Anmelden
Rezensionen und Reviews
10.02.2017  Meike Sauerhering

Neues für die Grundschule I / 2017

Hier erhalten Sie Einblick in mehrere Fachzeitschriften (Die Grundschulzeitschrift, Grundschulmagazin, Lernende Schule, didacta), mit Informationen zum offenen Unterricht, zur Begabungsförderung und zur Sprachförderung sowie Materialien für verschiedene Projekte und Unterrichtseinheiten. Aus den Zeitschriften sind Artikel auf unser Portal übernommen. Diese können Sie öffnen, indem Sie auf die farbig unterlegten Titel klicken.
Die Grundschulzeitschrift aus dem Verlag Friedrich widmet sich mit ihrem 300. Heft (Dezember 2016) zugleich ihrer eigenen Geschichte und der Entwicklung der Grundschule in den letzten 30 Jahren. Bereits mit ihrer Gründung 1987 hat sich ‚Die Grundschulzeitschrift‘ den thematischen Schwerpunkt offener Unterricht gegeben. So werden die Ansprüche an die Öffnung der Grundschule damals und heute, sowie die Entwicklung der Grundschule und was das für Lehrkräfte heute bedeutet, thematisiert.

Diemut Kucharz setzt sich mit ihrem Beitrag Offen Unterrichten (S. 4-7) mit den (idealistischen) Zielen der 1987 gegründeten Grundschulzeitschrift auseinander. Die ersten Hefte hatten das Ziel, engagierte Lehrkräfte darin zu bestärken und sie zu unterstützen, ihren Unterricht zu öffnen. Weil der offene Unterricht heute vielerorts etabliert ist und auch ein reichhaltiges Angebot an geeigneten Materialien auf dem Lehrmittelmarkt vorhanden ist, sind konkrete Hinweise zur Erstellung von Unterrichtsmaterialien mit der Zeit aus dem Heft verschwunden. Kucharz beschreibt als zentralen Unterschied zwischen damals und heute: „Vor 30 Jahren wurde die Zeitschrift mit großem reformpädagogischen Eifer und hohen normativen Ansprüchen geschrieben und gestaltet. Heute steht […] die Übersetzung empirischer Erkenntnisse aus der Unterrichts- und Bildungsforschung in die Praxis im Zentrum“ (S. 5). Diese Entwicklung gründet beispielsweise auf der Tatsache, dass erkannt wurde, dass man sich „offenbar viel zu wenig um den Output unserer Unterrichtsbemühungen gekümmert“ (S. 4) hat. Oder auch die Erkenntnis, dass Kinder ein unterschiedliches Maß an Strukturierung benötigen, um zu lernen und, dass es LehrerInnen nicht gleichermaßen gelingt, den Lernstand der SchülerInnen allein durch Beobachtung in offenen Phasen zu erheben, um passende Lernangebote bereitstellen zu können (S. 6). Um jedoch das Ziel zu erreichen, in der Grundschule insbesondere die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder zu stärken, braucht es neben der Übersetzung empirischer Erkenntnisse in die Praxis auch pädagogische Überzeugungen, wie guter Unterricht aussehen soll – betont die Autorin.

Die Verschränkung von Theorie und Praxis ist auch das Thema des Gesprächs zwischen Diemut Kucharz und Jörg Ramseger (S. 7-11). Beide sind Gründungsmitglieder der Grundschulzeitschrift und letzterer gilt zudem als Wegbereiter des ‚offenen Unterrichts‘. In dem Gespräch werden sowohl neue als auch alte Argumente für die Öffnung der Grundschule diskutiert. Dabei wird deutlich, dass es sich nicht lediglich um eine Methode, sondern um eine spezifische Praxis mit einem spezifischen Umgang mit Kindern handelt. In den Anfangszeiten war das Konzept als Hinwendung zu konstruktivistischen und schülerorientierten Unterrichtsmodellen zu verstehen. Heute muss die Öffnung von Unterricht nicht mehr argumentativ erkämpft werden, sondern ist in den Richtlinien und Lehrplänen der meisten Bundesländer verankert, bedarf aber der Anpassung an die aktuellen Bedingungen und Herausforderungen. Hier sind beispielsweise die Umsetzung der Inklusion oder die Integration von Zuwandererkindern“ (S. 8) zu nennen. Gefordert sind derzeit eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie sowie die selbst-kritische Reflexion von Praxis (S. 9). Ramseger betont, dass es nach wie vor noch genug Fragen für weitere 300 Hefte Grundschulzeitschrift gibt, damit es besser gelingt, herkunftsbedingte Disparitäten in Bezug auf den Bildungserfolg von Kindern auszugleichen, ohne dabei die Realität von Grundschullehrkräften aus den Augen zu verlieren.

