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Rezensionen und Reviews
05.04.2017  Meike Sauerhering

Neues für die Grundschule II/2017

Hier erhalten Sie einen Überblick der Inhalte aus fünf aktuellen Fachzeitschriften für die Grundschule. Thematisch erwarten Sie Informationen zur Wertung von Kinderliteratur, dazu wie das Üben für SchülerInnen motivierend gestaltet werden kann, Tipps zu Sport und Spiel im Unterricht und Vieles mehr. Zumeist haben wir einen oder zwei Artikel aus den jeweiligen Fachzeitschriften auf unser Portal übernommen. Sie können diese Artikel öffnen, indem Sie auf den jeweiligen Titel klicken.
Mit der Zeitschrift schule. Wir lernen fürs Leben (Feb./März 2017, 1) haben wir eine neue Fachzeitschrift in unsere Serie 'Neues für die Grundschule' (ehemals Blick in die Fachzeitschriften - Grundschule) aufgenommen. Diese Zeitschrift ist ein recht breit angelegtes Magazin. Mit seinen Rubriken (Schule & Bildung, Familienleben, Dossier, Lernen, Aktiv & Gesund sowie unsere Kinder) fokussiert es nicht nur auf die Schule selbst und ist somit für eine breitere Leserschaft interessant. Insbesondere sind auch Eltern angesprochen. Informative Beiträge wechseln sich mit praktischen Tipps rund um Schule und Familie ab. Aus jeder Rubrik wird in dieser Review ein Beitrag vorgestellt.

Schule mit Abstand betrachten

In den Beiträgen der Rubrik Schule & Bildung wird das niederländische Schulsystem und insbesondere die für Eltern flexible Ferienplanung einer Schule vorgestellt, über die Trends der diesjährigen didacta sowie über die Schulzeit des Schauspielers Benjamin Sadler berichtet. Wir stellen den Beitrag Nur noch Spezialitäten (S. 18-20) von Martina Hagemann vor. Die Autorin wünscht sich eine Schule ohne Schnickschnack für ganz normale Kinder, denn sowohl auf der Suche nach einer Grundschule für ihren Sohn als auch beim Tag der offenen Tür der Schule, an der sie als Lehrerin tätig ist, fällt ihr auf, dass immer mehr Spezialisierungen und Profilbildungen die Schullandschaft prägen. Unbefangen sieht sie der bevorstehenden Einschulung ihres Sohnes entgegen und wird erst durch die Bemerkung anderer Eltern dazu veranlasst, sich vor der Anmeldung mit verschiedenen Grundschulen und deren Konzepten auseinander zu setzen. Auch wenn in vielen Bundesländern das Anmelde-Prozedere anders ist, als das von Hagemann beschriebene in Schleswig-Holstein, zeichnet sich auch in anderen Bundesländern - spätestens mit dem Wechsel auf die weiterführende Schule - ein ähnliches Bild ab. Die Schulen werben mit verschiedensten Spezialangeboten um eine begehrte (bildungsnahe) Schüler- und Elternschaft. So gibt es die sportfreundliche Schule, die demokratische Schule oder bilingualen Unterricht (ab Klasse 1). Nur eine ganz normale Grundschule, in der das „Durchschnittskind lesen, schreiben und rechnen lernt“ (S. 20) kann die Autorin nicht finden. Mit ihrem Beitrag regt Hagemann anschaulich und humorvoll zum Nachdenken über die Entwicklungen in der Schullandschaft an.

