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Familie
25.11.2016  

Ganztagsschule und Hort erhöhen die Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Grundschulkindern

Werden Kinder nach der Einschulung in Ganztagsschulen oder im Hort auch am Nachmittag betreut, sind Mütter deutlich häufiger und länger berufstätig als zuvor. Das geht aus einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) hervor, die auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) basiert.
Die Untersuchung gehört zu den wenigen Studien, die für Deutschland die Effekte der Nachmittagsbetreuung von Grundschulkindern auf die Erwerbstätigkeit von Müttern analysieren. Demzufolge nehmen mehr als elf Prozent der Frauen, die vor der Einschulung ihres Kindes nicht berufstätig waren, eine Erwerbstätigkeit auf. Mütter, die bereits zuvor einem Job nachgingen, arbeiten aufgrund der Nachmittagsbetreuung ihres Kindes wöchentlich im Schnitt gut zweieinhalb Stunden mehr.

„Ganztagsschulen und Horte erhöhen die Erwerbsbeteiligung von Müttern“, sagt Jan Marcus, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Bildung und Familie des DIW Berlin. „Nachdem in den vergangenen Jahren im Kita-Bereich viel getan wurde, sollten familienpolitische Maßnahmen noch stärker auf Angebote für Schulkinder zielen, damit die Erwerbsbeteiligung von Frauen weiter steigen kann – denn die Problematik der Vereinbarkeit von Familie und Beruf endet nicht mit der Einschulung.“

Viele Frauen mit Kindern sind nach wie vor nicht erwerbstätig

Die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern ist in Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern noch immer gering. Aufgrund des Kita-Ausbaus der vergangenen Jahre sind inzwischen zwar mehr Mütter erwerbstätig, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt aber auch für Mütter mit Grundschulkindern eine Herausforderung. Viele Frauen mit Kindern im Grundschulalter würden gerne länger arbeiten, können dies aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten aber häufig nicht. Selbst wenn die Kinder bereits zwischen sechs und acht Jahren alt sind, gehen mit knapp 20 Prozent deutlich weniger Mütter einem Vollzeitjob nach als Frauen ohne Kinder, von denen dies mehr als die Hälfte tut.

Die Ergebnisse der DIW-Studie verdeutlichen, dass Ganztagsschulen und Horte die Erwerbsbeteiligung von Müttern signifikant erhöhen. Die StudienautorInnen Ludovica Gambaro, Frauke Peter und Jan Marcus zeigen, dass die institutionalisierte Nachmittagsbetreuung direkt ursächlich ist für die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern. Denkbar wäre, dass eine hohe Erwerbsbeteiligung von bestimmten Müttern auf soziodemografische Merkmale wie Bildungshintergrund, Haushaltseinkommen, Migrationshintergrund oder die Zahl der Kinder in einer Familie zurückgeht. Mehr als 100 solcher Merkmale haben sich die AutorInnen angesehen und in ihren Berechnungen berücksichtigt – der Effekt der Nachmittagsbetreuung auf die Müttererwerbstätigkeit blieb dennoch bestehen.

Weiterer Ausbau von Ganztagsgrundschulen würde Frauen und der ganzen Gesellschaft nützen

Auf das Arbeitsangebot der Väter hat die Nachmittagsbetreuung ihrer Grundschulkinder hingegen keinen Einfluss, sie verändert das Erwerbsverhalten von Vätern nicht. Dies unterstreicht, dass die Betreuungssituation der Kinder für die Erwerbstätigkeit von Müttern wichtiger ist als für die von Vätern. Um die Erwerbsbeteiligung von Frauen mit Kindern zu erhöhen, wären beispielsweise längere Öffnungszeiten von Ganztagsgrundschulen empfehlenswert. Sie könnten es Müttern ermöglichen, länger zu arbeiten und von einer Teilzeit- in eine Vollzeitstelle zu wechseln. „Dies käme einerseits der ganzen Gesellschaft zugute, da das Erwerbspersonenpotential stiege, und andererseits natürlich den Frauen selbst, die unter anderem höhere Altersversorgungsansprüche erwerben könnten“, so Frauke Peter.

Stichwort SOEP 

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin ist Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland und wird unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Persönlichkeitsmerkmale, Bildung, Gesundheit, Einkommen, Erwerbstätigkeit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Interview mit Jan Marcus: "Die Betreuungsproblematik endet nicht mit der Einschulung" (Print und Podcast)

Quelle: www.bildungsklick.de
 



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