An die These Ramsegers lässt sich das Plädoyer von Charlotte Röhner anschließen, dass Zeitschriften für die Unterrichtspraxis (S.23) unerlässlich für den Wissenstransfer sind. Diese Zeitschriften haben sich dem Auftrag angeschlossen, die Grundschule zu reformieren und einen Beitrag zur curricularen und organisatorischen Weiterentwicklung zu leisten. Der Beitrag wendet sich auch gegen den Vorwurf, dass Fachzeitschriften vorwissenschaftlich sind. Dafür analysiert Röhner exemplarisch zwei Beispiele aus Themenheften des aktuellen Jahrgangs. Deutlich wird, dass die wissenschaftliche Güte der Beiträge gesichert ist und dass der Wissenstransfer für die Unterrichtspraxis auf hohem Niveau stattfindet (S. 25).

Dass die Öffnung des Unterrichts sich heute ganz anders gestaltet als damals (1987) beschreiben Andreas Feindt und Gudrun Schönknecht in ihrem Beitrag Berufseinstieg und offener Unterricht (S. 16-19). Anfänglich waren es erfahrene LehrerInnen, die sich Schritt für Schritt auf den Weg machten, ihren Unterricht zu öffnen. Bei diesen sogenannten Pioniertypen vollzogen sich die pädagogische Konzeptentwicklung im Klassenzimmer und der Schule parallel zu ihrer berufsbiographischen Entwicklung. Heute stehen die jungen LehrerInnen vor der Herausforderung von Beginn an, offene Unterrichtsmodelle anzuwenden, ohne auf berufspraktische Sicherheit und professionelle Handlungskompetenz zurückgreifen zu können. Die Autoren ziehen das Fazit, dass „es für neue Kolleginnen und Kollegen auch möglich sein [muss], die Öffnung des eigenen Unterrichts schrittweise zu vollziehen, phasenweise auch stärker zu lenken, sich zunächst auf einige Bereiche oder Aspekte der Öffnung zu konzentrieren“ (S. 19), um weder sich noch die SchülerInnen zu überfordern.

Fachdidaktische Blicke auf die Öffnung von Unterricht werfen Petra Scherer: Zur Öffnung des Mathematikunterrichts (S. 26 – 27) und Mechthild Dehn in ihrem Beitrag zum Lesen und Schreiben im Anfangsunterricht: Biografische Blicke auf Unterricht und Forschung (S. 44-47).

Jan van der Gathen beschäftigt sich mit der Schulentwicklung (S. 32-35) und betont: die Grundschule geht voran. Deutlich wird in dem Beitrag, dass der Ausgangspunkt von Entwicklung immer die Einzelschule ist. Dabei sind die Faktoren Tempo und Leitung von außerordentlicher Bedeutung. Als Quintessenz formuliert van der Gathen: „Zukünftiges Ziel der Schulentwicklung ist es, eine Balance von inneren und äußeren Ansprüchen zu finden“ (S. 34). Dabei geht es darum, stetig daran zu arbeiten, eine gute Schule für die ihr anvertrauten Kinder zu schaffen. Eine solche Schule „ist nie fertig und komplett. Sie bleibt eine neugierige, lernende Schule. Und nimmt sich damit ein Beispiel am Kind“ (S. 34).

