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Personal/Team
25.04.2017  Hilde von Balluseck

Strategien gegen den Fachkräftemangel

Auf der Tagung der Weiterbildungsinitiative am 24.4. wurde das neue Fachkräftebarometer vorgestellt. Neben den einzelnen Statistiken interessierten vor allem die Zahlen zum drohenden Fachkräftemangel.
Dieser Mangel ist schon heute Realität in vielen Gegenden. Er wird aber dramatische Ausmaße erreichen, wenn, wie abzusehen ist:
- die Kinder der anwachsenden Geburtenkohorten in die Kita kommen (die Geburtenquote ist gestiegen),
- die Kinder der Flüchtlinge, die ihre Familien nachholen, Kitaplätze brauchen,
- der Ausbau der Kindertagesbetreuung weiter voranschreitet
- die qualitativ erforderliche Verbesserung des Personalschlüssels mehr Personal erfordert.

Die erschrockenen Zuhörerinnen äußerten eine ganze Reihe von Ideen, um diese Entwicklungen in den Griff zu bekommen.

1. Einstellung ausländischer Fachkräfte

Die Bundesanstalt für Arbeit muss den Beruf der Erzieherin zum Mangelberuf erklären, dann können Träger mehr Kräfte aus dem Ausland einstellen. Unbedingt muss die Anerkennung ausländischer Zertifikate erleichtert und beschleunigt werden. Dies betrifft dann auch ganz entscheidend die geflüchteten Menschen, die jetzt in Deutschland leben.

2. Quereinstiege erleichtern

InteressentInnen aus anderen Berufsgruppen muss der Zugang zur frühpädagogischen Ausbildung an Fachschulen, Hochschulen und durch Weiterbildung erleichtert werden.

3. Neue Wege der Qualifizierung

Es gibt schon berufsbegleitende Ausbildungsmodelle, diese müssten erweitert werden. Einige Länder haben hier schon Konzepte, wie Fachkräfte allmählich in den Beruf hineinwachsen können.

4. Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Junge Frauen, die in den Beruf einsteigen und dann Kinder bekommen, soll die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden.

Zu wenig oder gar nicht diskutiert wurden die folgenden Themen.:
 

Die Qualifikation von unten

Menschen, die Lust haben, mit Kindern zu arbeiten, sollte der Zugang zum Beruf über Kita-Praktika erleichtert werden. Beispiel: Der Kreis Euskirchen.hat damit begonnen. Es geht dann nicht zuletzt darum, verspätet eine Chancengleichheit herzustellen: Frauen und Männer, die aufgrund ihrer Biographie nicht ausreichend Chancen erhalten haben, einen zufrieden stellenden Beruf zu erlernen, könnten auch in einer späteren Phase ihres Lebens dazu Unterstützung erhalten. Dies ließe sich auch in größerem Maßstab denken (vgl. Ariadne).

Die Multiprofessionalität der Teams

Auch die mulltiprofessionelle Zusammensetzung der Teams erfordert neue Leitungsqualitäten und neue Formen des Umgangs miteinander. "Multiprofessionell" heißt zum einen, verschiedene Berufe sollen an einem Strang ziehen - mit jeweils anderen Spezialisierungen. Aber es heißt auch: Menschen mit unterschiedlich hohen Qualifikationen bemühen sich um die Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder. Die gegenseitige Anerkennung auf der einen, die Zusammenarbeit bei hohen Qualitätsstandards auf der anderen Seite sind Herausforderungen, auf die die Ausbildungen auf Fachschul- und Hochschulniveau bisher nicht vorbereiten. Das muss sich ändern.

Das multiprofessionelle Team braucht Unterstützung

Ohne Fachberatung, ohne Supervision kann der Aufbau und die Arbeit von solch komplexen Teams kaum gelingen. Es wird daher eine wichtige Aufgabe sein, FachberaterInnen und SupervisorInnen zu qualifizieren.

Und schließlich: Das Geld

Die Aus- und Weiterbildung zu frühpädagogischen Fachkräften muss finanziert werden. Menschen, die diese Ausbildung machen, müssen ein Einkommen haben, das ihnen, auch mit Kindern, ein Leben ohne finanzielle Ängste ermöglicht.

Das dürfte doch kein Problem sein in unserem Export-Weltmeister-Land, oder?

Aber es gibt noch ein anderes Problem, das wir nicht vergessen sollten.

Wer pflegt die Alten?

Auch bei der Altenpflege gibt es schon jetzt einen Pflegenotstand. Bis 2030 werden 500 000 Vollzeitpflegekräfte fehlen.

Müssen wir nicht - und das sagte auch ein Teilnehmer, dessen Namen ich leider nicht erfuhr - die Fachkräfte, die Beziehungsarbeit leisten und deswegen weniger .Geld bekommen, aber psychisch mehr belastet sind als andere Berufe, gemeinsam in den Blick nehmen? Oder wollen wir es zu einem bitteren Konkurrenzkampf zwischen den Ausbildungsstätten für Altenpflege und für Frühpädagogik kommen lassen?

Kontakt: balluseck@fruehe-bildung.online






 

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