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Fachzeitschriften
26.07.2016  Meike Sauerhering

Blick in die Fachzeitschriften - Grundschule

Es werden die Inhalte von vier Fachzeitschriften für die Grundschule vorgestellt. Aus jeder Fachzeitschrift haben wir einen Artikel auf dem Portal übernommen, den Sie über den Link beim Titel aufrufen können.

Digitale Medien gehören in den Grundschulunterricht

Die Grundschule (Westermann Verlag) widmet sich in Heft 5 den digitalen Medien. Laura Millmann, die Redakteurin, appelliert an GrundschullehrerInnen, trotz oftmals schlechter Ausstattung, Mut zu fassen, den Kindern den verantwortlichen Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln. Mit dem Heft wird sichtbar, dass es viele LehrerInnen gibt, die hier kreative Wege gehen.

Jennifer Fröhlich geht mit ihrem Basisbeitrag Bildung 2.0: Umdenken erforderlich (S. 6-10) der Frage nach, wohin es mit der digitalen Bildung in der Grundschule gehen soll. In dem Artikel wird ein Überblick über die aktuelle gesellschaftliche Diskussion zur digitalen Bildung gegeben. Verschiedene Gesichtspunkte und unterschiedliche Bewertungen werden sichtbar. Fröhlich zieht als Fazit, dass es in Deutschlands Schulen an der Bereitschaft mangelt, in digitale Bildung zu investieren.


In seinem Beitrag Aktiver Filmeinsatz in der Grundschule: Geht nicht gibt’s nicht! (S. 12-16) unterstreicht Hanspeter Hauke, dass der Einsatz von Filmen in der Grundschule bereichernd und auch notwendig ist. Diese Überzeugung gründet auf lernpsychologischen und methodisch-didaktischen Überlegungen. Hauke stellt das „Vier-Körbe-Modell“ dar. Dieses unterstützt die Vorbereitung des Unterrichts. Die Konsumgewohnheiten von Kindern führen dazu, dass sie beim Filmeinsatz in der Schule spezifische Erwartungen haben. Diese gilt es aufzubrechen, um über Filme Informationen zu vermitteln und Sachverhalte zu verdeutlichen. Exemplarisch bereitet Hanspeter Haug das Thema Wasserverschmutzung entlang der vorgeschlagenen Prämissen und Ideen auf. Zudem verweist er auf Internetseiten, die weitere Informationen und Materialien für Lehrkräfte bereithalten.

Mit dem Beitrag Durchblick im digitalen Dickicht (S. 17-19) wird gezeigt, welche Maßnahmen das Land Niedersachsen ergriffen hat, damit GrundschullehrerInnen sich im ‚digitalen Dickicht‘ besser zurecht finden. Christina ter Glane und Lorenz Preuß stellen in ihrem Artikel das Projekt vor. Es besteht aus einer modular aufgebauten Fortbildungsreihe und umfasst präventiv und medienpraktisch angelegte Inhalte mit direkter unterrichtsrelevanter Ausrichtung. Zudem können über die niedersächsische Landesmedienanstalt zusätzliche Bausteine kostenfrei gebucht werden: Internet-Aktionstage bei denen medienpädagogische Fachkräfte gemeinsam mit der Klassenlehrkraft über Cybermobbing, Datenschutz, Persönlichkeitsrechte im Internet usw. aufklären, Medienabende für Eltern. Grundschulen können aber auch Unterstützung für die Planung und Umsetzung konkreter Projekte erhalten. All das soll dazu dienen Grundschullehrkräfte zu entlasten und in ihrer Medienkompetenz zu stärken.