Persönlicher beleuchten Hans Brügelmann und Axel Backhaus das Thema Schulentwicklung in ihrem Beitrag 1987-2017: 30 Jahre Grundschulentwicklung (S. 20-22). Sie ziehen einen Vergleich zwischen den Problemen, Themen und Entwicklungen von damals bis heute.

Eine zentrale Frage, der die Grundschulzeitschrift seit ihrer Gründung nachgeht, ist die, wie es gelingen kann, dass Kinder in der Grundschule mit Begeisterung lernen. Eine Antwort darauf ist die verantwortliche Beteiligung der SchülerInnen bei der Gestaltung ihrer Lernprozesse und der Auswahl der Themen. Das beleuchten in ihren Beiträgen Gudrun Spitta: Was haben Lernen und Fußballtraining gemeinsam? (35-39) und Volker Schwier gemeinsam mit Christoph Buhlmahn: Wie kann eine bessere Schülerorientierung gelingen? (S. 40-43).

Der Ganztag ist seit 20 Jahren explizit Thema in der Grundschulzeitschrift – und so findet sich ein Beitrag zu dessen Entwicklung in der Ausgabe: Ganztag in der Grundschule. Gestern – heute – morgen von Karin Babbe und Katharina Kirschke-Szutak (S. 28 – 31). Ausgangspunkt ihrer Darstellung sind die aktuellen Zahlen: Bundesweit nutzen inzwischen 30,6 % der SchülerInnen Ganztagsangebote, wobei der Anteil in Grundschulen höher ist. Interessant dabei ist, dass der Anteil berufstätiger Eltern und Alleinerziehender größer ist, der von Kindern mit Migrationshintergrund oder geringerem sozio-ökonomischen Status hingegen niedriger.
Was geschieht, wenn Kinder sogar bei der Fortbildung ihrer Lernbegleiter mitmischen, berichtet  Herbert Hagstedt in seinem Erfahrungsbericht Wenn Kinder Schule machen (S. 48-51).
 
Hier finden Sie den Link zur Ausgabe:
https://www.friedrich-verlag.de/grundschule/grundschulpaedagogik/die-grundschulzeitschrift/
______________________________________________________________________
 
Im Grundschulmagazin 1/2017 aus dem Verlag Oldenbourg werden Beiträge zum Schwerpunkt Sprachförderung veröffentlicht. Es wird dargestellt, wie vielfältig und nuanciert sprachsensibler Unterricht in unterschiedlichen Fächern gestaltet werden kann. Dieser hat zum Ziel „Kinder auf dem oft schwierigen Weg von der Alltagssprache zur Bildungssprache wirkmächtig zu begleiten“ (S. 1). Zudem sind auch in dieser Ausgabe Materialien für den Bereich Deutsch als Zweitsprache (Wortformenbildung und Tempusbildung S. 58-63), Mitteilungen des Grundschulverbands und Literaturtipps enthalten.
Von der These ausgehend, dass jeder Unterricht Sprachunterricht ist, nähert sich Wilhelm Grießhaber in seinem Basisbeitrag: Mehr als Deklination und Konjugation (S. 7-11) dem Thema.

Die Bildungssprache dient der präzisen Beschreibung abstrakter und komplexer Inhalte und steht der Schriftsprache nahe (S. 8). Insbesondere Sprachlernern erscheint die deutsche Sprache sehr kompliziert. Grundlage der Sprachförderung im Fachunterricht sind die Ermittlung der Sprachkenntnisse der SchülerInnen sowie eine genaue Analyse der fachlichen Grundlagen einer Unterrichtseinheit. Daraus ergibt sich, welche Fachbegriffe erarbeitet werden müssen, welche Texte, welche Vermittlungswege und –formen geeignet sind (S. 11). Grießhaber zeigt, wie LehrerInnen systematische Einblicke in den Sprachstand ihrer SchülerInnen erhalten können. Der erreichte Sprachstand der SchülerInnen bildet die Basis der Förderung und die nächsthöhere Erwerbsstufe definiert den Förderhorizont (S. 9). Anders als in Alltagssituationen löst sich in Schule und Unterricht die Sprache zunehmend aus Sprechsituationen heraus. So müssen Texte alle für das Verstehen relevante Informationen enthalten und aus sich heraus verständlich sein. Um Texte besser beurteilen zu können, ist als Hilfsmittel eine Tabelle mit Satzmustern des Deutschen abgedruckt, die es ermöglicht, schnell die sprachliche Komplexität von Sachtexten zu ermitteln und deren Eignung für bestimmte Lerner zu beurteilen (S. 9). Neben der notwendigen Anpassung von Texten an die jeweiligen Fähigkeiten von SchülerInnen beschäftigt sich der Autor mit dem Sprechen und dem Schreiben im Sachunterricht. Erläutert wird jeweils, welche Funktion sie einnehmen und welche Stolperfallen zu bedenken sind.

