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Mint-Fächer
29.07.2016  Silke Ottow

Lina sieht bunt

Heute löst Teddy das Rätsel, um die schwarze Folie im Planschbecken.
Lina saß in ihrem Planschbecken und goss Wasser von einem Behälter in einen anderen. Teddy sah aus sicherer Entfernung zu. Im Wasser sitzen, brr, das war nichts für Teddy. Da saß er doch lieber im Gras und ließ sich die Sonne auf den Pelz brennen. So richtig schön heiß, wunderbar. Lina summte. Plötzlich sah sie Teddy an. „Du, Teddy, Robert wollte mir doch noch erklären, warum schwarz so schnell warm wird. Robert, Rooobert“, rief Lina.
„Ich komme“, antwortete Robert. Als er um die Ecke kam, hatte er eine Taschenlampe in der Hand. „Na, Lina, wird dir nicht allmählich kalt? Vielleicht kommst du mal raus und wärmst dich in der Sonne auf“, fand er.
Lina kletterte aus dem Planschbecken. „Ich kann mich ja auf dem schwarzen Papier aufwärmen“, sagte sie. Sie hüllte sich in ihr Handtuch und setzte sich auf die schwarze Pappe. „Aber Robert, du wolltest mir doch noch erklären … Sag mal, wofür brauchst du denn eine Taschenlampe? Es ist doch ganz hell.“ Lina blinzelte in die Sonne.
„Ich sollte dir doch etwas erklären. Und dafür habe ich nicht nur die Taschenlampe mitgebracht, sondern auch …“ Robert öffnete seine Hand und zeigte Lina drei lange Wollfäden. Einer war rot, einer gelb und einer blau. „Denn bevor ich dir erkläre, warum Schwarz so schnell warm wird, müssen wir klären, woher die Farben überhaupt kommen.“
Lina legte ihre Stirn in Falten. „Robert, das müssen wir aben nicht mehr klären. Die kommen aus dem weißen Sonnenlicht. Und wenn es dunkel ist, gibt es keine Farben. Dann ist alles grau. Hast du das schon vergessen?“, fragte sie streng.
„Nein, Lina, natürlich nicht. Wir haben ja sogar zusammen einen Regenbogen gemacht!“
Lina nickte. „Eben“, sagte sie.
„Das meinte ich aber auch gar nicht. Ich meinte eigentlich … zum Beispiel … warum das Planschbecken gelb ist.“
„Oh, Robert, das weiß ich. Weil es gelb angemalt ist“, rief Lina und strahlte Robert an. „Aber natürlich mit einer Farbe, die vom Wasser nicht abgeht. Das wäre ja sonst doof bei einem Planschbecken“, erklärte sie.
„Das wäre allerdings doof, aber warum sieht denn nun die gelbe Farbe für uns gelb aus? Und warum sieht blaue Farbe blau und rote Farbe rot aus?“
„Weil, weil … Das weiß ich nicht“, sagte Lina.
„Siehst du. Und dafür brauchen wir die Taschenlampe und die Fäden. Pass auf, Lina“, sagte Robert. Er nahm den gelben Bindfaden und klebte ihn mit Tesafilm auf das Planschbecken. Und zwar genau dorthin, wo das Planschbecken gelb war. Den roten Faden klebte er auf einen roten und den blauen Faden auf einen blauen Punkt. „Teddy hilft mir, das hatten wir schon abgesprochen“, sagte Robert und setzte Teddy mit dem Gesicht zum Planschbecken.
„Also, Lina, damit wir überhaupt etwas sehen, muss Licht auf unser Auge treffen. Gegenstände sehen wir, weil das Licht sozusagen erst auf den Gegenstand trifft, also zum Beispiel auf dein Planschbecken, einen Baum oder ein Haus. Von dort gelangt das Licht in unsere Augen. Dann sehen wir, dass da etwas ist, … welche Form es hat und wie seine Oberfläche aussieht …“
„Und seine Farbe!“, rief Lina.
„Und seine Farbe“, bestätigte Robert, „aber, die Gegenstände, genauer gesagt, die Oberfläche der Gegenstände, macht etwas mit dem Licht. Sonst würden wir keine Farben sehen. Denn, Sonnenlicht ist …?“ Robert sah Lina fragend an. „Wie sieht Sonnenlicht aus?“
„Weiß“, sagte Lina.
„Genau, hast du ja vorhin schon gesagt. Würde sich das weiße Sonnenlicht also nicht durch irgendetwas verändern, dann wären alle Gegenstände weiß. Sind sie aber nicht. Denn die Farbe von einem Gegenstand lässt nur einen Teil des Lichtes zu unserem Auge gelangen. Der Rest wird „aufgesaugt“. Der Anteil des weißen Lichtes, der „aufgesaugt“ wird, ist für uns nicht mehr sichtbar. Nur der Anteil, der reflektiert, also zurückgeschickt wird, den sehen wir.“
„Echt?“, fragte Lina. „Ist das auch bei meinem Planschbecken so?“
„Das ist auch bei deinem Planschbecken so. Die Farbe deines Planschbeckens saugt alles auf, was nichts mit der gelben Farbe zu tun hat. Nur die gelben Anteile werden zurückgeschickt und treffen auf dein Auge.“
„Und auf deins“, rief Lina.
„Auf meins auch und natürlich auch auf Teddys. Und das zeigen wir dir jetzt.“ Robert gab Teddy den gelben Wollfaden so in die Pfote, dass es aussah, als ob der Faden genau auf Teddys Auge zeige. Dann leuchtete Robert mit der Taschenlampe auf die Stelle, an der er den gelben Wollfaden auf das Planschbecken geklebt hatte. „Siehst du, Lina, wir tun jetzt so, als sei die Taschenlampe die Sonne. Und die Sonne schickt ihr weißes Sonnenlicht auf das gelbe Planschbecken. Die Farbe des Planschbeckens saugt jetzt alles auf, was nichts mit Gelb zu tun hat. Das Licht, das übrig bleibt, ist nun gelb. Und dieser gelbe Lichtstrahl gelangt zu Teddys Auge. Das ist der gelbe Wollfaden.“