In dem Beitrag Vernetzt! (S. 20-21) wird das eTwinning vorgestellt. Diese Plattform soll Schulen einen gesicherten Raum für internetgestützte Kooperationsprojekte bieten. Ziel ist die Medienkompetenz der Kinder sowie den Austausch zwischen Schulen in Europa zu fördern. Die Autorin Laura Millmann schildert ein Beispiel von zwei Grundschulen aus Moers. Vierzehn GrundschülerInnen haben über die Plattform ein Projekt zum interaktiven Sprachunterricht gestaltet. Partner waren SchülerInnen aus der Türkei und Litauen. Wie vielfältig die Lerngelegenheiten, Lerninhalte und Lernformen waren, wird deutlich, wenn die Kinder von ihren persönlichen Highlights berichten. Es besteht aber auch die Möglichkeit kurzfristigere oder auch langfristigere Projekte zu konkreten Schwerpunktthemen über diese Plattform zu gestalten.

Steffi Zander und Anne Behrens beschreiben in ihrem Beitrag Wie Tablets zur Bereicherung im Grundschulunterricht werden können (S. 22-29). Vorgestellt wird ein Forschungsprojekt an einer Grundschule in Thüringen. Unter Berücksichtigung der Kriterien guten Unterrichts wurde überprüft, wie Tablets sinnvoll eingesetzt werden können. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojekts wurden mit anderen abgeglichen. Hervorzuheben ist, dass
  • die Nutzung von Tablets die Motivation der SchülerInnen steigert.
  • eine sinnvolle Nutzung nur möglich ist, wenn die Lehrkräfte gut geschult sind.
  • ein zeitlicher Mehraufwand zu Beginn der Arbeit mit Tablets sich schnell durch den Mehrwert relativiert.
  • Tablets individualisierten Unterricht erleichtern.
  • Tablets auch die sozialen Fähigkeiten der SchülerInnen fördern.
  • es für einen sinnvollen Einsatz bestimmter Rahmenbedingungen wie beispielsweise einer stabilen Internetverbindung bedarf.
Zudem werden in dem Beitrag konkrete Unterrichtsszenarien vorgestellt.

Stephanie Kleta-Bohmann befasst sich mit den Argumenten, die kritischen Eltern für die Nutzung digitaler Medien im Unterricht entgegen gebracht werden könnten: Wie sage ich’s den Eltern? (S. 31-33). Auf den Seiten 34 und 35 sind empfehlenswerte Apps und passende Literatur aufgeführt. Bei den Debatten geht es um die Gesundheitsprobleme von Grundschülern und Lehrern (S. 36), die Vorteile der Ganztagsschule (S. 37), die überraschenderweise eher im Bereich der Persönlichkeitsstärkung als der der Leistungsförderung wirken und es wird über Sex gesprochen (S. 38-39). Anlass dafür war der wütende Protest von Eltern in Baden-Württemberg, die sich wegen der angestrebten Änderung des Bildungsplans fragten „Worüber müssen Kinder schon Bescheid wissen?“. Im Magazin (S. 40-45) sind am Ende des Heftes verschiedenste Meldungen aus dem Bereich der Bildung und ein kollegialer Rat abgedruckt.
In diesem Heft findet sich wohl für jeden etwas, der sich zu den Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in der Grundschule informieren möchte. Zur Verlagsseite gelangen Sie hier:
http://www.die-grundschule.de/
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Konflikte in der Schule ernst nehmen

In der Grundschulzeitschrift des Friedrich-Verlags vom Juli 2016, Als Oma und Opa Kinder waren, wird im Thementeil Guter Unterricht dargestellt, wie die jüngere Zeitgeschichte im Grundschulunterricht zum Thema werden kann. Interessant aufbereitet und praxisnah wird die Zeit der 1950er und 1960er-Jahre in den Fokus genommen. Der Thementeil Gute Schule befasst sich mit dem weiten Feld möglicher Konflikte in der Schule. Vorgestellt wird das Vorgehen aus dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf mit dem schon gute Erfolge erzielt werden konnten.