Mit ihrem Beitrag Sprachbrille auf! Im Mathematikunterricht wenden Alexandra Koch und Lilo Verboom sich der Sprachförderung in der Praxis Mathematik ab der dritten Jahrgangsstufe zu (S. 12-20). Sie stellen ein Konzept zu einem gezielt sprachfördernden Mathematikunterricht vor, das im Rahmen des BMBF-Projekts „Bildung durch Sprache und Schrift (BISS)“ in Duisburg erprobt wurde. Angestrebt ist in dem Konzept die gezielte Verknüpfung fachlichen Lernens mit der Stärkung der bildungssprachlichen Kompetenz. Prinzip ist dabei der sprachlichen Heterogenität der SchülerInnen gezielt zu begegnen. Es werden zwei Schwerpunkte gesetzt: Förderung und Aufbau eines Fachwortschatzes sowie Aufbau angemessener Vorstellungen zum Bündelungs- und Stellenwertbegriff. Im Beitrag werden Materialien vorgestellt und abgedruckt, die im eigenen Unterricht verwendet werden können.

Mit dem gleichen Schwerpunkt (Sprachförderung im Mathematikunterricht) beschäftigt sich Sabrina Lange in ihrem Beitrag Fachsprache lernen, üben, anwenden (S. 21-26). Sie stellt Materialien (Zahlenmauern) vor, mit denen Sprachförderung als Grundlage eines guten Mathematikunterrichts umgesetzt werden kann. Geeignet sind diese für Kinder ab der ersten Jahrgangsstufe.

Im Sachunterricht müssen grundlegende Kompetenzen aufgebaut werden, inzwischen gehört dazu auch das Arbeiten an Sachtexten und das Finden von geeigneten Texten und Informationen im Internet. Insbesondere für Kinder im Zweitspracherwerb kann das eine besondere Anforderung darstellen. Martina Großmann zeigt, wie sich mit Hilfe einer Sprachprofilanalyse die Komplexität eines Sachtextes ermitteln lässt. Sie zieht dazu in ihrem Beitrag Die Federn stehen dicht zusammen (S. 27-32) einen im Internet recherchierten Text über Pinguine heran. Dazugehörige Materialien sind bereitgestellt (ab Klasse 2).

Sprachsensibles Arbeiten im handwerklich-technisch orientierten Sachunterricht ab Klasse 1 ist das Thema von Antje Baumann. In ihrem Beitrag (S. 33-39) zeigt sie, welche sprachlichen Hürden Kinder zu meistern haben und wie LehrerInnen sie dabei unterstützen können. Besonders im Blick hat die Autorin dabei Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erwerben. Sie erläutert Scaffolding (Gerüstbau) als Ansatz sprachsensiblen Arbeitens. Abgedruckt ist ein Scaffolding Planungsrahmen (S. 34) sowie Unterrichtsmaterialien für die sprachsensible Erarbeitung der Reihe Wir werden Werkzeugprofis (S. 36ff).

