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Kinder der Welt
01.11.2016  

Kritik an Kinderarbeits-Report von terre des hommes

Kinderarbeit wird bei uns vehement abgelehnt - ohne zu reflektieren, dass sie unter bestimmten Umständen für Kinder lebensrettend sein kann und zur Selbstbildung beiträgt, indem sie das Selbstbewusstsein der Kinder stärkt. Der Verein ProNATs setzt sich für diese Aspekte ein und kritisiert aus dieser Position heraus einen Kinderarbeitsreport von terre des hommes.
Die große Not syrischer Kinder, die unter den Bedingungen des Krieges leben müssen oder sich auf der Flucht befinden, ist gewiss ein Thema, das größere Beachtung verdient. Dazu gehört auch, genau hinzusehen, wo die Notlage der Kinder ausgenutzt wird, um sie wirtschaftlich oder sexuell auszubeuten oder für militärische Zwecke zu missbrauchen. Doch der jüngst von der Kinderhilfsorganisation terre des hommes veröffentlichte Kinderarbeits-Report 2016 zu diesem Thema erweist den Kinderflüchtlingen einen Bärendienst. Er trägt nicht zur Verbesserung ihrer Lage bei, sondern leistet ihrer weiteren Diskriminierung und Marginalisierung Vorschub – auch wenn dies gewiss nicht gewollt ist.

Die arbeitenden Kinder werden ausschließlich als Opfer dargestellt, die zum Spielball übermächtiger Umstände werden. Der in der Darstellung der Probleme vorherrschende Automatismus schließt aus, die Kinder auch als handelnde Subjekte wahrzunehmen, die mit ihrer Arbeit zumindest teilweise eigene Absichten verfolgen, eigene Sichtweisen haben und zur Lösung der auftretenden Probleme selbst beitragen könnten. Indem die Arbeit der Kinder in anklagender Weise ausschließlich als Problem dargestellt wird, bleibt ausgeblendet, dass sie selbst in vielen Situationen dazu beiträgt, alltägliche Probleme zu bewältigen, und von den Kindern auch so verstanden und bejaht wird. Stattdessen wird sie an allgemeinen, von außen herangetragenen Maßstäben einer idealisierten Kindheit nach westlichen Maßstäben gemessen und verurteilt. Die aus der Not geborenen und zu ihrer Linderung beitragenden Aktivitäten der Kinder werden unisono in das Begriffsschema der „Kinderarbeit“ gepresst, ohne genauer nach ihrem Sinn und ihren verschiedenen Bedeutungen in der konkreten Situation zu fragen.

Mehr dazu lesen Sie hier.

Quelle: Presseerklärung von ProNATs
 

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