In ihrem einführenden Beitrag zur Guten Schule unterstreichen Patrick Lang und Ilse Rudnick, dass Konfliktmanagement in der Schule notwendig ist (ebd. S. 4-7). Die Schule ist auch ein Ort an dem Konflikte entstehen und eskalieren können. Theoretisch lehnen sie sich an die Konfliktforschung von Friedrich Glasl an. Die Autoren betonen, dass Konflikte zunächst einmal normal sind und Potential für Entwicklung bieten. Für alle Beteiligten ist in einem Konfliktfall bedeutend wie damit umgegangen wird. Werden Konflikte nicht bearbeitet, wirken sie im Verborgenen und schlagen sich negativ auf (die Arbeit in der) Institution nieder. Ilse Rudnick, die Referatsleiterin der Senatsverwaltung Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf und der Psychologe Patrick Lang, Leiter des Schulpsychologischen und inklusionspädagogischen Beratungs- und Unterstützungszentrums (SIBUZ), stellen ihren Ansatz zum Umgang mit Konflikten dar. Dabei handelt es sich um ein systematisches Unterstützungsangebot der Schulaufsicht und des im Schuljahr 2015/16 neu gegründeten SIBUZ. Ziel ist es sowohl präventiv, als auch durch Interventionen, die verschiedenen Akteursebenen (Schüler, Eltern, LehrerInnen und pädagogisches Personal) zu berücksichtigen, denn sowohl zwischen diesen als auch innerhalb einer jeder dieser Gruppen, kann es im System Schule zu Konflikten kommen.

Dass es sich bei dem vorgestellten Programm um ein umfassendes Konfliktmanagement-Modell handelt, wird durch die nachfolgenden Beiträge deutlich. Hier werden die je spezifischen Vorgehensweisen und Möglichkeiten für die verschiedenen Ebenen in denen ein Konflikt auftreten kann, und bearbeitet werden muss, sichtbar:
Patrick Lang und Susette Chakkal beschäftigen sich in ihrem Beitrag Wenn Kinder streiten (S. 8-9) mit verschiedenen Arten von Präventionsprogrammen zur Intervention bei Konflikten zwischen SchülerInnen. Im Anschluss werden drei Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen und zwei Mediationsprogramme vorgestellt.

Mit der Mediation von Konflikten zwischen PädagogInnen befassen sich Angelika Pfeiffer-Trebesius, Claudia Wedding und Patrick Lang (S. 12-15). Mediation wird dabei als Vermittlung in einem aktuellen Konflikt verstanden. Die AutorInnen stellen die Phasen des Vermittlungsprozesses vor und verdeutlichen diese abschließend anhand eines Praxisbeispiels.

In einem Interview kommt die „unabhängige Beauftragte für Elternarbeit“ (ebd., S. 16) Ruby Mattig-Krone zu Wort. Sie schildert verschiedene Bereiche ihrer besonderen Position und Funktion. Durch ihre Unabhängigkeit kann sie in vielen Konfliktsituationen vermitteln und zur Klärung von Sachlagen und damit zur Deeskalation von Konflikten beitragen. Abschließend unterstreicht Mattig-Krone, dass Eltern ebenso heterogen sind wie die Gesellschaft und genauso individuell wie ihre Kinder. Eltern müssten nicht jede Entscheidung der Schule gut heißen, aber nie dürften sie diese „empört verlassen“ (ebd., S. 18).

Karin Babbe und Christian Bobusch stellen in ihrem Beitrag „Der Nächste bitte!“ (S. 19-21) dar, dass SchulrätInnen sich auch als UnterstützerInnen bei Fragen der Schulentwicklung betrachten können. In Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf hat dieser Perspektivwechsel der Schulaufsicht stattgefunden.