Anna Marie-Luise Becker zeigt, wie der Sachunterricht in der Schuleingangsphase zu einem Übungsraum der emotionalen Kompetenzen gestaltet werden kann. In ihrem Artikel Rate, wie ich mich fühle … (S. 40-44) wird deutlich, dass das der Sacherschließung dient sowie ein zentraler Beitrag zur sprachlichen Förderung und Entwicklung ist. Emotionale Kompetenz ist die Voraussetzung dafür, dass man sich selbst und anderen gegenüber wertschätzend ist. Daher nimmt sie eine entscheidende Rolle in der Persönlichkeitsentwicklung von Kindern ein und sollte auch in der (Grund-)Schule gefördert werden. Becker stellt eine Unterrichtsreihe mit dazugehörigen Materialien vor. Dabei werden zunächst die Teilkompetenzen des Emotionsausdrucks schrittweise erprobt und in einem Spiel umfassend geübt.

Drei weitere Themen – unabhängig vom Schwerpunkt Sprachförderung – werden in der Zeitschrift bearbeitet. Daniela Selmigkeit setzt sich in ihrem Beitrag Mit einer Münze ist es einfach Glück (S. 45-51) mit dem Zufallsprinzip auseinander. Denn „den Zufall zu erforschen, eröffnet Lernchancen in beiden stochastischen Bereichen“ (S. 47). Mit dem dazugehörigen Material kompakt zeigt sie, wie Listen, Tabellen und Diagramme als Mittel zur Untersuchung herangezogen und durchdacht werden müssen.

In der Rubrik Kurzserie Praxis Pädagogik starten zwei neue Themen: Qualität in der Grundschule und inklusiver Sportunterricht. Manfred Bönsch (Was ist eine gute Grundschule?, S. 52-53) setzt sich im Teil I mit Qualitätsstandards und dem Erziehungs- und Bildungsbegriff in der Grundschule auseinander. Ziel dabei ist es, den Ist-Stand zu überprüfen. Obwohl Grundschulen finanziell schlechter ausgestattet sind als andere Schulformen und GrundschullehrerInnen auch schlechter bezahlt werden, überzeugt sie pädagogisch. Sehr viele reformpädagogische Ideen werden dort aufgenommen. Zudem zeigen Grundschulen, indem sie auf gesellschaftliche Herausforderungen reagieren (wie beispielsweise die Umsetzung der Inklusion oder Gestaltung verschiedener Ganztagsformen), dass sie flexibel und zu Adaptionsleistungen in der Lage sind. Auch wenn das soziale Lernen in der Grundschule einen hohen Stellenwert besitzt, fehlt es daran, den grundschulspezifischen Erziehungs- und Bildungsbegriff theoretisch aufzuarbeiten und zu schärfen. Angesichts des derzeit forcierten output-Denkens ist zu unterstreichen, dass Leistung noch nichts mit Bildung zu tun hat und herauszuarbeiten, welche persönlichkeitsbildenden Elemente genutzt werden, um Kinder in der Grundschule stark zu machen – betont Bönsch. Dem Beitrag ist eine Übersicht beigefügt, die Ihnen helfen kann das pädagogische Programm Ihrer Schule zu überprüfen.

Caroline Goehring und Lena Krone machen in dieser Ausgabe den Anfang in der dreiteiligen Kurzserie zur Gestaltung inklusiver Lernkulturen im Grundschulsportunterricht (S. 55-57). Sie betten ihre Ausführungen in die Debatte um den Inklusionsbegriff und die Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention ein. Die Autorinnen geben ein Beispiel für die methodisch-didaktische Umsetzung von inklusivem Sportunterricht in der Grundschule. Dabei orientieren sie sich am „Handlungsmodell inklusiver Sportunterricht“ (S. 56): SchülerInnen gemeinsam, jahrgangsübergreifend mit problemorientierten Aufgaben zu konfrontieren, die individuelle Auseinandersetzungen mit Bewegungsaufgaben ermöglichen. Dieses wird an dem Beispiel Wir bauen einen Rennwagen geschildert

Link zur Zeitschrift: http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin
__________________________________________________________________________

Die Lernende Schule (Heft 76, 2016) widmet sich dem Thema Begabungen fördern. Martin Bonsen und Christian Fischer identifizieren dieses als Thema, dass Wellen schlägt und zunehmend Eltern und Lehrkräfte verunsichert (S. 1). Mit dem Heft sollen konkrete Hilfestellungen für pädagogische Handlungsmöglichkeiten in der Schule und für die sachliche Auseinandersetzung gegeben werden. Hierbei wird beispielsweise der Frage nachgegangen wie Begabung und Intelligenz sich zueinander verhalten oder was Begabungsförderung für die Schulentwicklung bedeuten kann. In diesem ‚Blick‘ werden lediglich die Beiträge der Fachzeitschrift vorgestellt, die für den Bereich Grundschule relevant sind.