Alltag in der Familie gestalten

Vier Beiträge umfasst die Rubrik Familienleben, hier werden im Wesentlichen Tipps für die entlastende Alltagsgestaltung für Familien gegeben. Wir fassen den Beitrag Zwei linke Hände (S. 32 -35) zusammen: Die Autorin Judith Tschoepe geht der Frage nach, wer der Generation ‚Unselbständig‘ das Knöpfe Annähen und das Müll Rausbringen beibringt. Sie setzt sich damit auseinander, wer eigentlich für die Vermittlung dieser und weiterer lebenspraktischer Fertigkeiten zuständig ist – Elternhaus oder Schule? (Selbst-)kritisch fragt Tschoepe (Mutter zweier Söhne): Wer ist eigentlich für diese „Knopflosigkeit“ (S. 32) verantwortlich? Reflexhaft schaut sie in Richtung Schule und das tut ihrer „Elternseele gut“ (ebd.). Mit Widerwillen nimmt sie jedoch wahr, dass sich in ihr die Stimmen ihrer Mutter und ihrer Stiefmutter regen und dass diese wohl Schleife binden, Betten machen, Knöpfe annähen usw. als Aufgabe des Elternhauses betrachtet hätten. Diese Sicht behagt ihr nicht und Judith Tschoepe beruhigt ihr „schlechtes Erziehungsgewissen mit der Erkenntnis, dass die Kids heute sowieso alles mit YouTube lernen. Bestimmt gebe es da auch brauchbare Tutorials zum Stichwort „Knöpfe annähen“. Die Quintessenz des Beitrags ist, dass die Erziehung zur Selbstständigkeit ebenso schwierig wie komplex ist. Jede (hauswirtschaftliche) Handlung muss hinsichtlich verschiedenster Facetten geprüft werden: Umweltverträglichkeit, Ökobilanz, political correctness … und all das muss dem Nachwuchs erklärt und vermittelt werden. „Dieses Dauererklären überfordert mitunter unser elterliches Nervenkostüm. Nicht immer haben wir die dafür nötige Zeit und Lust. Eine naheliegende Lösung ist daher, dass wir es einfach selbst machen. Leider ist das nur kurzfristig eine Erleichterung, langfristig ein echtes Eigentor“ (S. 34).

Ist indiviuelle Förderung umsetzbar?

Im Dossier findet sich u.a. ein Beitrag zum Thema individuelle Förderung von Claudia Jacobs: Für jeden eine Extrawurst? (S. 40-44). Dort werden die Sichtweisen und Erwartungen an die individuelle Förderung in der Schule aus der Perspektive von Eltern, von LehrerInnen sowie BildungsforscherInnen kurz dargestellt. Eltern erhoffen sich im Wesentlichen, dass ihre Kinder über diesen Weg angemessen gefordert oder auch gefördert werden. Sie sehen aber auch, dass das im Schulalltag seine Grenzen erfährt. LehrerInnen sind durch die gegebenen Bedingungen Grenzen der individuellen Förderung gesetzt. Blickt man in die Unterrichtspraxis zeigt sich eine große Spannbreite: „An manchen Schulen unterrichten Lehrer noch annähernd so, wie sie das aus ihrer eigenen Schulzeit kennen – an inklusiv arbeitenden Schulen hat sich der pädagogische Alltag dagegen grundlegend geändert“ (S. 43).

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, wird für diesen Beitrag zitiert. Deutlich drückt er seine Skepsis gegenüber der Umsetzung der Inklusion und der individuellen Förderung aller SchülerInnen aus. Er betont dass sich „die innere Differenzierung nicht bewährt“ habe und sich darüber lediglich „Leistungsunterschiede zementiert[en]“ (S. 43). Die beste „Basis für das Gelingen von optimaler Förderung sind einigermaßen homogene Gruppen“ (ebd.). Ein ebenfalls kritischer Blick auf die Möglichkeiten individueller Förderung wird mit den Ergebnissen der Meta-Studie von John Hattie gegeben. Dieser hat herausgefunden, dass eine Vielzahl moderner Unterrichtspraktiken sich kaum oder nur wenig auf das Lernen von Kindern auswirken. So wird die Idee, die hinter der individuellen Förderung steht: Jedes Kind gemäß seiner Lernausgangslage zu fördern, sodass es seine Talente entwickelt und bestmögliche Leistungen bringt, in diesem Beitrag seines Glanzes beraubt. Alles in allem also ein ernüchternder Blick auf dieses Ideal!