Zeitgeschichtliche Themen im Grundschulunterricht

Den Einstieg in den Thementeil Guter Unterricht geben Andrea Becher und Eva Gläser (S. 28-30). Sie zeigen wie zeitgeschichtliche Themen und Fragen für Grundschulkinder erfahrbar gemacht werden können. Die Zeit der 1950er und 1960er-Jahre als Zeit des Umbruchs und Aufbruchs ist geeignet den Kindern jüngere Geschichte unmittelbar zu veranschaulichen. Die Befragung von Zeitzeugen wird hierfür als besonders geeignete Methode betrachtet und kann durch die Verwendung unterschiedlicher Medien wie Sach-, Text- und Bildquellen unterstützt werden.
Die Methode der Zeitzeugenbefragung wird im Beitrag von Andrea Becher und Julia Diederich „Erzähl mir von früher!“ (S. 31-37) anschaulich beschrieben. Die Darstellung ist so aufbereitet, dass sie für die Planung des eigenen Unterrichts gut genutzt werden kann.
Des Weiteren werden umwälzende Veränderungen und bahnbrechende Ereignisse der 1950er und 1960er-Jahre vorgestellt: Die Auswirkungen der Technisierung (Berit Pleitner, S. 38-41), Typische Spielzeuge und Spiele dieser Zeit (Eva Gläser und Michael Otten, S. 42-45), Die Mondlandung (Kristine Gollin und Christian Mathis, S. 46-49) und der Mauerbau (Julia Peuke und Andrea Becher, S. 50-54). Jeder dieser Beiträge enthält sowohl inhaltliche als auch methodische Informationen zur praktischen Gestaltung des Unterrichts. Zudem sind Bild-Text-Karten und ein Leseheft mit Zeitzeugeninterviews und Forscheraufgaben beigelegt.
So liegt mit Die Grundschulzeitschrift Nr. 295/296 2016 ein im Ganzen gelungenes Heft vor – auch  wenn man sich fragen mag, welche Möglichkeiten zur Konfliktlösung sich an der eigenen Schule bieten, da nicht überall auf Strukturen zurückgegriffen werden kann, die mit dem SIBUZ vergleichbar sind.
http://www.friedrich-verlag.de/shop/als-oma-und-opa-kinder-waren
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Arbeitstechniken, Methoden und Verfahren für den Sachunterricht

Das GRUNDSCHULmagazin 4/16 aus dem Verlag Oldenbourg hat Arbeitstechniken im Sachunterricht als Schwerpunkt. Neben einem Basisbeitrag finden sich viele anschauliche Beispiele zu unterschiedlichen Bereichen sowie Arbeitsblätter für die Verwendung im Sachunterricht. Unter Trend, News und Infos wird darüber berichtet, dass Eltern jährlich rund 900 Millionen Euro für Nachhilfe ausgeben und dass das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Kampagne für gutes Essen in Kita und Schule startet. Die veröffentlichten Mitteilungen des Grundschulverbands beziehen sich auf das Thema Hausaufgaben.
Der einführende Basisbeitrag zum Thema (S. 7-10) ist von Marco Beeken und Friedrich Holst. Spektakuläre Experimente zum Beispiel gesehen in Fernsehshows, Aktionen von Museen oder Außerschulischen Lernstandorten und Kooperationen mit weiterführenden Schulen sind dazu geeignet Grundschulkinder für naturwissenschaftliche Phänomene zu begeistern. Die Autoren betonen jedoch: Auch Alltägliches kann spannend sein!. Der Sachunterricht bietet viele Möglichkeiten mit SchülerInnen das forschende Lernen praktisch durchzuführen. Beeken und Holst geben mit dem Thema Brenndauer einer Kerze ein praktisches Beispiel für den Unterricht.
Alle Beiträge der Rubrik Arbeitstechniken Sachunterricht eignen sich für die Verwendung im eigenen Unterricht, stellen Materialien vor und sind mit Arbeitsblättern (die leicht zu entnehmen sind) angereichert. Der erste Beitrag titelt Drachen und andere Ungeheuer (S. 11-16). Melanie Gröbmeyer und Julia Pryba stellen ein Beispiel problemorientierten Lernens im technischen Sachunterricht vor. Sie unterstreichen, dass Grundschulkinder mit Spaß und Forschergeist technische Phänomene begreifen und gestalten können.