In dem Beitrag Begabungsentwicklung und Talententfaltung in der Schule (S. 4-8) von Christian Fischer und Christiane Fischer-Ontrup werden die Erscheinungsbilder von Begabungen beschrieben, die Möglichkeiten ihrer Identifikation im schulischen Kontext diskutiert, die Förderung von Begabungen und Talenten thematisiert sowie ein Blick auf die Möglichkeiten der Beratung von Begabten geworfen. Beratungsbedarf für Begabte ergibt sich aus der Tatsache, dass diese spezielle Lern- und Entwicklungsbedürfnisse haben. Bei der Beratung geht es neben der Diagnose von speziellen Merkmalen darum, individuelle Lernpfade zur Entwicklung von Leistungsexzellenz gezielt zu begleiten (S. 7f). Zum Abschluss werfen die Autoren einen Blick auf verschiedene Qualifizierungskonzepte für (angehende) Lehrkräfte. Dabei unterstreichen sie, dass LehrerInnen über verschiedene Kompetenzen verfügen müssen, um Diagnose, Förderung und Beratung leisten zu können. Zudem brauchen sie implementative Kompetenzen, um das Thema Begabungsförderung in die Schulentwicklung einfließen zu lassen. Die wesentlichen Fakten zum Thema Begabung werden im Folgenden skizziert.

Begabungen lassen sich ganz allgemein als individuelle Befähigung oder auch als Potenzial für bestimmte Leistungen bezeichnen. Wichtig ist, dass es sich bei den Begabungen noch nicht um die Leistungen oder Erscheinungsformen selbst handelt, sondern um die Voraussetzungen hierfür (S .4). In der Forschung herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass sich Begabungen aus dem Zusammenspiel von Anlage und Umwelt entwickeln (S. 5). Es gibt jedoch unterschiedliche Modelle wie Begabungen sich entwickeln und sich entsprechend auch (in Leistungen) zeigen. Fischer und Fischer-Ontrup erläutern, wie Förderansätze aus einer speziellen Diagnostik entwickelt werden können. Sie stellen die Ansätze des beschleunigten Lernens (Akzeleration) und des vertieften Lernens (Enrichment) vor (S. 6f) und beschreiben, wie diese in der Schule (auch kombiniert) eingesetzt werden können. Zudem gehen sie auf die Prinzipien separativer, integrativer und inklusiver Begabtenförderung in der Schule ein und befassen sich mit den Dimensionen Gruppen- und Individualförderung. Anschaulich dargestellt werden die verschiedenen Prinzipien und Möglichkeiten anhand des „Forder-Förder-Projekts“ in einem separaten Artikel (Kathrin Fels & Nicole Essing: Das Potenzial in den Blick nehmen, S. 22- 24) sowie in der Rubrik Werkstatt mit Anregungen und Ideen zur Etablierung und Weiterarbeit im Kollegium (Donata Hillmann & David Rott: Das „Förder-Forder-Projekt“). Diese enge Verknüpfung liegt nahe, da das Projekt an der Universität Münster entwickelt und durchgeführt wird und sowohl Christian Fischer als auch Christiane Fischer-Ontrup dort tätig sind.

