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Mint-Fächer
22.09.2016  Silke Ottow

Die Schrecke von Linas Regal

Habt ihr auch die Geräusche aus der Wiese gehört? So ein Zirpen und Pfeifen? Das sind die "gemeinen Strauchschrecken". Lina hat eine davon in ihrem Zimmer....
Lina hat eine Schrecke gefunden. Die Schrecke saß auf ihrem Regal, direkt auf Teddys Schlafplatz. Na, das gab ein Theater. Teddys Schlafplatz war besetzt. Das ging ja gar nicht. Lina sollte sich bettfein machen und bevor sie ins Bad ging, wollte sie Teddy schon mal auf seinen Schlafplatz setzen. Normalerweise freute sich Teddy darauf, aber diesmal sträubte er sich mit allen Tatzen. Lina wusste erst gar nicht warum, doch dann sah sie, dass sein Schlafplatz schon besetzt war.
„Mama! Papa!“, rief Lina. „Hier ist etwas auf Teddys Regal!“
Als Mama und Papa sahen, was los war, holten sie erst einmal ein Glas. Denn alle waren sich einig, die Schrecke sollte gefangen und wieder in die Freiheit entlassen werden. Für das Fangen war das Glas erforderlich. Das stülpten sie über die Schrecke. Anschließend wurde ein Stück Pappe unter das Glas geschoben. Nun saß die Schrecke im Glas und konnte transportiert werden.



Doch bevor die Schrecke befreit wurde, musste sie natürlich erst einmal gründlich beäugt werden. Tierbücher und das Internet wurde befragt. Dabei stellte sich heraus, dass bei Heuschrecken zwischen Lang- und Kurzfühlerschrecken unterschieden wird. Lina, Mama und Papa waren sich einig, diese Schrecke hatte eindeutig sehr lange Fühler. Nach einigem Suchen und Lesen war es dann klar.
„Das ist wahrscheinlich eine Gemeine Strauchschrecke,“ sagte Mama.
„Warum ist die gemein? Tut die uns was?“, wollte Lina wissen.
Papa lachte. „Nein, so ist das nicht gemeint“, sagte er. „Das heißt nur, dass es eine ‚gewöhnliche‘ Strauchschrecke ist. Es gibt auch noch spezielle Arten, wie zum Beispiel die Alpenstrauchschrecke oder die Grüne Strauchschrecke.“
Komisch war es trotzdem, fand Lina. Aber gut, dieses war also eine Gemeine Strauchschecke, obwohl die Schrecke gar nicht gemein war.
Daraufhin deuteten auch sonst viele Merkmale. Denn die Schrecke war etwa zwei Zentimeter groß, hatte einen leuchtend gelbgrünen Bauch ‒ das sieht man leider nicht auf dem Foto ‒, war grau-braun gefärbt und das Halsschild hatte einen sehr feinen weißen Rand. Außerdem hatte sie sehr kurze Flügel. Genau genommen sah man die Flügel fast nicht. Sie waren so kurz, dass sie nur knapp unter dem Halsschild hervorschauten.



Als die Schrecke allerdings anfing, ihre Beine zu putzen, konnte man die Flügel etwas besser sehen.


Hier sieht man die kurzen Flügel der Strauchschrecke.

Was Teddy weiß
Gemeine Strauchschrecken fressen Insekten wie kleine Fliegen und Blattläuse, Blätter und andere Pflanzenteile. Strauchschrecken können nicht fliegen, dafür sind die Flügel zu klein. Trotzdem sind ihre Flügel wichtig, denn mit ihnen zirpen sie. Auf der Unterseite ihres oberen Flügels befinden sich, wie auf einem Waschbrett, viele, dicht nebeneinander liegende Rippen. Das ist die Schrill-Leiste. Am unteren Flügel befindet sich eine Schrill-Kante. Wenn die Strauchschrecken die beiden Flügel gegeneinander reiben, macht das Musik, sie zirpen.
Dass man auf diese Weise Geräusche machen kann, kannst du ausprobieren, indem du einen Kamm nimmst und mit verschiedenen Gegenständen über die Zinken streichst. Du kannst zum Beispiel ein Lineal, einen Bleistift oder eine Schere nehmen. Die Töne, die dabei entstehen, sind immer unterschiedlich.
Übrigens sind die Gemeinen Strauchschrecken nicht sehr kälteempfindlich. Deshalb sind sie eine der wenigen Arten, die auch noch in kalten Nächten singen.
Die Strauchschrecke von Linas Regal war ein Männchen. Strauchschrecken-Weibchen haben noch eine etwa einen Zentimeter lange Legeröhre am Hinterleib. Mit der bohren sie Löcher in die Erde oder in weiches Holz, in die sie ihre Eier ablegen.
Mehr über Grillen und Schrecken findest du auf der Nabu-Seite, näheres über die Gemeine Strauchschrecke gibt es bei Wikipedia. Dort kannst du dir auch die Schrill-Leiste anschauen.

Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de
 

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