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Kindertagespflege
06.04.2017  

Kinderbetreuung außerhalb von Kindertagespflege und Kita: MoKis

Der Mobile Kinderbetreuungservice ist ein Angebot für Eltern, deren Bedarf weder mit der Kindertagespflege noch mit der Kita gedeckt wird.. Das Projekt wird von der Senatsverwaltung in Berlin gefördert, und das ist gut so.

Der Bedarf: Eltern mit besonderen Arbeitszeiten

Das Beispiel Simon F.: „Ich bin Berufsfeuerwehrmann bei der Berliner Feuerwehr. Das ist mein absoluter Traumjob, der mir großen Spaß macht. Ich arbeite gern dort. Bei der Berufsfeuerwehr arbeiten wir im 12-Stunden Schichtsystem. Nach der Trennung von meiner Frau wurde die Kinderbetreuung meines Sohnes für mich zur Herausforderung. Durch den Schichtdienst kann ich ihn nicht immer in die Kita bringen oder von dort abholen. Auch am Wochenende und an Feiertagen brauche ich regelmäßig Kinderbetreuung für meinen Sohn. Die Kinderbetreuung brauche ich auch immer mal nachts, wenn ich Dienst habe. Meine Dienste sind meist lange im Voraus geplant, sodass die Betreuungsperson sich langfristig darauf einstellen kann. Ich brauche eine Person zur Kinderbetreuung, die mich und meinen Sohn flexibel unterstützt.


Ich habe mich an mein zuständiges Jugendamt gewandt und die Fachberaterin hat mich an MoKiS verwiesen. Ich wurde beraten und gab auf der Homepage ein Betreuungsgesuch auf. Nach kurzer Zeit gab MoKiS mir die Kontaktdaten zweier potentieller Kandidaten/-innen für die Kinderbetreuung. Ich nahm zu beiden telefonisch Kontakt auf. Zur Rentnerin Margarethe hatte ich direkt einen guten Draht und wir verabredeten uns zu einem persönlichen Treffen. Wir waren uns sofort sympathisch. Ich war sehr erleichtert, weil sie eine so nette und freundliche Person ist. Margarethe konnte sich vorstellen meinen Sohn zu betreuen, auch wenn meine Arbeitszeiten sehr unregelmäßig sind. Im nächsten Schritt haben sich Margarethe und mein Sohn kennengelernt. Mein Sohn mochte Margarethe und sie ihn. 4 Monate ist es nun her. Margarethe holt meinen Sohn von der Kita ab oder bringt ihn dorthin. Manchmal betreut sie meinem Sohn über Nacht. Die Kinderbetreuung mit Margarethe klappt sehr gut. Ich muss mir keine Sorgen machen und kann beruhigt meiner Arbeit nachgehen. Wir treffen gemeinsame Absprachen und Margarethe übermittelt mir Informationen aus der Kita. Margarethe und mein Sohn verstehen sich blendend und manchmal wickelt er sie ganz schön um den Finger. Aber das ist ok, denn so macht die Kinderbetreuung allen Spaß.“

Das Angebot von MoKiS

In Berlin bieten die Kindertagesstätten, Kindertagespflegepersonen und Horte in der Regel Öffnungszeiten an, die zwischen 6:00 und 18:00 Uhr liegen. Für einige Eltern und Alleinerziehende reichen diese Öffnungszeiten der Regelbetreuungsangebote nicht aus, da ihre Arbeitszeit die Öffnungszeiten der regulären Kinderbetreuung regelmäßig um mehr als eine Stunde überschreitet.

Mütter und Väter haben in diesem Fall die Möglichkeit, neben dem regulären Betreuungsgutschein noch einen weiteren Gutschein für die Kinderbetreuung ihres Kindes/ ihrer Kinder zu beantragen. Der Betreuungsgutschein, der von Eltern beim Jugendamt beantragt werden kann, heißt "Gutschein für ergänzende Kindertagespflege". Für die Kinderbetreuung ist dann eine geschulte Betreuungspersonen zuständig.

Voraussetzung ist, dass ein Kind, das ergänzend betreut werden soll, auch in einer Regelbetreuung sein muss.

