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Rezensionen und Reviews
07.10.2016  Meike Sauerhering

Strategien für leichteres Lernen (Review)

didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen hat in Heft 03/16 das effektive Lernen als Titelthema. Verbindendes Element in den verschiedenen Beiträgen ist die Bedeutung der Emotionen und damit der Motivation für das Lernen. In diese Review wird ein vertiefender Blick in zwei der vier Titelbeiträge geworfen. Aus den weiteren Rubriken werden zwei weitere Beiträge betrachtet: Das 'knisternde Klassenzimmer' wird vorgestellt und der Übergang von der KiTa in die Grundschule thematisiert.
Mit ihrem Beitrag Es will nicht in den Kopf (S. 10-12) beschreiben Marcus Hasselhorn und Kathleen Thomas, was dahinter stecken kann, wenn Kinder sich mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen schwertun. Sie beschreiben, woran PädagogInnen Lernschwächen erkennen und wie sie die Entwicklung der betroffenen Kinder unterstützen können. Zeigen SchülerInnen im Unterschied zu anderen Leistungsbereichen im Lesen und/oder Schreiben oder in Mathematik auffallend schlechte Leistungen ist also davon auszugehen, dass die Ursache hierfür nicht mangelnde Intelligenz ist, sondern möglicherweise eine Lernstörung. Die Autoren betonen, dass die Ursachen für eine solche Störung vielfältig sein können. So gilt es, beispielsweise mangelndes Seh- oder Hörvermögen durch entsprechende Tests auszuschließen. Wenn eine Lernstörung oder Lernschwäche diagnostiziert ist, sollte das Kind auf verschiedenen Ebenen Unterstützung erhalten. Zumeist ist bei einer Störung eine spezifische Therapie notwendig, aber auch in der Schule können entsprechende Lernprogramme oder das Gewähren eines Nachteilsausgleichs Entlastung für das Kind bringen. Dieses ist besonders wichtig, da sich auch isolierte Schwächen auf die gesamte Schulsituation des Kindes auswirken können, wie beispielsweise Sinken der Lernmotivation und Lernfreude. Mitunter leidet sogar das Selbstwertgefühl massiv. Leider wird in dem Beitrag nicht zwischen Lernstörungen und Lernschwächen unterschieden, sodass man den Eindruck gewinnen könnte, es sei dasselbe. Dennoch gibt der Beitrag erste Eindrücke in diese Phänomene und hält für den interessierten Leser Hinweise vor, an welcher Stelle er sich weiter informieren kann.
 
Learning by Gaming (S. 16-18) ist das Thema von Martin Lorber und Thomas Schutz. Der Beitrag ist ein Plädoyer dafür, die große Motivationskraft, die von Computerspielen ausgeht, auch für das Lernen in der Schule zu nutzen. Die Autoren schildern, dass die Lust am Spielen über die „Algebra-Abscheu“ (S.16) bei Spielen der „Dragonbox-Serie“ siegt und ein spielerischer Zugang zu Mathe und Physik eröffnet wird. Mit „CodeCombat“ lernen beispielsweise SchülerInnen der privaten Tilton School in New Hampshire das Programmieren. Nach Ansicht der Autoren werden die Möglichkeiten von Computerspielen jedoch viel zu selten genutzt. Sie unterstreichen, dass SpielerInnen je nach Genre Lernkompetenzen auf Expertenniveau entwickeln (S.17). Eine eher überraschende Erkenntnis ist die, dass mit Computerspielen eine Vielzahl von Schlüsselkompetenzen gefördert wird. Lorber und Schutz heben hier insbesondere die Entscheidungsfähigkeit sowie die Kommunikations- und Teamfähigkeit heraus. Wichtig ist jedoch der Hinweis, dass auch bei Computerspielen genau wie bei anderen Lehrmethoden und Lerninhalten die Motivation und Überzeugung des Lehrenden unabdingbar ist, um andere zu begeistern. „Gaming beziehungsweise spielerische Elemente können dies unterstützen, wenn sie ins didaktische Szenario eingebettet sind. […] als simpler Lernköder vermögen [sie] dies in der Regel nicht.“ (S. 18)
 
Hartmut Rosa erachtet es für notwendig,,Bildungsprozesse grundlegend zu überdenken. Er stellt eine neue Ausrichtung für die Schule vor, die er Resonanzpädagogik nennt. Gemeinsam mit dem Pädagogen Wolfgang Endres hat er ein Buch zu diesem Thema herausgegeben. Im didacta Magazin ist ein Gespräch zwischen dem Soziologie-Professor Hartmut Rosa und Endres veröffentlicht, in dem beinahe greifbar wird, wie und warum es im Klassenzimmer knistern (S. 26-30) sollte. Wenn SchülerInnen sich Weltwissen aneignen, bedeutet dies im Sinne Rosas wesentlich mehr als Kompetenzzuwachs, vollziehen sich Prozesse, die auf einer besonderen Interaktion zwischen allen Beteiligten beruhen. Hierfür braucht es Offenheit, um sich von neuem tatsächlich berühren und bewegen zu lassen. Das schafft eine besondere Beziehung zu den Dingen und unter den Lernenden und Lehrenden. Diese wird als Energie beschrieben, die die Luft im Klassenzimmer zum Knistern bringt. Es wird Resonanz erzeugt und lebendiges Lernen kann sich entfalten. Sich auf Neues einzulassen beinhaltet jedoch auch immer die Gefahr der Verunsicherung und Verletzlichkeit, so muss Schule einen Schutzraum darstellen. Derzeit ist es allerdings allzu oft der Fall, dass die Luft in den Schulen durch unausgesprochene Konflikte oder offene Meinungsverschiedenheiten zum Knistern gebracht wird. Und wenn es im Kollegium nicht „knistert, sondern knirscht, dann bildet sich das Gegenteil von dispositionaler Resonanz aus“ (S. 29).
 
Miriam Lotze und Meike Sauerhering beschäftigen sich mit dem Übergang von der KiTa in die Grundschule. Dabei legen die Autorinnen den Fokus auf die Moderatoren-Rolle der professionellen Akteure (Kita-Fachkräfte und LehrerInnen). Sie unterstreichen, dass oftmals sowohl in Schule als auch in KiTa keine realistischen Bilder von der Arbeit der jeweils anderen Institution existieren. So liegt auf dem Feld der Übergangsgestaltung noch eine Vielzahl von Stolpersteinen. Gelingt den professionellen Akteuren jedoch das Miteinander reden und gemeinsam gestalten (S. 60-63) im Übergangsprozess, werden dem Kind gute Perspektiven für ein erfolgreiches Schulleben eröffnet.
 
Link zur Ausgabe:
http://didacta-magazin.de/
 
 

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