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Rezensionen und Reviews
16.08.2016  Sarah Shkoor

Bildung für Kinder in Flüchtlingsunterkünften - Rezension

Regina Grabbet: „Hallo, Hallo, schön, dass ihr da seid“- Ideen für Bildungsaktivitäten mit Kindern aus Flüchtlingsunterkünften. München, Burckhardthaus, 2016.
Regina Grabbet ist Diplom-Sozialpädagogin, Medienpädagogin und Spieltherapeutin. Sie lebt inHamburg und arbeitet am Hamburger Institut für berufliche Bildung. Sie schreibt Bücher zum Thema Spiel und Kreativität. Außerdem ist sie bereits seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe beschäftigt.

In ihrem Vorwort schreibt Regina Grabbet, dass sie ihr Buch für die vielen ehrenamtlichen und die pädagogisch geschulten aktiven Helfer geschrieben hat. Sie schätzt deren Arbeit und möchte mit ihrem Buch einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Kinder in den Flüchtlingsunterkünften  ein kindgemäßes Leben trotz der schweren Umstände haben.

Das Buch ist in einen theoretischen Teil A und einen didaktischen Teil B gegliedert.
Teil A „Flüchtlingskinder- Herausforderung und Bereicherung“ zeigt Handlungsprinzipien im Umgang mit der besonderen Situation der Geflüchteten auf. Dabei werden Sprachprobleme, Traumatisierung, schwierige Rahmenbedingungen, kultur- und religionsspezifische Aspekte und nicht zuletzt die Bedürfnisse der betroffenen Kinder zur Sprache gebracht. Regina Grabbet bereitet die Fachkraft oder den pädagogisch interessierten Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe in diesem methodischen Teil geschickt auf ihre Arbeit vor. Sie schafft dies durch direkte Ansprache an den Leser und ihre empathische und persönliche Art,  indem sie zum Beispiel von eigenen Erlebnissen berichtet.

Es folgen organisatorische Tipps  zur Durchführung von Aktivitäten, wie Ausflüge, Feste und andere Veranstaltungen. Dabei wird der Mangel an Struktur in der freiwilligen Hilfe und der Bedarf an Konzepten zur Integration der Flüchtlingskinder und ihrer Familien angemahnt. Diese Defizite sollten dringend behoben werden, da Struktur, Rituale und Konzepte essentiell für die Bildung, Betreuung und Erziehung der geflüchteten Kinder sind. Sie geben ihnen Orientierungshilfe, also etwas, was sie in ihrer Lebenssituation dringend benötigen. Für die Einübung  sozialer Verhaltensweisen brauchen Fachkräfte und Ehrenamtliche Absprachen sowie ausreichend Vorbereitungszeit. Dieser Aspekt werde von den Helfern noch mitunter vernachlässigt. Die Autorin  berücksichtigt immer auch die Herkunftsfamilien der Kinder, indem sie nicht nur die Eltern und andere Erwachsene in den Unterkünften in die Aktivitäten einbezieht, sondern auch rät, pädagogisch gebildete Flüchtlinge an der Durchführung von Bildungsaktivitäten zu beteiligen.

Im didaktischen Teil B „Aktivitäten zu den verschiedenen Bildungsbereichen“ teilt Grabbet die vielen Aktivitäten, Spiele und Ideen in die Bildungsbereiche „Sprache und Kommunikation“, „Musik“, „Kreatives Gestalten“, „Spiel und Bewegung“, „Natur, Umwelt, Technik und Physik“ sowie „Mathematik“ ein. Jeden Bildungsbereich begründet sie entwicklungspsychologisch und sozialpädagogisch nachvollziehbar sowohl für Erzieher wie auch für interessierte Laien. Damit zeigt sie ihre große Erfahrung als Lehrerin in der beruflichen Ausbildung sowie in der ehrenamtlichen Weiterbildung.

Grabbets didaktischer Schwerpunkt liegt einerseits auf positiven sozialen Erlebnissen, die soziale Kompetenz fördern sowie andererseits auf kreativen Aktivitäten in der Einzelarbeit, die die Selbststeuerung und –wirksamkeit stärken. Sie deutet damit auf die Notwendigkeit hin, die  Resilienz der Kinder zu stärken und damit Teil einer Gesellschaft zu werden, in der sie sich entfalten können. In ihrem Nachwort „Ausblick und Visionen“ fordert sie die Kinderrechte ein und verweist auf internationale Kinderhilfswerke und den deutschen Kinderschutzbund, die sich über die Lage der Kinder in deutschen Unterkünften besorgt zeigen.

Regina Grabbets Buch enthält  nicht nur einen Überblick über Aktivitäten für Vorschul- und Schulkinder, sondern auch ein Plädoyer für einen verständnisvollen Umgang mit Geflüchteten und ihren Kindern. Die Bildungsangebote sind alle so gestaltet, dass Kinder und ihre Eltern trotz Sprachbarrieren problemlos daran teilnehmen können. Sehr hilfreich sind an vielen Stellen methodische Tipps zu noch besserem sprachlichem Verständnis, wie etwa Bildkarten, Tonbandgeräte oder Materialkoffer.

Fazit: Ein hilfreiches Buch für ehrenamtliche HelferInnen und Fachkräfte in der Arbeit mit Flüchtlingsfamilien und ihren Kindern.

Die Rezensentin:
Sarah Shkoor hat Literaturwissenschaft studiert und ist staatlich anerkannte Erzieherin. Sie lebt in Baden-Württemberg, ist verheiratet und hat vier Kinder.

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