Lernprozesse unterstützen und gestalten

In der Rubrik Lernen finden sich Beiträge zur Digitalisierung des Unterrichts, zum Thema Nachhilfe, und zur Vermeidung von „Zeugnis-Ärger“. Zudem werden die besten Apps für Mathe, Deutsch und Fremdsprachen (Elektronische Trainer S. 62-67) vorgestellt. Ergänzt wird diese Darstellung durch Kriterien, die es ermöglichen, eine gute Bildungs-App zu erkennen:
  • Sie dokumentiert den Lernfortschritt
  • Sie zeigt an, welche Aufgaben bearbeitet wurden: richtig oder falsch
  • Wie viel Zeit die Lösung in Anspruch genommen hat
  • Sie hilft mit kleinschrittigen Lerntipps weiter
  • Sie spricht mehrere Sinneskanäle an
  • Sie fördert und fordert Aktivität
  • Und überprüft mit Fragen, ob das Wissen behalten wurde.
Zehn Bewegungsideen für die Lernpause (S. 82-85 ) werden in der Rubrik Aktiv & Gesund vorgestellt. Zudem wird über Magersucht aufgeklärt (Das Verschwinde-Ich S. 86-89). Zentrale Inhalte dieses Beitrags werden hier vorgestellt: Insgesamt ist Magersucht eine eher seltene Erkrankung. In westlichen Ländern liegt die Häufigkeit bei etwa 0,5%, wobei deutlich mehr Frauen als Männer betroffen sind. Das Fatale ist jedoch, dass rund die Hälfte der Erkrankten nicht wieder zu normalem Essverhalten und Körperselbstbild gelangt und für ca. 20 Prozent endet diese Krankheit tödlich. Das ist die höchste Todesrate bei psychischen Erkrankungen. Oft beginnt die Magersucht in der Pubertät. Aber auch bereits 32% der normalgewichtigen Kinder zwischen acht und zwölf Jahren wären lieber dünner. Magersucht hat einen komplexen Entstehungshintergrund. Sie ist nicht die Schuld der Eltern, was oft unterschwellig suggeriert wird. Magersucht wird von Freunden und Familie oft erst spät erkannt. Die Betroffenen sind in der Regel gut darin, ihr problematisches Essverhalten zu verschleiern. Magersüchtige haben kein realistisches Bild von ihrem Körper, sie erleben sich als deutlich dicker als sie von der Umwelt wahrgenommen werden – tatsächlich verringert sich ihr realistisches Urteilsvermögen diesbezüglich. Weil diese Krankheit so dramatisch verläuft und die Betroffenen die Dramatik oft selbst nicht erkennen, bedarf es der Hilfe von außen – beispielsweise auch durch aufmerksame LehrerInnen. Hier ist ein behutsames Vorgehen außerordentlich wichtig. Ein Gesprächsangebot in ruhiger Minute ist ein sinnvoller erster Schritt. Anlaufstelle für Erkrankte oder deren Eltern kann der Hausarzt oder eine Beratungsstelle für Essstörungen sein. In dem Beitrag wird zudem ein interaktiver Comic zur Entstehung von Magersucht vorgestellt (Ninette – Dünn ist nicht dünn genug; http://ninette.berlin). Hier können sich Eltern und Jugendliche zum Thema informieren.

Die Zeitschrift schließt mit der Rubrik Unsere Kinder. Dort gibt es einen Beitrag zum neuen Hip-Hop-Move „Dab“ (S. 96-97) und einen, in dem Flüchtlingskinder von ihrem Ankommen in Deutschland berichten (S. 90-95).
Insgesamt ist an der Zeitschrift auffällig, dass jeder einzelne Beitrag ideenreich und sorgfältig illustriert ist – die Gesamtwirkung ist hingegen recht unruhig. Das ist ein wenig schade.

Link: http://www.magazin-schule.de/print-magazin/
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Einen entgegengesetzten Weg hat die Grundschulzeitschrift (301/ Feb. 2017) mit ihrem neuen Design eingeschlagen, das jetzt noch klarer und lesefreundlicher geworden ist. Auch das Konzept ist überarbeitet: die Zeitschrift widmet sich jetzt immer einem Schwerpunktthema. Dieses Mal ist es das Thema Kinderliteratur - genauer - der Zugang dazu über das Werten. Ab jetzt sind jeder Ausgabe eine Lektüre und ein Lesebegleitheft beigefügt.

Werte mit, in und für Kinderliteratur entwickeln

Jochen Heins gibt in seinem Basisbeitrag (Wertungen wahrnehmen, S. 6-12) zugleich eine Einführung ins Thema und einen Überblick über die Beiträge dieser Ausgabe. Er plädiert dafür, mit Wertungen von Literatur bewusst umzugehen, um Zugänge zur Literatur zu ermöglichen. Ausgehend von der Überzeugung, dass es unmöglich ist, Wertungen zu vermeiden, weil emotionale Reaktionen sich beim Lesen von selbst einstellen, zeigt der Autor wie diese im Unterricht aufgegriffen und genutzt werden können. Insbesondere spontane negative Bewertungen verschließen den Zugang zur Literatur und werden daher von Heins besonders in den Blick genommen. Beim Lesen wird das Dargestellte mit den eigenen Welt- und Wertvorstellungen abgeglichen. Treten hier Unstimmigkeiten auf, wird eher negativ gewertet, als wenn das nicht der Fall ist. Ebenso verhält es sich, wenn die Darstellungen und Inhalte nicht verstanden werden oder langweilig erscheinen. Für Lehrende sind Wertungen daher ein wichtiger Ansatzpunkt, um sich mit den SchülerInnen über Literatur auseinander zu setzen. Über diesen Weg kann die Wertungskompetenz auf- bzw. ausgebaut werden. Ziel ist es, fremde Werthaltungen zu tolerieren und das Buch an sich nicht abzuwerten, wenn man es selber mit negativen Werthaltungen verbindet. Sensibel ist dabei nicht nur mit den Wertungen der SchülerInnen umzugehen sondern auch mit denen der Lehrkräfte – also den eigenen. Das ist unabdingbar, um den Kindern nicht den Zugang zur Literatur zu verstellen, denn häufig liegt dem Werturteil von Lehrkräften das pädagogisch Erwünschte zugrunde.