Der Inklusiven Begabungsförderung als Herausforderung für die Schulentwicklung widmen sich Claudia Solzbacher und Birgit Behrensen in ihrem Beitrag (S. 9-12). Die Autorinnen zeigen, wie Inklusion und Bagabungsförderung zusammengedacht werden können oder sogar müssen und welche Konsequenzen daraus für die Schulentwicklung abzuleiten sind. Ausgehend von Ergebnissen einer empirischen Studie mit Lehrkräften, gehen sie der als Widerspruch wahrgenommenen doppelten Herausforderung nach, auch in inklusiven Settings, (besonders) Begabte im Blick zu behalten. Die Autorinnen stellen heraus, dass das Schulsystem derzeit nicht tauglich für die Inklusion ist. Es fehlt sowohl an theoretischen Fundierungen als auch an strukturellen Antworten jenseits von normativen Forderungen (S. 9). Als Möglichkeit den Herausforderungen zu begegnen, wird die ressourcenorientierte individuelle Förderung benannt. Hier kann an vorhandene Konzepte angeknüpft werden von denen alle Kinder profitieren – auch die besonders begabten. „Gleichwohl bewegt sich die Begabtenförderung in der Schule in einem Spannungsfeld zwischen der individuell wertschätzenden Begleitung jedes Kindes auf der einen Seite und dem gesellschaftlichen Auftrag einer an Leistung orientierten Selektion auf der anderen Seite.“ (S. 11). LehrerInnen sind gefordert diese beiden gegensätzlichen Anforderungen in ihrer täglichen Praxis miteinander zu vereinbaren. An verschiedenen Stellen müssen sie die jeweiligen Prioritäten immer wieder neu ausloten. Zum Beispiel müssen sie unter anderem entscheiden, wie sie ihre Aufmerksamkeit verteilen. In dem Beitrag werden verschiedenen Lösungsstrategien von Lehrern dazu dargestellt: Typus 1 Leistungsbereitschaft steht im Vordergrund, Typus 2 Bedarfsgerechtigkeit wird fokussiert oder die Verteilungsgerechtigkeit der Aufmerksamkeit wird angestrebt (Typus 3) (S. 11).

Ein Blick auf die Begabtenförderung in den Niederlanden eröffnen Robin Pflüger und Lianne Hogeveen mit ihrem Beitrag Diversität der Schulen: Vorteil für die Begabtenförderung (S. 18-21). Um die Begabtenförderung in den Niederlanden verstehen zu können, braucht es einen Einblick in das dortige Schulsystem, das sich sehr von dem hiesigen unterscheidet. Ein zentraler Unterschied ist die Bildungsfreiheit, die in den Niederlanden dazu führt, dass es eine sehr vielfältige Schullandschaft gibt. Es gibt zahllose religiöse, reformpädagogische oder auch ideologisierte Lernstätten (S. 18). Es existieren allgemeine Schulrichtlinien, aber jeder Schule ist freigestellt, wie sie diesen entspricht. Auch der elementarpädagogische Bereich ist anders organisiert. Die sogenannte Kleuterschool, die in Ansätzen mit unserer Kita oder einer Vorschule zu vergleichen ist, ist in das Schulsystem integriert und wird von allen Kindern im Alter ab 4 Jahren besucht (S. 18). Eine vorgezogene Einschulung wie in Deutschland gibt es dort nicht. Die Kleuterschool wird in der Regel in zwei Jahren durchlaufen, der Besuch kann aber auch drei Jahre dauern. Ähnlich wie bei Fischer und Fischer-Ontrup beschrieben, wird Begabung auch in den Niederlanden als multidimensionaler und dynamischer Prozess verstanden. In der niederländischen Gesetzgebung werden (hoch-)begabte Schüler nicht explizit erwähnt, dennoch sind per Schulgesetz alle Schulen verpflichtet, Begabungsförderung umzusetzen – betonen die Autoren (S. 19). Ähnlich vielfältig wie die Schullandschaft selbst, fallen die Maßnahmen der Begabungsförderung aus. Neben Schulen, die ausschließlich für hochbegabte Kinder sind, gibt es beispielsweise solche, die ein besonderes Profil haben, um hochbegabten Kindern gerecht zu werden, die aber keine entsprechenden Aufnahmekriterien haben. Zudem gibt es vielerlei Programme und Projekte, um unterschiedlichen und besonderen Bedürfnissen gerecht zu werden, wie Sommercamps, Wettbewerbe, Olympiaden oder spezifische Kurse. Weil im Zuge der Möglichkeiten der Eigenverwaltung auch über die Mittel bestimmt werden kann, ist es nicht ungewöhnlich, dass externe Expertise-Einrichtungen Gruppendiagnostik für Begabungen an Schulen durchführen (S. 20). Auch die Universiteit Nijmwegen ist umfassend in diesem Bereich tätig. Zudem ist dort (in Kooperation mit dem ICBF, das an der Universität Münster angesiedelt ist) eine Weiterbildung für Lehrkräfte angesiedelt. Einzeldiagnostik wird in der Regel von spezialisierten Psychologen oder Sonderpädagogen angeboten. Darüber hinaus gibt es für die verschiedenen Schulstufen Beratungszentren, die nicht selbst beraten, jedoch entsprechende Kontakte vermitteln. Abschließend setzen sich Pflüger und Hoogveen mit Licht und Schatten der Begabungsförderung in den Niederlanden auseinander: Innerhalb kürzester Zeit hat sich eine positive Entwicklung zugunsten der Begabungsförderung vollzogen. Jedoch kommen (auch in den Niederlanden) eine Vielzahl von standardisierten Lern- und Leistungsmessverfahren zum Einsatz, deren Nutzen fraglich ist und deren Interpretation für viele Lehrkräfte eine Überforderung darstellt (S. 20). Insbesondere bemängeln die Autoren, dass dabei viele Dinge wie kommunikative Fertigkeiten oder problemlösendes Denken nicht erfasst werden.
https://www.friedrich-verlag.de/sekundarstufe/schulleitung/lernende-schule/
_________________________________________________________________________


