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Aus- und Weiterbildung
06.05.2016  Karsten Herrmann

Wie wirkt Weiterbildung auf die Sprachförderkompetenz? (Review)

Es ist wohl unumstritten, dass die Sprachbildung und –förderung in der KiTa einen bildungspolitisch und pädagogisch zentralen Stellenwert besitzt. Breiten Raum nehmen auch die entsprechenden Fort- und Weiterbildungen für die elementarpädagogischen Fachkräfte ein. Bislang gibt es jedoch kaum Erkenntnisse dazu, inwiefern diese Qualifizierungsmaßnahmen effektiv sind und zu einer Kompetenzsteigerung führen. In Frühe Bildung 4 (4) berichten Christine Roth, Holger Hopp und Dieter Thoma nun über ihre Studie, die genau diese Frage in den Fokus nahm.
In einem Prä-Posttest-Design wurde zum einen eine Gruppe von ErzieherInnen (N = 26) und zum anderen eine Gruppe von im Rahmen des Bundesprogramms „Frühe Chancen“ rekrutierten Spezialkräften (N = 32)  hinsichtlich ihres Kompetenzzuwachses nach einer vergleichbaren Weiterbildung und Begleitung im Umfang von insgesamt elf bzw. zwölf Tagen getestet. Die Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen wurden, so die AutorInnen, in Anlehnung an das Sprachförderkompetenzmodell von Hopp, Thoma und Tracy operationalisiert. Dieses „definiert Sprachförderkompetenz pädagogischer Fachkräfte als die Kompetenz, im pädagogischen Alltag Sprachfördersituationen zu schaffen, die auf den Erkenntnisstand des Kindes abgestimmt sind und die Bedingungen des natürlichen Spracherwerbs emulieren“ (ebd. S. 220). Sie unterteilt sich dabei in bereichsbezogene Kenntnisse (Wissen), Fähigkeiten (Können) und Handlungen (Machen). Die vorliegende Studie beschränkte sich dabei auf die Wissensbestandteile von Sprachförderkompetenz, „die in den Fortbildungen explizit vermittelt wurden und Grundlage für handlungsbezogene Sprachförderkompetenzen darstellen“ (ebd.).
 
Die Erhebung des sprachförderrelevanten Wissens erfolgte in beiden Studien mit dem standardisiertem Instrument „SprachKoPF“, das, so die AutorInnen, eine indirekte Prüfung des Interventionserfolgs ermöglicht ohne die Form einer Abschlussprüfung anzunehmen.
 
Die Ergebnisse zeigen, „ dass sich das sprachförderrelevante Wissen von Fachkräften in zwei unterschiedlich vorgebildeten Gruppen innerhalb eines Jahres signifikant verbesserte“ (ebd. S. 223) – und zwar sowohl im Bereich des theoretischen linguistischen Wissens als auch in anwendungsbezogenen Bereichen der Sprachentwicklung und –förderung. Bei den ErzieherInnen betrug die Effektstärke dabei insgesamt d = .38, bei den Spezialkräften d = .67. Somit deuten die Befunde darauf hin, „ dass unspezifische  Weiterbildungsmaßnahmen begleitend zur pädagogischen Praxis alleine die Sprachförderkompetenz in weniger starkem Maß steigern als die gezielte Qualifizierung von Spezialkräften, für die Sprachförderung eine höhere Relevanz in der pädagogischen Arbeit hat und die daher eine größere Motivation zur Anwendung der in den Weiterbildungen vermittelten Inhalte haben“ (ebd.).
 

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