Auch in dem Beitrag von Thomas Zabka wird die Verknüpfung von Emotionen und Wertung deutlich. In der Grundschule können SchülerInnen lernen, zunehmend reflektiert und differenziert zu werten. Er listet einige Unterrichtsziele, zum Thema Wertungskompetenz anbahnen und fördern (S. 13) auf:
  • Emotionale und kognitive Verarbeitungsfähigkeiten aktivieren
  • Motivieren, dem dargebotenen Text aufmerksam zu folgen
  • Dabei Emotionen wahrnehmen und erkennen, worauf sie sich genau beziehen.
So lernen SchülerInnen angemessene Ausdrücke zu verwenden.
Der Förderung von Verständnis und Toleranz gegenüber anderen Wertungen dienen der Einsatz dialogischer Methoden wie Unterrichtsgesprächen, Schreibgesprächen oder dialogische Lesetagebücher. Ziel ist dabei, dass Kinder lernen
  • gefühlsbasierte Werturteile mit altersgemäßen Wertausdrücken zu beschreiben,
  • diese auf Elemente und Eigenschaften des Gegenstands zu beziehen.
  • die Wertausdrücke mit eigenen Erfahrungen zu verdeutlichen und mit Medien- und Leseerlebnissen zu vergleichen
  • und diese auch schriftlich zu formulieren.
  • in Gesprächen fremde Werthaltungen erkennen, mit eigenen vergleichen und tolerieren.
In ihrem Beitrag Werten von Anfang an (S. 14-17)  berichtet Lis Schüler, wie in den Klassen eins und zwei das Thema Emotionen in der Auseinandersetzung mit Literatur angegangen werden kann. Vorgestellt wird dabei ein Zugang über verschiedene Buchanfänge. Schüler stellt in ihrem Beitrag praxisnahe Möglichkeiten vor.

Kirsten Boie erhält zahlreiche Briefe von ihren LeserInnen, auch von Kindern im Grundschulalter. Im Gespräch mit Jochen Heins schildert sie, wie anrührend sie Bekundungen wie „Ich liebe Deine Bücher!“ (S. 19-21) findet.

Mit seinem Beitrag „Du bist sehr cool …“ (S. 22-24) stellt Christoph Jantzen Unterrichtsideen für das Werten von Literatur vor. Er thematisiert das Lernen mit und durch Literatur. Vorgestellt werden Impulse und Aufgaben, in denen das Werten auf Teilaspekte von Texten oder auf spezifische Möglichkeiten zum wertenden Ausdruck gelenkt wird. Jantzen schildert, wie ein Interview zu einem Buch geführt wird, wie Lesekonferenzen durchgeführt werden können, wie das Schreiben eines Kommentars vorbereitet werden kann  und welchem Zweck diese Methoden dienen.

Mit ihrem Beitrag „Weil wir darüber gesprochen haben“ (S. 25-29) veröffentlicht Nele Ohlsen ein Plädoyer für die Methode ‚literarisches Gespräch‘. Die Autorin berichtet als GrundschullehrerIn von eigenen Erfahrungen mit der Einführung und der Durchführung dieser Methode. Sie unterstreicht: „Für uns Lehrkräfte ist die Methode zunächst ganz sicher eine Umstellung und vielleicht ein kleiner Bruch mit institutionellen Normen. Aber glauben Sie mir: Es lohnt sich!“ (S. 29). Sie erläutert das Literarische Unterrichtsgespräch (Heidelberger Modell) und stellt den Verlauf eines solchen Gesprächs anhand eines Beispiels vor. Für den Beitrag wählt Olsen ein Unterrichtsbeispiel. Dabei handelt es sich um eine Stunde zu einem Gedicht, das zunächst von allen SchülerInnen negativ bewertet wurde, weil sie es nicht verstanden hatten. Ohlsen beschreibt, dass sogar bei diesem schwierigen Fall (das dadaistische Gedicht ‚Karawane‘ von Hugo Ball) das Textverstehen mittels der Methode erweitert werden konnte.

