einem dritten Teil werden die durch das Verfahren entstandenen Spannungsfelder vor allem im Hinblick auf die Zusammenarbeit zwischen  Schwangerschaftsberatungs-stellen und Adoptionsvermittlungsstellen beschrieben. Abschließend erfolgt eine Bestandsaufnahme des bisherigen Prozesses, die weitere zu bearbeitende Handlungsfelder des Verfahrens aufzeigt.

Wir übernehmen den Artikel mit freundlicher Genehmigung der Redaktion aus dem Nachrichtendienst des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge, Heft 4/2016, S. 179-184.

 

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