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Mint-Fächer
26.11.2016  Tina Sprung

Tanzende Korken

In der Krippe „Die Weltentdecker“ in München sind schon die Kleinsten Forscher. Sie lernen spielerisch, dass Holzstämme und Korken schwimmen und ­tanzen können.
Weiß jemand, was das ist?“, fragt Erzieherin Petra Pötschke und hält einen Weinkorken hoch. „Ja, Mama, Bier!“, antwortet die dreijährige Saskia und lacht vor Freude. Sie greift nach dem Korken und schmeißt ihn in eine große, blaue Wanne, die mit Wasser gefüllt ist. „Uh, Korken schwimmt.“ Ihre zwei Freundinnen Sonja und Leonie schauen gebannt auf ihn. „Korken drehen“, sagen sie und tänzeln nun aufgeregt um die Wanne herum.

Sonja, Leonie, Saskia und ihre Erzieherin Petra Pötschke sind zusammen im Forscherlabor der Krippe „Die Weltentdecker“ in München. Diese hat das Siegel „Haus der kleinen Forscher“. Die Initiative, die die Pädagogen schult, engagiert sich für die naturwissenschaftliche, mathematische und technische Bildung von Kindern. In dem Kellerraum der Kita sind in einem kleinen Regal bunte Schüsseln ineinander gestapelt. An den Wänden hängen kleine Forscherkittel und Topflappen, in Eimern auf dem Boden sind Reis und Nudeln abgefüllt. „Zum Schöpfen von einer Box in die andere“, erklärt Pötschke, während sie kleine Baumstämme aus dem Holzregal holt. Sonja greift nach ihnen. „Holz schwer, Holz nicht schwimmen.“ Als sie das Holz hineinwirft, dreht sich der kleine Stamm schnell und bleibt an der Wasseroberfläche. „Oh“, sagt Saskia. Pötschke ordnet für die Kinder das Erforschte ein: „Holz kann auch schwimmen, obwohl es schwer ist. Es ist also nicht wichtig, wie schwer etwas ist, damit es nicht untergeht.“

Der Boden im kleinen Forscherlabor ist mittlerweile nass. Überall haben sich winzige Pfützen gebildet. Sonjas Schritte sind hastig. „Socken, nass“, lacht sie. Leonie gibt ihr ein Quietscheentchen, das sie ins Wasser setzt. Die Kinder lachen. „Das Quietscheentchen ist leicht. Das schwimmt bestimmt auch bei euch in der Badewanne zu Hause“, sagt Pötschke. „Was haben wir heute gelernt? Holz kann schwimmen, auch Quietscheentchen, Steine und Muscheln gehen unter.“ Die drei Kinder ziehen ihre Forscherkittel, deren Ärmel noch hochgekrempelt sind, aus. „Einmal in der Woche gehen wir mit den Kindern in unser kleines Forschungslabor. Und das seit über drei Jahren.“

2011 meldete Pötschke die Krippe bei der Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ an. „Unsere Kita heißt ,Die Weltentdecker‘. Das passt super“, findet sie. Pötschke ist seit Gründung der Kita 2008 Leiterin. „Nach der Anmeldung vor fünf Jahren absolvierten wir Seminare, die von der Stiftung angeboten werden.“ Dabei wurde erklärt, welche Experimente Erzieherinnen und Erzieher den Kindern zeigen können. „Für den U3-Bereich haben wir schwierige Experimente angepasst oder leichte Experimente ausgesucht, beispielsweise die tanzenden Rosinen. Die Kinder haben bei diesem Projekt herausgefunden, dass Rosinen im Wasser auf- und abspringen, wenn das Wasser blubbert“, so Pötschke. 2013 folgte die Anerkennung durch die Stiftung „Haus der kleinen ­Forscher“.

Das erste große Projekt in der Kita waren Wasserexperi­mente: ein eigenes Aquarium oder Ausflüge in die Sea World. Auch Farbenspiele mit Wasser gehörten dazu. „Wir mussten die Dokumentation der Stiftung vorlegen“, erklärt Pötschke. Vor dem Eingang der Krippe hängt ein kleines Schild. Das haben sie bekommen, als sie von der Initiative „Haus der kleinen Forscher“ anerkannt wurden. „Alle zwei Jahre muss es erneuert werden. Auch bei uns ist es wieder soweit. Dann werden wir das nächste große Projekt starten.“
 

 Aus dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung 


Das Anliegen von ­Umweltbildung und naturwissenschaftlich ­technischer Bildung ist, gemeinsam mit den Kindern Umweltereignisse zu beobachten, daraus Fragen abzuleiten, Zusammenhänge zu ­erkennen und daraus Verhaltensweisen schlussfolgern zu können. Ziel ist es, mit der Welt vertraut zu werden.
Haben Kinder die Möglichkeit, sich intensiv und über einen längeren Zeitraum mit der Natur und ihren Gesetzmäßigkeiten zu befassen, können sie …
  •  die Eigenschaften verschiedener Stoffe kennenlernen, wie Dichte und Aggregatzustand (feste Körper, Flüssigkeiten, Gase).
  • Erfahrungen mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten sammeln, wie Schwerkraft, Mechanik, Optik, Magnetismus, Elektrizität.
  • verschiedene Naturmaterialien sammeln, sortieren, ordnen, benennen und beschreiben, wie Blätter, Blütenformen, Rinden, Früchte.
  • durch Experimente naturwissenschaftliche Vorgänge bewusst wahrnehmen und sich die Welt erschließen.
  • Hypothesen aufstellen und diese mit entsprechenden Methoden überprüfen.

Quelle: didacta – das Magazin für lebenslanges Lernen
Foto: Gajus - Teamwork

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