Diane Lang und Carolin Führer ermuntern die LeserInnen in ihrem Beitrag Bild und Text zusammen denken (S. 32-36) dazu, Wertungen im Umgang mit Graphic Novels zu fördern und zu vergleichen. Dieses wird anhand der Gestaltung eines Paar-Vorlesegesprächs und der anschließenden Aufarbeitung des Zusammenhangs von Verstehen und Werten im Unterrichtsgespräch erläutert.

Dem Kreislauf von Werten und Verstehen (S. 37-41) widmet sich auch Ricarda Freudenberg. Sie schildert, wie GrundschülerInnen anhand von Bilderbüchern literarische Kompetenz erwerben. Beispielsweise zeigt Freudenberg, wie durch die Trennung von Bild und Text (mit dem online Angebot von Onilo) eine getrennte Bearbeitung möglich gemacht wird. Dieses kann das Verstehen vertiefen und sensibler machen für Wertungen. Der Autorin geht es hierbei nicht lediglich um die Auseinandersetzung mit den eigenen Werten der SchülerInnen sondern auch mit jenen, die mit dem jeweiligen Buch und seinen Figuren transportiert werden.

Einblicke in die Forschung (eine neue Rubrik) gibt Petra Wieler im Gespräch mit Mechthild Dehn (S. 44-46). Wieler ist Professorin für Grundschulpädagogik und hat mit ihren Arbeitsschwerpunkten (Lese- und Mediensozialisation oder Literaturdidaktik etc.) eine umfassende wissenschaftliche Perspektive auf das Schwerpunktthema dieser Grundschulzeitschrift. Wieler unterstreicht wie spannend, das vierte Lebensjahr auch im Zusammenhang mit dem Vorlesen ist. Als Bilderbuch fürs Vorlesen in der Klasse empfiehlt sie ‚Ein Schaf fürs Leben‘ von Matter und Faust.

Susanne von Braunmühl stellt Unterrichtideen zum Kinderbuch Alles total geheim (S. 47-49) von Kirsten Boie vor. Das Thema des Buchs ist Arbeitslosigkeit und regt zur intensiven Auseinandersetzung mit realen Lebensumständen an. Vorgestellt werden Anregungen zur Partnerarbeit, zur Arbeit mit einem Lesetagebuch und Ideen für die Auseinandersetzung im Klassenverband (für die dritte Klasse).Diese Geschichte ist dem Magazin auch als Leseexemplar beigefügt.

Abschließend hält auch dieses neue Grundschulmagazin Bildungspolitische Infos bereit, setzt sich mit Bildungspolitischen Akzenten auseinander und berichtet im Magazin über die Suche der „Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien“ nach dem 'guten Buch‘.  Gute Literatur für junge Leser ist auch das Thema des Gesprächs von Jochen Heins mit der Kinderbuchkritikerin Katrin Hörnlein (S. 30-31). Die Kein Kitsch, kein Schund und keinen platten Mainstream mag, sondern Bücher, die auch gerne mal irritieren dürfen. Manche Bücher die diesen Kriterien entsprechen, werden jährlich mit dem LUCHS prämiert. Einige der Preisträger werden auf Seite 55 vorgestellt.

Link zur Zeitschrift: https://www.friedrich-verlag.de/grundschule/grundschulpaedagogik/die-grundschulzeitschrift/
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Im Grundschulmagazin bildet das Thema Üben den Schwerpunkt. Es ist wichtig, um das Gelernte zu festigen. Leider ist das Üben aber häufig mühselig, weil es schnell langweilig wird. In dieser Ausgabe werden Vorschläge und Materialien vorgestellt, die motivierend auf die SchülerInnen wirken. Zudem findet sich in der Rubrik Kurzserie jeweils der zweite Teil zu den pädagogischen Themen: Was ist eine gute Grundschule und wie können inklusive Lernkulturen im Sportunterricht gestaltet werden? Zusätzlich gibt es Materialien für Deutsch als Zweitsprache und Mitteilungen aus dem Grundschulverband.

