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Ariadnes Blog
25.03.2017  Ariadne Morgenrot

Von der Putzfrau zur Kindheitspädagogin?

Die Diskussion um die so genannten Schleckerfrauen ist abgeebbt. Die BefürworterInnen einer auch formalen Höherqualifizierung des frühpädagogischen Personals haben sich zunächst durchgesetzt.
Es gibt allerdings Argumente, die ein Umdenken erzwingen. Und zwar die in den nächsten Jahren erforderliche Anzahl von Fachkräften in Kita und Grundschule, um die frühe Bildung qualifiziert anzustoßen und zu begleiten. Diese Argumente beziehen sich auf die AbsolventInnen von Fachschulen für Sozialpädagogik UND von Studiengängen für Kindheitspädagogik. Die Zahl der AbgängerInnen in den nächsten Jahren reicht nämlich bei allem Gutzureden bei weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Darauf hat Stefan Sell auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft Erziehung und Bildung im Kindesalter (BAG-BEK) am 22.3. in Berlin hingewiesen. Die Diskussion über die Möglichkeiten der Lösung des Problems fand aber nicht statt. Sie muss nun endlich beginnen.

Eine Perspektive in diesem Zusammenhang ist die Einstellung von Hilfskräften für Sekretariats-, Aufräum- und Putzarbeiten, wie dies im Ausland selbstverständlich ist. ErzieherInnen und KindheitspädagogInnen können sich dann ihren eigentlichen Aufgaben mehr widmen.

Im Hinblick auf die Qualifizierung könnte Rettung "von oben" und "von unten" kommen. "Von oben": Qualifizierte QuereinsteigerInnen aus dem In- und Ausland (auch unter Flüchtlingen!) könnten leichtere Einstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Kita und Grundschule geboten werden. Dies geschieht zum Beispiel in einem Programm an einer Münchner Hochschule.  "Von unten": KinderpflegerInnen und SozialassistenInnen könnten Weiterbildungsprogramme MIT MENTORING! angeboten werden, um  eine höhere Qualifizierung zu erreichen. Darüber hinaus - und damit sind wir bei der Diskussion um die Herstellung von Chancengleichheit - müssen erfolglosen SchulabgängerInnen Möglichkeiten geboten werden, Qualifizierungen zu erreichen, wenn sie denn - und DAS muss die Bedingung sein - sich wirklich zu pflegerischen und und pädagogischen Tätigkeiten hingezogen fühlen. Das gilt auch für das einzustellende Hilfspersonal.

Die Vielfalt der Massnahmen, die erforderlich sind, wird nochmal verkompliziert durch die unterschiedlichen Bestimmungen der Bundesländer. Hier ist schon Einiges im Gange. Aber es reicht nicht aus. Eines muss klar sein: ein starres Bestehen auf dem status quo - Durchlaufen einer bestimmten beruflichen Sozialisation - hilft nicht, die Anforderungen an die Qualität der frühkindlichen Betreuung und Bildung in den nächsten Jahren zu erfüllen. Das ist auch eine Chance für diejenigen, die aufgrund ihrer Biographie (z.B. Flucht) und/oder Bildungsbenachteiligung (Armut) keine gute Qualifikation erreicht haben. Ihre Festlelgung auf die daraus resultierende schlechte soziale Position muss reflektiert und aufgelöst werden - wann immer es den Einzelnen möglich ist.

Foto: Hans-Jürgen Zeller

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