Anmelden
[Keine Kategorie]
14.05.2016  Meike Sauerhering

Wir sind dann mal weg! Ein Plädoyer für Klassenfahrten. (Review)

Zum Titelthema Klassenfahrten sind in der aktuellen Ausgabe von didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen drei Beiträge veröffentlicht. Es werden Überlegungen dazu angestellt, was eine perfekte Klassenfahrt ausmacht, wie der rechtliche Rahmen für Klassenfahrten gesteckt und schließlich was zusätzlich zu beachten ist, wenn eine Rollstuhlfahrerin an der Fahrt teilnimmt. Zudem ist eine Checkliste zur Planung von Klassenfahrten abgedruckt. Die Beiträge zum Titelthemas sowie ausgewählte aus den Rubriken Bildungstrends, Kita und Schule werden unten ausführlicher dargestellt.
Franz Hauzenberger erklärt in einem Interview, was eine pädagogisch sinnvolle Fahrt ausmacht und worauf Lehrkräfte achten müssen, um die ideale Klassenfahrt zu gestalten:
  • Die finanzielle Belastung für die Familien sollte sich in Grenzen halten.
  • Wichtig sind eine gute Auswahl des Ziels, eine gute Organisation sowie die altersgemäße Durchführung.
  • Die Beteiligung der SchülerInnen an der Planung steigert ihre Vorfreude und Motivation.
Als Schulveranstaltungen müssen mit Klassenfahrten Bildungsziele verbunden werden, sie dürfen nicht lediglich „touristischen Charakter besitzen“ (ebd., S. 5). Hauzenberger betont, dass Klassenfahrten einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten und Ich-, Sach-, Sozialkompetenz sowie Umweltbewusstsein fördern können. Das außerschulische Lernen auf einer Klassenfahrt kann offen gestaltet werden und erleichtert den SchülerInnen den Weg vom konkret anschaulichen zum abstrakten Denken. Wenn im Vorfeld LehrerInnen und SchülerInnen gemeinsam Programmpunkte, Abläufe und Verhaltensregeln planen, Lehrer sich als kompetent und motiviert erweisen, kann eine Klassenfahrt „zu einem unvergesslichen Erlebnis“ (ebd., S. 6) werden – so
die Meinung Heuzenbergers.

Schulausflüge aus rechtlicher Sicht

Die Kulturhoheit der Länder führt dazu, dass es 16 unterschiedliche Schulgesetze gibt. So sind die Rechtsverordnungen der Bundesländer in vielen Bereichen verschieden – auch zu Klassenfahrten. Rechtsanwalt Felix Winkler weist unterstreicht daher, dass sich allgemeine Aussagen zur rechtlichen Situation nur schwer treffen lassen. Klar ist aber, dass für Lehrkräfte bei Klassenfahrten immer ein erhöhtes Risiko besteht. Dennoch gehören Klassenfahrten zu den dienstlichen Aufgaben von LehrerInnen. Auch für die SchülerInnen sind es Pflichtveranstaltungen, von denen sie sich nur in Ausnahmefällen befreien lassen können. Während der gesamten Klassenfahrt obliegt den Lehrkräften die Aufsichts- und Fürsorgepflicht. Sie dürfen und müssen die Freiräume der Schüler altersgerecht nach eigenem Ermessen gestalten. Jugendschutzbestimmungen (wie beispielsweise das Rauch- oder Alkoholverbot) dürfen dabei nicht verletzt werden. Winkler weist darauf hin, dass sich Lehrkräfte von Eltern schriftliche Genehmigungen einholen könnten, um die Risiken ein wenig abzusichern: Zum Beispiel, dass die Kinder sich in Kleingruppen ohne Aufsicht frei bewegen dürfen. Für erfahrene Lehrkräfte dürften die Informationen dieser beiden Beiträge jedoch nicht neu sein.

Das Titelthema Klassenfahrten wird mit einem Bericht über eine inklusive  Kunstexkursion nach Dresden abgeschlossen. Die Schilderungen von Edith Horneber machen Mut, sich der Herausforderung zu stellen, Klassenfahrten auch mit (Körper-)Behinderten SchülerInnen anzugehen.  Horneber erteilt an einer Erlanger Waldorfschule Kunstunterricht und berichtet über ihre Dresden-Reise mit einer 10. Klasse, in der auch eine Rollstuhlfahrerin ist. Sie beschreibt, dass eine solche Klassenfahrt kein Problem darstellt, aber einer besonders intensiven Planung bedarf. Es muss bedacht werden, dass möglichst überall Barrierefreiheit besteht und zum Beispiel möglichst wenige Umstiege zu bewältigen sind. Kostentransparenz ist entscheidend, damit Eltern nicht das Gefühl haben, eventuell anfallende Mehrkosten tragen zu müssen. Alle Risiken und Probleme lassen sich jedoch nicht ausschließen. So berichtet Horneber über technische Probleme beim Ein- und Ausstieg aus einem Zug oder von Fehlauskünften hinsichtlich der Barrierefreiheit.