Wiederholen und Üben motivierend gestalten

In dieser Ausgabe hat Manfred Bönsch den Basisbeitrag verfasst. Er beschreibt, wie Lernprozesse vollständig werden: Durch Üben, Wiederholen, Transfer und Anwendung wird das Gelernte so gesichert, dass es vom Schüler wiedergegeben werden kann. So wird das Lernen nachhaltig (S. 7-10) – lautet dann auch der Titel. Bönsch unterstreicht, dass die Übung im Unterricht häufig nicht die verdiente Beachtung erfährt. Auch ein begabter Klavierspieler wird es nur durch Übung zur Meisterschaft bringen. Definiert wird Übung als die Fähigkeit des Menschen, durch Wiederholung eine Fertigkeit auszubilden. Mit der Übung steigen auch die Präzision und die Schnelligkeit der Ausführung. Wichtig ist zu wissen, dass das Kurzeitgedächtnis nur relativ geringe Speicherkapazitäten hat. Erst durch Übung wird das Gelernte gefestigt und kann im Langzeitgedächtnis abgelegt werden. Wenn also zu viele angefangene Lernprozesse im Kurzeitgedächtnis ‚zwischengeparkt‘ werden, können sie auch schnell mal vergessen werden. So viel zum Hintergrund. Darüber hinaus stellt Manfred Bönsch noch einige Übungsgesetze und –hilfen sowie eine „kleine Systematik des übenden und wiederholenden Unterrichts“ (S. 9) vor und reichert diese mit didaktisch-methodischen Konsequenzen an.

Strategien für den Umgang mit dem Wörterbuch stellt Martina Kreiner in ihrem Beitrag Schlag nach! (S. 11-14) vor. Das Nachschlagen stellt eine wichtige Überarbeitungskompetenz beim Überprüfen eigener Texte dar. Um das Wörterbuch sinnvoll einsetzen zu können, muss die Arbeit damit schnell und sicher gelingen: Sie muss automatisiert werden. Grundvoraussetzung dafür ist der sichere Umgang mit dem Alphabet – wie dieser geübt werden kann, ist in dem Beitrag beschrieben.

Mit Blick auf Körper, Atmung und Stimme betont Martina Tobollik: Sprechen üben lohnt sich! (S. 18-20). Sie plädiert dafür, verschiedene Übungen täglich in den Unterricht einzubauen. Ihrer Meinung nach bietet sich beispielsweise der Morgenbeginn an, um Körperarbeit, Atem- und Stimmtraining zu ritualisieren. Sie beschreibt Übungen wie Wachklopfen und Lippenflattern. Die Auseinandersetzung mit den Gefühlen ist ein wichtiger Aspekt des Sprechtrainings, denn es macht einen Unterschied, ob die Sprache mit den Emotionen Angst, Freude, Trauer oder Wut verbunden ist.

Das Sprechen ist auch Thema in dem Beitrag von Jessica Sauer: Mach die Umstellprobe (S. 23-24). Sie widmet sich der Erweiterung und Sicherung der Sprachbewusstheit und Ausdrucksfähigkeit. Beispielsweise zeigt sie, wie in Einzel- oder auch Gruppenarbeit mit Hilfe von Bildkarten verschiedene Möglichkeiten der Satzbildung erprobt werden können. Hierzu stellt Sauer Möglichkeiten zur Übung und Sicherung vor. Zudem sind Arbeitsblätter abgedruckt, zum Beispiel zum Bau von Satzgliederwürfeln.

Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit ist ebenfalls Thema in dem Beitrag Sprechen und Zuhören (S. 44-45) von Rebekka Schuster. Hier geht es im Wesentlichen um die Verfestigung einer (unterrichtstauglichen) Gesprächskultur. Zum Beispiel wird über Negativbeispiele verdeutlicht, wie wichtig es ist, in einer angemessenen Lautstärke zu sprechen. Ein Arbeitsauftrag hierzu könnte beispielsweise lauten: Erzähle ... so leise, dass deine MitschülerInnen dich kaum verstehen können. Oder: Erzähle von einer spannenden Stelle in einem Märchen oder einer Geschichte, bleibe dabei ganz ruhig stehen und schaue ganz gelangweilt.

Motivierende Übungsformen zum richtigen Schreiben stellt Stephanie Wunder in ihrem Beitrag Veilchen, Vulkan, Pavian (S. 28-29) mit dazugehörigen Materialien (S. 30-32) vor.

Dem Üben im Bereich Mathematik sind zwei Beiträge gewidmet. Anita Pfeng beschäftigt sich mit der mathematischen Kompetenz des Problem-Lösens. Mit Knobelaufgaben kann diese Kompetenz geübt werden. In ihrem Beitrag Zwölf Pfoten und wie viele Ohren? (S. 33-35) beschreibt sie die Einsatzmöglichkeiten dieser problemhaltigen Aufgaben, bei denen es nicht darum geht, einen bestimmten Lösungsweg zu nehmen oder ein bestimmtes Rechenschema anzuwenden. Vielmehr geht es darum, kreative und ungewöhnliche Lösungswege zu wählen – denn manchmal gibt es für diese Aufgaben keine eindeutigen Lösungen.