Marco Janzik beschreibt wie mit unbekannten Stoffen im Sachunterricht experimentiert werden kann (S. 17-18). Sein Beitrag Hier stimmt die Chemie…, aus dem Bereich des naturwissenschaftlichen Sachunterrichts, zielt vor allem auf die methodischen Kompetenzen der Kinder ab. Wie technische Erfindungen projektorientiert erforscht werden können, beschreibt Jana Schrage in ihrem Beitrag Erfindungen verändern die Welt (S. 23—27). Kinder als wissenschaftsnahe Denker sind das Thema von Simone C. Müller, wenn sie mit Bionik – von der Natur lernen (S. 28-32) zeigt, wie Kinder selbständig beobachten und experimentieren. Auf den Aufbau von Methodenkompetenz zielen Teresa Friedrich und Kathrin Goller mit Igel und Co. – eine naturwissenschaftliche Begegnung (S. 33-37). Marco Beeken, Michael Budke, Julia Büssing und Benjamin Sander stellen den außerschulischen Lernort „Spürnasen e.V.“ vor. Dort besteht für Grundschulkinder die Möglichkeit Forscher für einen Nachmittag (S. 38-41) zu sein. Auch hier werden praktische Beispiele gegeben.

In der Rubrik Material kompakt Praxis Mathematik werden Knobelaufgaben (S. 42) vorgestellt. Die Autorin Ruth Dolenc-Petz stellt zudem eine Knobelkartei zur Verfügung. Die Kurzserie Pädagogik startet mit zwei neuen Themenbereichen: der Reflexionsfähigkeit von Kindern und Kinder mit Hörschädigung in der Grundschule. Diese Themen werden in den nächsten Ausgaben fortgesetzt. Rebekka Schuster und Agnes Jiersch-Stechele beschäftigen sich mit der Förderung der Reflexionsfähigkeit: Über Lernen sprechen (S. 49-51). Die Autorinnen unterstreichen die Bedeutung der Selbst- und Sozialkompetenz. Ein entscheidender Baustein für den Aufbau dieser Kompetenzen sind Selbstwahrnehmung und Reflexion. In ihrem Beitrag beschreiben sie einige Methoden und Kleinformen, die zur Förderung der Reflexionsfähigkeit in den Unterricht eingebaut werden können. Dabei handelt es sich beispielsweise um die Wochenabschlussreflexion, die Daumenabfrage, die Zwischenreflexion oder die Reflexion mit Impulskarten. Im nächsten Heft wird das Lerntagebuch vorgestellt.

Kinder mit Hörschädigung in der Grundschule (S. 53-56) sind das Thema von Angela Enders. Sie unterstreicht, dass es GrundschullehrerInnen in der Regel an Wissen um Hörschädigungen und deren Auswirkungen mangelt. Ihrer Ansicht nach wird dieses Problem insgesamt unterschätzt. Hier einige zentrale Aussagen:
  • Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Hörschädigungen, die jeweils spezifische Auswirkungen für die Betroffenen haben.
  • Hörschädigungen können durch Hilfsmittel (Hörgeräte …) nicht vollständig kompensiert werden.
  • Eine Hörschädigung wirkt entscheidend auf den Schriftspracherwerb.
  • Durch eine Hörschädigung sind oftmals die Möglichkeiten der Kommunikation massiv eingeschränkt.
  • Lautes Sprechen ist in der Regel nicht dazu geeignet, den Mangel an Hörfähigkeit auszugleichen, da je nach Erkrankung unterschiedliche Frequenzbereiche für die Betroffenen nicht, eingeschränkt oder zeitverzögert hörbar sind.
Weil mit einer Hörschädigung auch die Fähigkeit an der Binnenkommunikation im Klassenzimmer teilzunehmen, beeinträchtigt ist, geht mit ihr häufig (das Gefühl der) soziale(n) Isolation einher. Über eine verringerte Hörfähigkeit ist auch die Möglichkeit zur Aneignung des Weltwissens eingeschränkt. Insgesamt wird mit dem Beitrag deutlich, dass soziale Teilhabe für hörgeschädigte Menschen oftmals erschwert ist. Mit dem Beitrag wird eindrucksvoll deutlich, dass dem Thema Hörschädigung und dessen Folgen ein deutliches Augenmerk zu schenken ist. Im Teil zwei dieser Kurzserie wird ein Einblick in die sprachliche und schriftsprachliche Entwicklung von Kindern mit Hörschädigung gegeben.
Am Ende des Hefts befinden sich Materialien für Deutsch als Zweitsprache: Wortbedeutung/Wortschatz, Wochentage.
http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/2016-4
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Konferenzen für Schulentwicklungsprozesse nutzen

Die Lernende Schule (Friedrich Verlag) möchte mit Heft 74/2016 Anregungen geben, wie Konferenzen und Besprechungen für die Entwicklung von Schule professionell genutzt werden können. Dabei wird weniger auf die organisatorischen Aspekte fokussiert, als auf die Philosophie von Konferenzen als Orte der Kommunikation und des Dialogs.

