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Rezensionen und Reviews
05.05.2017  Karsten Herrmann

Was macht Weiterbildung effektiv? (Review)

An Pädagogische Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung werden heute weitreichende Anforderungen gestellt, die von der Eingewöhnung über Sprachbildung und die Zusammenarbeit mit Eltern bis zum Umgang mit einer immer weiter zunehmenden individuellen, sozialen und kulturellen Heterogenität reichen. Da die dafür erforderlichen Kompetenzen häufig nicht hinreichend in der Ausbildung oder im Studium vermittelt werden (können), fällt der Weiterbildung für die Qualitätsentwicklung in den KiTas eine zentrale Rolle zu.
Doch wie wirken Weiterbildungen und was macht eine gute Weiterbildung aus?
 

Erst wenige empirische Studien in Deutschland in Deutschland

Diese Frage ist Schwerpunktthema der Frühen Bildung 2-2017 und die Herausgeber Doris Edelmann und Hans-Günter Roßbach konstatieren im Editorial: „Inwieweit allerdings die verschiedenen Weiterbildungen sich tatsächlich auf die Kompetenzen des pädagogischen Fachpersonals und ihre alltägliche Praxis sowie auf die betreuten Kinder auswirken, ist auf empirischer Basis in Deutschland nur wenig untersucht“. Und so wurden auf den „Call for Paper“ für dieses Schwerpunktthema auch „nur sehr wenige Beiträge eingereicht“ – unter ihnen die im folgende vorgestellte Überblicksstudie zu Forschungen über die Effekte von Weiterbildungen.
 

Metastudie gibt erste Hinweise

Franziska Egert, Andrea G. Eckhardt und Ruben G. Fikkink nehmen in ihrem Schwerpunktbeitrag „Zentrale Wirkmechanismen von Weiterbildungen zur Qualitätssteigerung in Kindertageseinrichtungen“ in den Fokus. Grundlage dafür ist, so die AutorInnen, ein narratives Review als ein triangulierendes Verfahren, bei dem Studienergebnisse zu einem Thema bzw. einer Forschungsfrage zusammengefasst, erklärt und interpretiert werden. Es kombiniert dabei ein quantitatives systematisches Review mit qualitativer Textanalyse und entsprechenden Kodierungen.

In ihrer Einleitung weisen die AutorInnen darauf hin, dass im deutschsprachigen Raum „kompetenzorientierte Formate für Fachkräfte favorisiert“ (ebd. S. 59) werden, die sich durch Praxis- und Handlungsorientierung sowie Partizipation der TeilnehmerInnen auszeichnen. WeiterbildnerInnen würden es als wichtig ansehen, „die Bedürfnisse, Kompetenzen und Biographien der Fachkräfte in Weiterbildungen zu berücksichtigen“ (ebd.). Im angloamerikanischen Raum würden Qualitätsstandards im Unterschied dazu mehr „unter Aspekten der Trainingsintensität, Weiterbildungsmethode und didaktischen Prinzipien diskutiert“ (ebd.).

In ihrer systematischen Literaturrecherche identifizierten die AutorInnen zunächst 1195 Literaturquellen zur Wirkung von Weiterbildungen. Nach Prüfung verfügten jedoch letztlich nur 36 Studien „über die benötigten statistischen Kennwerte für die Metaanalyse“. Und nur bei zwölf Studien aus den USA und einer aus Kanada „fand sich ein großer aggregierter Programmeffekt“ (ebd. S. 60). Die Stichprobengröße variierte bei diesen Studien zwischen 6 und 304 TeilnehmerInnen und die Weiterbildungen waren sehr heterogen in Bezug auf Vermittlungsformen, Dauer und Intensität.
 

Zentrale Wirkmechanismen

Im narrativen Review zeigte sich nun als „ein zentrales Merkmal der besonders effektiven Weiterbildungsprogramme [...] die Unterstützung vor Ort“ (ebd. S. 61) in Form von Coaching, Mentoring, Consulting oder Supervision.

Einige andere effektive Weiterbildungen wurden als „anwendungsbezogene Trainings (direct skill training) durchgeführt“ (ebd.). Hierbei wurde die unmittelbare Anwendung des Gelernten im Kurs durch aktive Übungen und Rollenspiele und / oder im direkten Anwendungskontext der KiTa-Gruppe trainiert. In performanzorientierten Übungen wendeten die TeilnehmerInnen das Gelernte in der Praxis zwischen den Weiterbildungseinheiten an und dokumentierten dieses.

Zum Einsatz kamen in effektiven Weiterbildungen auch Video-Feedback und Video-Reflexion, um Interaktionen und Lernsituationen besser zu verstehen und miteinander zu diskutieren. Als weiteres herausstechendes Merkmal zeigte sich „der Einsatz von Qualitätsprofilen“ (ebd. S. 62). Auf ihrer Grundlage erhalten Fachkräfte konkrete Hinweise, wie sie ihre pädagogische Arbeit verbessern können, um auf dem Instrument bessere Werte zu erhalten. Diese, so die AutorInnen, würde in Deutschland jedoch „noch nicht als gängige Strategie praktiziert“ (ebd. S. 63).
 

Die Frage der Übertragbarkeit

Zusammenfassend stellen die AutorInnen fest, „dass effektive Weiterbildungsformate individualisiert auf der Ebene der Einzelpersonen oder der Kita-Gruppen sind“ (ebd. S. 62). So fanden sich bei den besonders effektiven Programmen auch „keine klassischen Teamfortbildungen, sondern es stand die problemzentrierte, individualisierte Unterstützung im Vordergrund“ (ebd. S. 62f). Als ein letzter zentraler Wirkfaktor erwies sich der Studien zufolge eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für Ausfallzeiten, weitere Weiterbildungen oder Literatur und Materialien.

Entsprechend ihrer Ergebnisse empfehlen die AutorInnen die „Individualisierung der Unterstützungsformate“ und unterstreichen, dass die Bedarfsermittlung und Weiterbildungsressourcen sich „an die einzelne Fachkraft oder die Kita-Gruppe richten [sollte] und nicht die Einrichtung bzw. das Team“ (ebd. S. 63). Ein erfolgversprechendes Unterstützungsformat sei dabei das individuelle Videofeedback.

Hinsichtlich der Übertragbarkeit der Studienergebnisse auf deutsche Verhältnisse regen die AutorInnen eine kritische Diskussion an, da die effektiven Interventionsprogramme alle aus dem angloamerikanischen Raum stammten und auch keine Langzeiteffekte untersuchten.

Zum Donwload Frühe Bildung 2-2017 (kostenpflichtig)

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