Eva Nagai widmet sich den Möglichkeiten, Rechenstrategien zu erkennen, zu nutzen und zu automatisieren. In ihrem Beitrag Der (Rechen-)Weg ist das Ziel geht es darum, insbesondere rechenschwachen Kindern andere Strategien als das zählende Rechnen zu vermitteln. Denn dieses führt früher oder später in die Sackgasse.

Kurzserien Pädagogik

Der Frage Was ist eine gute Grundschule? geht Manfred Bönsch in seinem Beitrag Das Tor zur Welt (S. 51-53) im zweiten Teil  der Kurzserie Pädagogik nach. Er beschäftigt sich damit, wie Kindern in der Grundschule Orientierung gegeben werden kann. Wie die Kinder die Grundschule erleben sollten, beschreibt er mit drei Bildern: Wege zum Ich, Begegnung mit Anderen, Tor zur Welt. Denn in der Grundschule lernen Kinder die Phänomene ihrer Lebenswelt kennen, interpretieren sie und ordnen sie ein. Dabei sollten sich die Kinder geborgen fühlen. Wir haben den Beitrag auf unser Portal übernommen. Sie können ihn öffnen, indem Sie auf den Titel klicken.

Caroline Goehring und Lena Krone stellen mit ihrem Beitrag das Monsterfangen (S. 54-57) vor. Es kann zur Gestaltung inklusiver Lernkulturen im Sportunterricht in der Grundschule eingesetzt werden. Es ist eine Bewegungs- und Spielform, die den Kindern viel Spaß bereitet und sie intensiv in Bewegung bringt. Sportler und Sportlerinnen mit ganz unterschiedlichen Bewegungsmöglichkeiten können aktiv daran teilnehmen. Den Beitrag haben wir ebenfalls übernommen.
 
Link: https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/2016-2
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Sport und Spiel wird im Fördermagazin Grundschule (1/2017) ins Zentrum gestellt. In dem Heft sind praxisnahe Beiträge veröffentlicht, die Unterrichtsideen dazu liefern sollen, wie Kinder sich motorisch weiterentwickeln, Sozialkompetenz aufbauen und ihr Selbstvertrauen ausbauen können.

Ganzheitliche Förderung mit und im Sportunterricht

Im Basisbeitrag (Wir erobern den Sportgipfel, S. 5) setzt sich Christina Goldstein mit der Erziehung zum lebenslangen Sporttreiben auseinander. Dafür stellt sie die Arbeit mit dem Sportpass vor, mit dem auch sportunmotivierte Kinder animiert werden, sich zu bewegen.

Janina Stickan fokussiert die Förderung kooperativer Fähigkeiten. In ihrem Beitrag Mit Tisch und Bank – Wir turnen miteinander (S. 7-8) stellt sie eine Unterrichtsreihe zum Thema Akrobatik vor. Dabei sind die Kinder darauf angewiesen Absprachen zu treffen und sich zu einigen. Das Thema sind Menschnpyramiden. Dazu sind Materialien (S. 9-13) wie der Pyramidenplaner, eine Übersicht über verschiedene Pyramidenformen und ein Arbeitsblatt zu den grundlegenden Regeln beigefügt.
 
Ebenfalls von Janina Stickan ist der Beitrag Weit und hoch – so gut ich kann. Etwas wagen und verantworten an Gerätestationen (S. 14-15, Material 16-18). Die Autorin beschäftigt sich in diesem Beitrag damit, wie durch die Arbeit an Stationen der Heterogenität der Schülerschaft Rechnung getragen werden kann. Ziel dabei ist, dass sich möglichst viele SchülerInnen zeitgleich bewegen können, damit werden Zeiten des Leerlaufs und somit Störungen des Unterrichts verringert. Zudem bietet die Arbeit an Stationen gute Differenzierungsmöglichkeiten. Zu beachten ist jedoch, dass diese Arbeit gut eingeführt werden muss, damit sie später reibungslos läuft. Wichtig ist hier beispielsweise, gut auf die Gruppenbildung zu achten. Es sind Tipps zum Aufbau, zur Durchführung und zur Reflexion abgedruckt.