Der Basisbeitrag in der Rubrik Grundsätzliches und Strittiges ist von Christa Kuhle. Sie befasst sich mit Konferenzen als Balanceakt zwischen Dialog und Vereinbarung (S. 4-8). Kuhle erläutert warum und wie Konferenzen eine Chance für gelungene Schulentwicklung sein können. Voraussetzung dafür sind eine gute Konferenzgestaltung, gute Führung durch die Schulleitung, eine verlässliche Jahresplanung und ausreichend Raum zum Dialog. Lehrkräfte mitzunehmen und ihnen ausreichend Möglichkeiten zur Partizipation zu bieten, stellt jedoch eine Herausforderung dar. Gelingt dies, können sich gemeinsame Grundauffassungen bilden und Handlungsweisen etablieren.

Kerstin Tschekan weist darauf hin, dass die (unbewusste) Kommunikationskultur (S. 9-12) einer Schule auch den Verlauf und die Gestaltung von Konferenzen bestimmt. Eine offene und lösungsorientierte Kommunikationskultur ist ein bedeutendes Qualitätsmerkmal – und somit auch ein Indikator für die Schulentwicklung.
Ute Foit berichtet über Konferenzen aus der Sicht eines Personalrates (S. 13-15). Mit alltäglichen Fragen wie: „Muss ich als Teilzeitkraft an meinem freien Tag überhaupt an der Lehrerkonferenz
teilnehmen?“, zeigt sich ein Spannungsfeld von Arbeitszeit und Konferenzteilnahme. Ute Foit stellt sowohl Chancen als auch Grenzen dar.

In dem Beitrag Demokratie an Schulen (S. 18-20) wird Partizipation von den AutorInnen Johanna F. Ziemes, Daniel Deimel und Hermann Josef Abs als Herzstück der demokratischen Schule beschrieben. Die Schule müsse SchülerInnen auf ihre Rolle als BürgerInnen vorbereiten. Dazu gehört neben der Vermittlung von Inhalten auch die Eröffnung von Möglichkeiten zur Teilhabe. Es werden verschiedene Ideen vorgestellt „wie informelle Bürgerschaftserziehung gestaltet werden kann“ (ebd., 19).
Mit ihrem Artikel Mitwirkung in Schulgremien (S. 21-23) berichten Christa Kuhle und Daniela Schulte wie die Partizipation von Eltern sowie SchülerInnen in den einzelnen Bundesländern geregelt ist. In jedem Bundesland ist diese Teilhabe formal garantiert, doch ist die Ausgestaltung in den Ländern sehr unterschiedlich: Eltern und auch SchülerInnen haben nicht allerorten in jedem Gremium Mitsprache- oder gar Mitentscheidungsrecht. Der Artikel gibt einen Überblick der unterschiedlichen Bestimmungen quer durch die Länder und Gremienkultur der Schulen.

Im Zentrum der Zeitschrift steht die Rubrik Werkstatt. Hier sind Materialien und Instrumente zum Thema Mit Konferenzen die Schulentwicklung professionell steuern, zusammengestellt.
Mit dem Blick über den Zaun wird von Susanne Delius mit „Decisio“ eine Prozesslandkarte vorgestellt. Indem Der Kontinent des Entscheidens (S. 25-28) bereist wird, soll die kluge Steuerung von Entscheidungsprozessen in Teams und Organisationen unterstützt werden. Die Landkarte bildet gemeinsam zu gestaltende Entscheidungsprozesse in fünf Phasen ab. Die Autorin unterstreicht, dass „Decisio“ vielseitig einsetzbar ist und gibt einige praktische Beispiele.