Die ergänzende Betreuung muss außerhalb der Öffnungszeiten von Kindertagespflege, Kindertageseinrichtung und Hort der Grundschule liegen. Mögliche Betreuungszeiten sind:

  • sehr frühmorgens, bevor die Regelbetreuung öffnet,
  • am späten Nachmittag oder abends nach der Regelbetreuung
  • nachts,
  • an Feiertagen oder
  • am Wochenende.

Wer betreut?

Ein Beispiel: Rita betreut Kinder im Anschluss an die regelmäßige Kinderbetreuung in der Kindertagesstätte, Kindertagespflege oder dem Hort. Eigentlich ist sie Studentin.

Bei ihrer Suche nach einem Nebenjob, stieß sie auf die Homepage von MoKiS. Umgehend meldete sie sich zu einer kostenlosen Informationsveranstaltung an, die bei MoKiS mindestens monatlich stattfinden.

Nach der Veranstaltung entschied sie sich für die Tätigkeit als Betreuungsperson. Sie vereinbarte einen Termin beim Jugendamt, besuchte die Qualifizierung Kindertagespflege Basic und ließ ihre Kontaktdaten bei MoKiS in die Datenbank einspeisen. Nur kurze Zeit später vermittelte MoKiS die ersten Anfrage von Eltern. Rita fand schnell eine passende Familie. Sie hat jetzt einen Vertrag mit dem Jugendamt und betreut von 18:00 bis 22:30 Uhr einen kleinen Jungen und seine Schwester in der Wohnung der Familie. Sie holt die Kinder von der Tagesmutter bzw. dem Schulhort ab und geht mit ihnen nach Hause. Dort bereitet sie das Abendessen für die Kinder vor und isst gemeinsam mit ihnen. Bevor die Kinder von Rita ins Bett gebracht werden, bleibt meistens noch etwas Zeit für ruhige Spiele oder das Anschauen von Bilderbüchern. Für die Kinderbetreuung an 3 Tagen pro Woche erhält Rita ungefähr 400.- Euro im Monat. Ein Teil dieses Geldes ist eine pauschale Erstattung für Kosten, die Rita entstehen, weil sie eine private Alterssicherung abgeschlossen hat.

Das Interesse der Unternehmen

Für Unternehmen bedeutet MoKis eine Entlastung. Die Mitarbeiter/-innen können sich auf ihren Beruf konzentrieren, wenn diese ihre Kinder gut versorgt wissen, was das Unternehmen wiederum wirtschaftlicher macht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird gefördert.

Kommentar der Redaktion

Man liest von diesem Angebot mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Für die Kinder wäre es schöner, wenn die Eltern - meist alleinerziehend - mehr Zeit für sie hätten. Und eigentlich sollten die Arbeitgeber das auch ermöglichen, ohne Lohneinbußen. Aber, wie unser alter Brecht zutreffend bemerkte: Die Verhältnisse, sie sind nicht so. Die Arbeitswelt richtet sich nicht nach den ArbeitnehmerInnen, sondern die ArbeitnehmerInnen müssen sich nach den Arbeitgebern richten.

In dieser Situation ist MoKis ein wichtiges Angebot, und ein gutes dazu. Die Vermittung über das Jugendamt vermeidet zumindest grobe Schnitzer bei der Auswahl des Personals, die Grundqualifizierung bringt ein Minimum an pädagogischer Qualifikation, und vielleicht erhalten so gewonnene KinderbetreuerInnen durch diese Tätigkeit eine Motivation, den Beruf der Frühpädagogin zu ergreifen (siehe auch Ariadnes Kommentar).
Nicht zu vergessen, die Eltern: Eine Betreuungsperson im eigenen Haushalt stützt auch das Selbstbewusstsein der Mutter/des Vaters, und das Kind erhält eine zusätzliche Bezugsperson, diesmal aber nur für sich bzw. für die Kinder im Haushalt. Das sind Gewinne für die Entwicklung - wenn denn die Beziehung gut läuft. Was wir allen im MoKis-Projekt Beteiligten wünschen wollen.

Alle Angaben aus der Homepage von MoKis.

Foto: Myst/Fotolia

 



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