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Aus- und Weiterbildung
04.06.2017  Hilde von Balluseck

Fallstricke der berufsbegleitenden Ausbildung

Die berufsbegleitende Ausbildung erscheint als beste Möglichkeit, Theorie und Praxis zu vereinbaren. Die Tücken des Modells beschreibt der Referent bei der GEW Berlin..
Im Interview mit der Koordinationsstelle Chance Quereinstieg stellt Ronny A. Fehler die Schwierigkeiten des in Berlin praktizierten Modells der berufsbegleitenden Ausbildung dar. Das Problem liegt zum einen in der Überlastung der Studierenden::
"Das Besondere an dieser Ausbildungsform ist ..., dass die Studierenden auf der einen Seite einen Arbeitsvertrag mit einem Arbeitgeber haben und zum anderen einen Ausbildungsvertrag mit einer Fachschule. Wenngleich diese Verträge sich gegenseitig voraussetzen, stehen sie weiter in keinem Bezug zueinander. Das hat immer wieder zur Folge, dass die vielen unterschiedlichen Vertragsmodelle zu erheblichen Irritationen und auch zu extremem Belastungen für die Studierenden führen. Uns suchen viele Studierende auf, die mit der hohen Doppelbelastung an ihre Grenzen kommen."

Zum anderen gibt es erhebliche Unterschiede bei den Gehältern der Träger: "Während eine Studierende in berufsbegleitender Ausbildung bei einem öffentlichen Träger, wie den Kita-Eigenbetrieben, mit einem 20 Stundenvertrag ungefähr ein Bruttogehalt in Höhe von 1000 Euro erhält, werden bei freien Trägern einige Studierende auf „Minijob“- Basis beschäftigt (bis zu 450 Euro Verdienst monatlich)."

Weitere Kritikpunkte des GEW-Referenten:
  • Die Senatsverwaltung hat es versäumt, die Rahmenbedingungen für die berufsbegleitende Ausbildung zu gestalten.
  • Für den Träger ist die Anrechnung der berufsbegleitenden Studierenden auf den Personalschlüssel ein Gewinn. Für die Qualität der Kita hingegen ist die Behandlung von Kräften ohne entsprechende Ausbildung als vollwertige Fachkraft ein Risiko. 
  • Die Absicht der Senatsverwaltung, SozialassistentInnen in der Kita einzusetzen ist eine weitere Gefährdung der Qualität.
  • Da es keinen speziellen Lehrplan mit entsprechenden organisatorischen Rahmenbedingungen gibt, ist die Qualität der Fachschulausbildung höchst unterschiedlich und garantiert keine hohe Qualifikation.
Insgesamt zeigt das Interview, dass es erheblicher Abstimmungs- und Planungsarbeit bedarf, damit die berufsbegleitende Ausbildung nicht zum Eigentor wird.

Zum Interview klicken Sie hier.

Mehr zum Thema auf Frühe Bildung online : http://www.fruehe-bildung.online/artikel.php?id=1910

Foto: Petro Feketa/Fotolia

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