Zwei Schulleiter berichten im Gespräch mit Christa Kuhle über Schulentwicklung mit verlässlichen Strukturen und Gespür für Neues (S. 29-32). Andreas Niessen, Schulleiter eines Gymnasiums in Pulheim, und Ingrid Röhl, Grundschulleiterin in Sankt Augustin, schildern in dem Gespräch welche Maßnahmen und Vorgehensweisen sich für Schulentwicklungsprozesse als erfolgreich erwiesen haben. An beiden Schulen existieren Jahresplanungen und ein großer Teil der Planungen findet in Steuergruppen statt, die Ergebnisse werden über Konferenzen ins gesamte Team zurückgeführt. Im Diskussionsprozess sind Verlässlichkeit, Verantwortung und Verbindlichkeit unumgänglich.
Katja Glasmachers plädiert in ihrem Beitrag Konflikte in Konferenzen (S. 33-35) dafür, Konfliktimpulse konstruktiv und lösungsorientiert zu nutzen. Deutlich wird in ihren Ausführungen, dass es im Wesentlichen einer starken, gut strukturierten und positionierten Leitung bedarf, die den Verlauf von Konferenzen produktiv gestaltet. Gute Vorbereitung, feste Regeln der Zusammenarbeit, geklärte Rollen und Verantwortlichkeiten sowie eine klare Ziel- und Lösungsorientierung helfen dabei.

In der Rubrik Praxis finden sich Erfahrungsberichte. Aus verschiedenen Blickwinkeln wird berichtet, wie Konferenzen einen Beitrag zur Schulentwicklung leisten können. Es wird auf S. 40-41 dargestellt, wie Konferenzen gut vorbereitet, durchgeführt und dokumentiert werden, um nicht zum Zeitfresser zu werden. Jens Brauhardt berichtet über Konferenzen mit einem schuleigenem Wiki (S. 42-45) und Martina Schlosser beschreibt den Weg ihrer Schule zur Teamschule. In ihrem Beitrag Schulentwicklung braucht gemeinsame Ziele und System (S. 36-39), schildert sie, welche Rolle Konferenzen in dem Entwicklungsprozess spielten, wie die unterschiedlichen Gremien miteinander verknüpft wurden und wie erste Etappenziele des Umbaus erreicht wurden. Der Wunsch nach mehr Verbindlichkeit in der täglichen Arbeit und Effizienz des pädagogischen Handelns führte in der IGS Kaufungen zur Initiierung entscheidender Veränderungsprozesse: Es sollte eine Teamschule entstehen. Schlosser schildert wie die zum Teil von Ängsten und Misstrauen geprägten Diskussionen durchgestanden werden konnten, um schließlich das gesamte Kollegium mitzunehmen. Notwendig war eine langsame und zunächst befristete Umstellung. Inzwischen hat sich gezeigt, was sich bewährt, aber auch was es noch zu verändern gilt. Wichtig bleibt, den Prozess genau zu beobachten und weiterhin systematisch zu gestalten.

Im Fokus steht die Schulentwicklungswerkstatt, eine Möglichkeit Schulentwicklung konkret (zu) planen (S. 46-48). Diana Schikorra zeigt, dass SchulleiterInnen spezifisches Wissen und Instrumente benötigen, um Schulentwicklungsprozesse erfolgreich zu gestalten. Um Bedingungen für gelingende Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse zu schaffen, braucht es insbesondere Managementkompetenzen.
Die aktuelle Ausgabe der Lernenden Schule bietet all denjenigen vielschichte Informationen zum Thema Konferenzen, die sich intensiv mit der Planung von Schulentwicklungsprozessen auseinandersetzen wollen und vielleicht vor der Aufgabe stehen, diesen Prozess zu begleiten. Angesprochen sind so insbesondere Schulleitungen. Das aktuelle Heft finden Sie hier:
https://www.friedrich-verlag.de/sekundarstufe/schulleitung/lernende-schule/

 

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