Robert und Teddy zeigen Lina mit einem gelben Wollfaden, warum Dinge farbig aussehen.
Lina sprang auf und sah sich die Sache aus der Nähe an. „Und mit dem Blau und dem Rot ist das genauso?“, fragte sie.
„Ganz genauso“, sagte Robert und gab Teddy den roten Wollfaden in die Pfote.

Hier werden von dem roten Punkt alle Farben aus dem Licht „aufgesaugt“, die nichts mit Rot zu tun haben. Nur die roten Anteile treffen auf Teddys Auge.
„Au ja, ich will auch mal“, rief Lina. Sie setzte sich neben Teddy und hielt sich erst den blauen und dann den gelben Faden ans Auge. Dann tauschte sie mit Teddy Rot gegen Blau, sodass sie alle Farben einmal ausprobiert hatten. „Aber Robert, das ist nicht nur von da so, wo du den Faden festgeklebt hast? Das ist von dem ganzen Planschbecken so, oder?“
„Natürlich kannst du den Faden auch an eine andere Stelle kleben. Denn das ist von jedem Punkt des Planschbeckens so, wo die Farbe Gelb ist, oder Rot oder Blau, eben.“
Lina sah Robert nachdenklich an. „Robert, ich wusste gar nicht, dass das Licht erst auf das Planschbecken und dann erst in mein Auge geht. Aber jetzt weiß ich, warum mein Planschbecken gelb ist und rote und blaue Punkte hat. Aber es hat auch grüne Punkte. Da hast du keine Wolle mitgebracht“, stellte Lina fest.
„Das stimmt. Grüne Wolle hatten wir leider nicht“, sagte Robert bedauernd.
„Aber, Robert, weißt du was? Mir ist schon wieder ganz schön heiß. Ich glaube, ich muss jetzt wieder in mein gelbes Planschbecken und mich abkühlen“, sagte Lina dann und stieg ins Wasser.
„Na, das musst du dann wohl auch machen. Denn wenn ich genau hingucke, sehe ich auch schon wieder kleine Rauchwölkchen aus deinem Kopf aufsteigen“, lachte Robert und strich Lina über den Kopf.
Und du? Hast du jetzt eine Idee, warum Schwarz so schnell warm wird? Und warum Schwarz und Weiß eigentlich gar keine Farben sind?

Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de
 

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