Bildungstrends

Damit es gelingt, die „wohl größte Herausforderung des Bildungssystems: die Integration von Flüchtlingskindern in Kitas und Schulen“ (ebd., S. 42)  zu meistern, muss den Kindern in der Kita ein Gefühl von Sicherheit vermittelt werden.  „Alle Kinder müssen so schnell wie möglich einen Kita-Platz bekommen, dieser ist der entscheidende Ort für Integration, Entwicklung und Spracherwerb“ unterstreicht W.E. Fthenakis (ebd., S. 43). So wurde auf der Bildungsmesse didacta im Februar 2016 zur Aktion Zeichen setzen!“ aufgerufen: Alle Aussteller, die Materialien für die Arbeit mit Flüchtlingen anboten, wiesen mit einem Aktionsplakat darauf hin. Entsprechend wurde deutlich, dass die Bildungswirtschaft zahlreiche Materialien und Konzepte anbietet, um ErzieherInnen und Lehrkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Die Palette reicht von Bilderbüchern über CD’s bis hin zu Informationsmaterial zu den wichtigsten Eckdaten der Sprachentwicklung bei Mehrsprachigkeit. Für die Schule existieren vielfältige Materialien für den (Deutsch-)Spracherwerb. Hier geht es neben der deutschen Sprache auch darum, einen Eindruck vom Leben in Deutschland zu vermitteln. Zudem brauchen Lehrkräfte (und auch ErzieherInnen) Fortbildungen und Supervision, um professionell mit den Herausforderungen umzugehen, die die Arbeit mit Migranten- und Flüchtlingskindern mit sich bringen kann – so lassen sich die Aussagen von Jens Hoffsommer (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Köln) und Hubertus Adam (Professor für Jugendpsychiatrie) zusammenfassen.

Musik in der Kita

Die Professorin für Musikpädagogik Claudia Meyer unterstreicht in ihrem BeitragMusik für alle!“,  wie über das Medium Musik ein Gefühl des „Dazugehörens“ (ebd., S. 54) vermittelt werden kann. Grundsätzlich unterstützt Singen und Musizieren die soziale, sprachliche und kognitive Entwicklung von Kindern. Wenn musikalische Bildung kultursensibel gestaltet wird, kann sie auch helfen, Kinder und Familien mit Fluchterfahrungen in den Kitas willkommen zu heißen – zum Beispiel weil Musik insbesondere Emotionen anspricht, und geeignet ist Sprachbarrieren zu überwinden. Der Beitrag enthält einen Leitfaden für die Umsetzung entsprechender Angebote im Kita-Alltag. Demnach kommt es auf die bewusste Auswahl von Materialien und Liedern, den Einbezug der sozialen Umgebung und professionelles Personal an. Überwunden werden traumatische Erlebnisse mit Musik nicht, aber „[g]emeinsam kann es gelingen, dass verschiedene kulturelle Identitäten nicht als trennend, sondern als verbindend erlebt werden, dass Fremdheit nicht zu Ausgrenzung, sondern zu Neugier führt. Musik ist hierbei nur ein Baustein von vielen – aber einer, den es in seiner Wirkung nicht zu unterschätzen gilt.“ (ebd., S. 54) unterstreicht Claudia Meyer.

Gutes Essen in Kita und Schule

Um ungesundes Essen aus Kita und Grundschulen zu verbannen, hat das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Initiative „Macht Dampf! – für gutes Essen in Kita und Schule“ gestartet. In einem Interview mit der didacta erklärt der Staatssekretär Robert Kloos, dass die Qualität der Verpflegung in Kitas und Grundschulen sehr unterschiedlich ist. Grundsätzlich wird jedoch noch zu viel Fleisch und zu wenig Fisch und Gemüse angeboten. Als Ursachen hierfür macht er in den Kitas mangelndes Wissen von ErzieherInnen aus. In Schulen hingegen liegen seiner Meinung nach die Probleme eher bei der Ausstattung der Räumlichkeiten. Zudem ist die Akzeptanz der Kinder und Jugendlichen ein (wirtschaftlicher) Faktor, bestimmte Speisen (nicht) anzubieten. Auch müssen Großküchen in der Lage sein, vollwertige, gesunde Gerichte zusammenzustellen – so der Staatssekretär. Die Kampagne setzt auf die Information von Kindern, Jugendlichen und Eltern, Kita- und Schulleitungen sowie Caterern. Es wird über Prinzipien guter Ernährung informiert und motiviert, sich mit der Ernährung von Kindern und Jugendlichen auseinander zu setzen, um die Grundlagen für ein langes, gesundes und selbstbestimmtes Leben zu legen (ebd., S. 59). Die Problemanalyse des Staatssekretärs, die in dem Beitrag zum Ausdruck kommt, scheint mir jedoch recht kurz gegriffen: Die mangelnde Qualität des Kita-Essens den ErzieherInnen zuzuschreiben und in der Schule im Wesentlichen die Nachfrage bestimmter Gerichte als Grund für mangelnde Qualität zu nennen, erschließt sich nicht wirklich. Ist beispielsweise nicht auch der Satz, mit dem Städte und Gemeinden das Essen bezuschussen, ein entscheidender Faktor?

Alle Beiträge in: didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen, Ausgabe 2/2016. www.didacta-magazin.de


 

Teilen auf
Teilen auf Facebook