Das Förderkonzept Fitness für Piraten ist auf der Basis wissenschaftlicher Befunde entwickelt worden. Es dient der sportmotorischen Förderung von Kindern im Förderschwerpunkt Lernen mit ADHS. Es sollen damit Fitness, Koordination, Konzentration sowie der soziale Zusammenhalt gefördert werden. Das Konzept ist thematisch im Bereich Piraten und Seefahrt angelegt. Zentral ist, dass die Organisation im Klassenzimmer möglichst ökonomisch und spontan möglich ist, die Dauer der Förderung liegt bei ca. 30 min. Ausführliche Beschreibungen (Spiele, Bewegungsaufgaben Piratenschatz, Gleichgewichtstest …) finden sich in dem beigefügten Material (S. 30-38).

Feuer - eine Unterrichtseinheit

In der Rubrik Sachunterricht; Unterrichtsideen wird eine Unterrichtseinheit zum Thema Feuer (Mit Feuer spielt man nicht!, S. 19-24) für das dritte und vierte Schuljahr vorgestellt. Der Autor des Beitrags, Bernhard Lanz, versucht dabei eine möglichst handlungsorientierte Herangehensweise, bei der viele kleine Experimente gemacht werden. So sollen auch Kinder mit Förderbedarf sich aktiv beteiligen können.  Neben der unumgänglichen Auseinandersetzung mit Sicherheitsaspekten und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Thema wird ein Zugang gewählt, mit dem betrachtet wird, wie sich im Laufe der Geschichte die Art und die Möglichkeiten Feuer zu machen verändert haben: über den steinzeitlichen Feuerbogen, das mittelalterliche Feuereisen und das Feuermachen mit Streichhölzern. Bis schließlich der Frage nachgegangen wird, ob es möglich ist, etwas ohne Flamme anzuzünden.

Fachübergreifende Unterrichtsideen werden in dem Beitrag Ich mache mir Gedanken (S. 25-26, Material S. 27-29) von Astrid Jahns vorgestellt. Dabei geht es darum, sich mit Grübelkreisläufen auseinanderzusetzen und mit den SchülerInnen Strategien zu entwickeln, wie sie Gedankenkarusselle (die den Schlaf stören) stoppen können.

In der Rubrik Impulse (S. 39-40) wird dargelegt, warum es für Lehrkräfte sinnvoll ist sich mit der arabischen Sprache zu befassen. Dieser Artikel hierzu: Deutsch lernen mit arabischer Muttersprache (S. 39-40) wurde von uns übernommen.

Link: http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/foerdermagazin-grundschule

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didacta. Das Magazin für lebenslanges Lernen titelt in seiner aktuellen Ausgabe (01/17) Das sind wir! Wie Schulen kultureller Vielfalt begegnen. Zum Titelthema sind drei Beiträge abgedruckt. Sie befassen sich mit verschiedenen Aspekten und Zusammenhängen von Bildung und Migration. Eine Vielzahl weiterer Themen wird in anderen Rubriken beleuchtet.
Beispielsweise befasst sich Pia Behme in der der Rubrik Schule mit dem Traumjob Lehrer? (S. 82-84). Im Folgenden wird ihr Beitrag skizziert. Der Didacta Verband befragte 1139 Lehrkräfte zu ihren Herausforderungen im Schulalltag. Deutlich wurde, dass LehrerInnen insbesondere die hohe psychische Belastung beklagen. Oftmals fühlen sie sich beispielsweise durch Auffälligkeiten im Verhalten von SchülerInnen überfordert. Die Gewalt und Aggressivität an Schulen nimmt zu – so die befragten Lehrkräfte. Ursachen für Herausforderungen, die mit ihrem Beruf einhergehen, sehen LehrerInnen auch im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Veränderungen. So setzen sie sich auch vermehrt mit der Frage auseinander, was denn eigentlich der (gesellschaftliche) Auftrag von Schule ist. Zudem nimmt die Heterogenität in den Klassen in vielerlei Hinsicht zu. Und weil viele LehrerInnen nicht sonderpädagogisch aus- oder weitergebildet sind, sehen sie sich durch die schulische Inklusion überfordert.

Der Bildungsexperte Jörg Dräger ist sich sicher: Digitalisierung im Unterricht kann zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Warum es dafür mehr braucht als Computer und Handys, erklärt er in einem Interview. Hier können Sie das ganze INterview downloaden: Durch digitale Bildung mehr Gerechtigkeit.

Zudem haben wir den Beitrag: Andere Länder, andere Toiletten von Kerstin Trüdinger auf unser Portal übernommen. Ausgehend von der Überzeugung, dass vieles anders ist, wenn  man in ein fremdes Land kommt, zeigt sie wie eine Schule in Schwaben ihren neuen Schülern beim Ankommen hilft.

Foto: fotolia. Christian Müller
 
 

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