Aus didacta. Das Magazin für lebenslanges Lernen (04/2016) wird ein Beitrag entnommen, der für den Bereich Grundschule relevant ist. Das Titelthema für das gesamte Heft lautet: Anders betrachtet. Konflikte lösen und positiv sehen.

Kerstin Trüdinger stellt in ihrem Beitrag Unterricht mal zwei (S. 12-15) einen Zusammenhang zwischen dem Titelthema und Teamteaching her. Sie schildert beispielsweise wie an einer Förderschule in München das Teamteaching ausgestaltet wird. Dort ist eine Lehrkraft für die Unterrichtsvorbereitung und Durchführung verantwortlich, die andere hat Zeit, sich im Unterrichtsgeschehen intensiv der Unterstützung einzelner SchülerInnen zuzuwenden.

Am Beispiel einer Düsseldorfer Schule wird gezeigt, wie sich das aus ‚der Not geborene‘ Konzept des Unterrichtens im Team zur begehrten Unterrichtsform entwickelt hat. Das Modell, das aus der veränderten Lehrerversorgung durch die Einführung des Offenen Ganztags entstanden ist, entwickelte sich als Möglichkeit, komplexen Herausforderungen zu begegnen. So wird insbesondere in den ersten Klassen in Teams gearbeitet. Neben den besseren Unterstützungsmöglichkeiten von SchülerInnen, können auch die LehrerInnen von der Teamarbeit profitieren: sie sind entlastet und können durch ihre KollegInnen auch neue Wege, Methoden und Handlungsweisen kennenlernen. Auch wenn dieses positive Beispiele sind und in einer Studie festgestellt wurde, dass 97 Prozent der LehrerInnen es wichtig finden, mit KollegInnen zusammenzuarbeiten, ist dieser Bereich noch ausbaufähig (S. 13f). Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Bereich innerschulische Zusammenarbeit unter dem Durchschnitt (S. 15).
Link zur Zeitschrift: http://didacta-magazin.de/
 
Bild: Fotolia Christian Müller

P.S.: Wenn Sie über den nächsten Artikel zu Inhalten von  Grundschulfachzeitschriften und viele andere Inhalte des Portals Frühe Bildung Online informiert werden möchten, abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter.

Teilen auf
Teilen auf Facebook