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Advertorial
29.08.2016  Silke Ottow

Lina fühlt schwarz-weiß

Die Farbe "weiß" gibt es gar nicht, denn das was wir sehen ist nur unverändertes Sonnenlicht. Weiß man doch, oder? Na, Lina bekommt es noch mal ganz genau erklärt.
Lina hatte den ganzen Tag im Planschbecken verbracht. Und immer, wenn sie eine Wasser-Pause gemacht hat, hat sie auch noch etwas gelernt. So hat Robert ihr erklärt, warum Dinge farbig aussehen. Also weiß Lina jetzt, warum ihr Planschbecken gelb ist und rote, blaue und grüne Punkte hat. Wenn du es auch wissen willst, kannst du das im Beitrag Lina sieht bunt nachschauen. Außerdem hat Robert schwarze Folie ins Planschbecken gelegt. Warum er das gemacht hat, kannst du im Beitrag Linas Tag im Planschbecken lesen.
Nun war Robert wieder aus dem Haus gekommen und hat Lina trockene Sachen mitgebracht. „Du hast schon ganz blaue Lippen, Lina, du musst jetzt wirklich mal für eine Weile aus dem Wasser kommen“, sagte er.
Lina zog sich an und sagte: „Ja, und du wolltest mir auch die ganze Zeit schon erklären, warum Schwarz so schnell warm wird. Und ich weiß das immer noch nicht.“ Lina setzte sich auf den Boden und hielt ihre Hand auf eine weiße Pappe, die im Gras lag. „Rutsch mal ein Stück, Teddy“, sagte sie und schob Teddy ein Stück zur Seite. Teddy saß auf einem Stück schwarzer Pappe, die ebenfalls im Gras lag. Und diese Pappe wollte Lina nun auch fühlen. „Robert, die ist immer noch viel heißer als die weiße Pappe!“, bemerkte Lina. Teddy war das gerade Recht, denn Teddy liebte Hitze, und Wasser mochte er sowieso nicht, brr. So hatte er, während Lina im Planschbecken war, auf der schwarzen Pappe auf sie gewartet.



Lina fühlt, ob die schwarze Pappe immer noch wärmer ist als die weiße.
„Genau das mache ich jetzt, Lina. Ich erkläre dir, warum die schwarze Pape immer noch wärmer ist als die weiße“, auch Robert legte seine Hand auf die weiße und die schwarze Pappe. „Genau genommen ist die schwarze Pappe richtig heiß“, sagte er.
„Das stimmt. Teddy, wie du das so lange auf der Pappe aushältst!“, staunte Lina.
„Das frage ich mich auch“, sagte Robert, „und wenn es Teddy nicht zu heiß geworden ist und dir nicht zu kalt, könnt ihr euch auch bestimmt noch daran erinnern, dass die Oberfläche, also die Farbe von Gegenständen, etwas mit dem Sonnenlicht macht.“
„Au ja, das weiß ich!“, rief Lina, „das Licht geht zuerst auf mein Planschbecken. Und da saugt die Farbe von meinem Planschbecken alles aus dem Licht auf, was nichts mit der gelben Farbe zu tun hat. Und nur das Gelbe kommt in mein Auge“, Lina strahlte Robert an, „und in deins, und in Teddys!“
„Das hast du dir sehr gut gemerkt, Lina“, lobte Robert, „und weißt du auch noch, was passieren würde, wenn die Oberfläche von deinem Planschbecken … und von den Bäumen und den Pflanzen und den Tieren … nichts mit dem Sonnenlicht machen würde?“
Lina kaute auf ihrer Lippe.
„Was hatten wir gesagt, welche Farbe hat das Sonnenlicht?“, fragte Robert.
„Weiß!“, rief Lina, „jetzt weiß ich’s. Du hattes gesagt, wenn die Oberfläche von allem nichts mit dem Sonnenlicht machen würde, dann wäre alles weiß!“
„Genau“, sagte Robert, „denn dann träfe das weiße Sonnenlicht auf dein Planschbecken. Und genau so, also unverändert weiß käme es in dein Auge. Deshalb ist Weiß auch keine Farbe. Denn es ist einfach nur das unveränderte Sonnenlicht.“ Robert machte eine kleine Pause. „Und was ist mit Schwarz?“, fragte er.
„Das ist … das ist … Ist das genau andersrum als mit Weiß?“, fragte Lina vorsichtig.
„Lina, du bist klasse!“, rief Robert, „genau so ist es! Bei Schwarz wird das ganze Sonnenlicht aufgesaut und nichts davon gelangt in unser Auge. Das ist der Unterschied zwischen Farben und Schwarz und Weiß. Siehst du, Lina,“ sagte er dann, „für alle Farben wird das Sonnenlicht aufgespalten, in einen Teil, der aufgesaut wird und in den anderen, den wir sehen. So entsteht Gelb, Grün, Blau, Rot … Bei Schwarz und Weiß wird das Sonnenlicht nicht aufgespalten. Es bleibt genau so, wie es ist. Bei Weiß gelangt es komplett in unser Auge und bei Schwarz gelangt es gar nicht in unser Auge. Deshalb sind Schwarz und Weiß keine Farben“, Robert strahlte.
„Und darum wird Schwarz so schnell warm?“, fragte Lina.
„Nicht ganz, aber fast“, antwortete Robert, „Schwarz wird deshalb so warm, weil es noch andere Strahlen in dem Sonnenlicht gibt, außer den Regenbogenfarben. Diese Strahlen können wir zwar nicht sehen, doch manche davon können wir fühlen. Die Infrarotstrahlung zum Beispiel ist Wärmestrahlung. Das ist die Strahlung, wegen denen sich die Sonne warm anfühlt, wenn sie auf deine Haut scheint. Und genau so, wie die schwarze Pappe alle Farben aus dem Sonnenlicht aufsaugt, saugt Schwarz auch die Infrarotstrahlung auf. Und bei Weiß ist es genau umgekehrt. Weiß schickt nicht nur das gesamte weiße Sonnenlicht sondern auch die Infrarotstrahlung zurück. Deshalb wird Weiß nicht so warm und alles, was Schwarz ist, heizt sich sehr schnell auf.“
„Hallo ihr beiden, genießt ihr die Sonne?“, Mama streckte den Kopf zur Tür hinaus.
„Mama!“, rief Lina, „Robert, Mama ist nach Hause gekommen.“ Lina sprang auf, nahm die weiße und die schwarze Pappe. und lief damit Mama entgegen. „Mama, fühl mal, die schwarze Pappe ist ganz heiß geworden und die weiße ist nicht so heiß. Und Mama, weißt du, warum Schwarz so schnell warm wird? … und weißt du, warum mein Planschbecken gelb ist? … Und, Mama, fühl mal.“
Mama staunte darüber, wie warm die Pappe geworden war, und Lina erklärte Mama alles, was sie heute gelernt hatte.
Und du, hast du auch schon einen Tag im Planschbecken verbracht? Was machst du am liebsten im Planschbecken?


Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

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