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Mint-Fächer
11.03.2017  Silke Ottow

Gut, dass Wasser nicht normal ist

Was ist schon normal? Wasser ist zum Glück nicht normal findet Lina bei ihrem Besuch am Wöhrsee heraus.
Lina war bei der längsten Burg der Welt. Die Burg steht sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Wenn du sie dir auch einmal anschauen möchtest, du findest sie in Burghausen, in Oberbayern. Die Wittelsbacher haben im 12. Jahrhundert angefangen, diese Burg zu bauen. Sie hat sechs Innenhöfe und ist mit 1043 Metern über einen Kilometer lang.
Unterhalb der Burg liegt der Wöhrsee und um den Wöhrsee ist Lina am Wochenende herumgeflitzt. Von dort kann man die Burg auch sehr gut sehen.



Der Wöhrsee in Burghausen liegt unterhalb dieser langen Burg. Hier sieht man einen kleinen Teil davon.

Was man noch sehen konnte: Es wird jetzt wirklich langsam Frühling, denn das Eis auf dem Wöhrsee wird immer dünner.



Hier ist das Eis schon sehr dünn und auf der linken Seite ist es ganz verschwunden.

„Siehst du, Lina, das Eis schwimmt“, hat Mama gesagt. Und dann haben sie sich die Sache mal genauer angesehen:



Auch die kleinen Eisschollen, die sich gebildet hatten, schwammen auf dem Wasser.

Lina fand eigentlich nicht, dass es etwas besonderes ist, wenn Eis auf Wasser schwimmt. Das weiß sie nämlich schon. „Aber Eis schwimmt doch immer“, sagte sie. „Außerdem haben wir das schon einmal mit einen Eiswürfel ausprobiert.“
Das mussten Mama und Papa zugeben, das hatten sie. Nachlesen kannst du es im Beitrag Eis geht tauchen. Trotzdem, Mama ließ nicht locker.
„Das stimmt“, sagte sie, „ausprobiert haben wir es schon. Aber trotzdem ist es etwas ganz besonderes, dass ein Stoff, wenn er fest wird, auf seiner eigenen Flüssigkeit schwimmt.“
Das fand Papa auch. „Ja, Lina, Wasser ist nicht normal. Und nur weil Wasser nicht normal ist, ist überhaupt Leben im Wasser möglich!“, sagte er. Und es sah fast so aus, als ob Mama und Papa ein bisschen bewundernd auf das Eis blickten.
„Ach so?“, fragte Lina.
„Ja“, sagte Papa, „stell dir vor, das Eis würde nicht auf dem See schwimmen. Was würde dann passieren?“
„Es würde untergehen!“, rief Lina.
„Genau. Es würde sich Eis bilden und untergehen. Wenn es länger kalt wäre, würde sich noch mehr Eis bilden und auch untergehen. Und wenn es noch länger kalt wäre?“, fragte Papa.
„Dann würde noch mehr Eis untergehen“, antwortete Lina.
„Eben“, sagte Mama, „und irgendwann wäre der ganze See von oben bis unten zugefroren. Und was machen dann die Fische?“
Lina überlegte. „Die … die … wären dann im Eis?“, fragte sie.
Mama und Papa nickten. „Die Fische würden auch einfrieren … und sterben“, sagte Mama. „Aber glücklicherweise ist es nicht so. Das Wassereis schwimmt auf dem Wasser und geht nicht unter. Zwar wird die Eisschicht, wenn es lange kalt bleibt, immer dicker, aber wenn der See tief genug ist, bleibt immer genügend Wasser übrig, in dem die Fische leben können.“
„Es gibt nur ganz wenige Stoffe auf der Welt, die sich so verhalten wie Wasser, die also auf ihrer Flüssigkeit schwimnmen, wenn sie fest werden. Und wenn Wasser sich nicht so verhalten würde, gäbe es kein Leben im Wasser. Denn Wasser ist nicht normal“, erklärte nun Papa noch einmal. „Deshalb sprechen wir auch von der Anomalie des Wassers.“

Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

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