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Rezensionen und Reviews
22.06.2017  Meike Sauerhering

Fachzeitschriften: Neues für die Grundschule III/2017

Zentrale Inhalte verschiedener Grundschulzeitschriften fassen wir für Sie zusammen. Ein Thema dabei ist das Miteinander in einer guten Schulkutur. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Stärkung der Lesekompetenz. Zusätzlich stellen wir Ihnen zeitgenössische Bilderbücher für die Arbeit in Willkommensklassen vor.
Im Grundschulmagazin (3/17 Mai/Juni 2017) geht es um die Planung, Vorbereitung und Auswertung des eigenen Unterrichts. Wie in jeder Ausgabe sind auch dieses Mal wieder zahlreiche Materialien und Arbeitsblätter enthalten, die direkt für den eigenen Unterricht genutzt werden können.
Zudem findet sich in der Rubrik Kurzserie jeweils der dritte Teil zu den pädagogischen Themen: Was ist eine gute Grundschule und wie können inklusive Lernkulturen im Sportunterricht gestaltet werden? Zusätzlich gibt es Materialien für Deutsch als Zweitsprache und Mitteilungen aus dem Grundschulverband.
 
Den Basisbeitrag von Christoph Eichhorn: Ein guter Start – bei unseren Schülern ansetzen (S. 7-10) haben wir auf unser Portal übernommen. Er zeigt was es bedeutet, bei den Schülern anzusetzen, nämlich:
  • an ihren Bedürfnissen,
  • an ihrem Lernstand,
  • an ihrem Lebenserfahrungshintergrund und
  • an ihrer Lern- und Arbeitshaltung.
Dabei steht für Eichhorn die Gestaltung der Beziehung zwischen LehrerIn und SchülerIn im Vordergrund. Sie können den Beitrag vollständig lesen, wenn sie auf den Titel klicken.
 
Eine Frage der Beziehung ist auch für Alexandra Kochs Beitrag relevant (S. 11-14). Wenn sie fragt. „Ist die Stunde so gelaufen, wie geplant?“ und das in der kollegialen Hospitation zur Diskussion stellt, geht es auch um die Beziehung unter den KollegInnen. Denn nur wenn diese vertrauensvoll ist, lässt sich die kollegiale Hospitation als Instrument der Qualitätsentwicklung einsetzen. Aber dann wirkt sie sich positiv auf die Ebene der einzelnen Lehrkraft, des Kollegiums sowie des Unterrichts aus. Wichtig für die Gestaltung kollegialer Hospitationen ist eine gute Planung, wie beispielsweise das Festlegen von Beobachtungsschwerpunkten, eine gute Auswahl der PartnerIn, damit man sich vertrauensvoll öffnen kann sowie das Einhalten von grundlegenden Feedbackregeln (beispielsweise keine Wertung). Wenn Sie die kollegiale Hospitation in ihrer Schule einführen oder ausbauen möchten, können Sie das in dem Magazin abgedruckte Material nutzen (S.15-17). Einiges an Vorarbeit ist Ihnen dann schon abgenommen.
 
Wie das Fundament für einen guten Unterricht geschaffen werden kann, zeigt Christoph Eichhorn. Eine Lehrer-Schüler-Beziehung ist dabei grundlegend, die Höflich, wertschätzend, positiv ist. Auch diesen Beitrag haben wir übernommen und Sie können ihn vollständig downloaden.
 
Sabrina Lange und Kristin Wolf beschäftigen sich mit dem Thema ‚Daten erfassen und darstellen‘. In ihrem Beitrag Zirkuskinder (S. 39) ist es ansprechend aufbereitet. Die Autorinnen wenden sich dem Themenbereichen Daten, Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu, weil sie der Meinung sind, dass diese im heutigen Mathematikunterricht ins Hintertreffen geraten, da den arithmetischen Inhalten mehr Zeit gewidmet wird. Für die Klassenstufen 1 und 2 zeigen Lange und Wolf wie Kinder im Rahmen eines Zirkusprojekts oder auch einfach nur anhand des Themas Zirkus, unterschiedliche Abbildungsformen kennen- und interpretieren lernen. Beispiele für Balken-, Kreis-  und Säulendiagramme, Schaubilder, Tabellen und Strichlisten sind als Material beigegeben (S. 40-47).

Kurzserien Pädagogik

Manfred Bönsch setzt sich in diesem dritten Teil zum Thema Was ist eine gute Grundschule. Lebens- und Lernraum damit auseinander, wie der Gestaltungsrahmen dort beispielsweise durch veränderte Zeitstrukturen, Ganztagsangebote oder Gemeinwesenorientierung auszuweiten ist. Diese Veränderungsnotwendigkeiten ergeben sich einerseits aus der Veränderung der Lernkultur, die sich von der Lehrerorientierung immer mehr der Schülerotientierung zuwendet. Andererseits ergeben sie sich aus den Ausbau von Ganztagsangeboten. Wenn der Ganztag für alle SchülerInnen (und LehrerInnen) verbindlich wird, hat das Konsequenzen, zum Beispiel auf die Rhythmisierung. Bereits heute ist die Grundschule ein Arbeitsplatz für sozialpädagogische Berufe, mit dem Ausbau von Ganztagsangeboten wird sich das vermutlich noch verstärken. Wenn so eine zweite Profession dauerhaft in die Grundschule kommt, verlangt das eine gute Gestaltung und Verankerung der Kooperationsbeziehungen. Eine weitere Veränderung wäre die Öffnung der Schule in den Stadtteil hinein – hier vermutet Bönsch wenig Akzeptanz. Wobei er betont, dass eine gemeinwesenorientierte Schule in Wechselwirkung mit ihrem Umfeld treten kann und viele Vorteile mit sich bringt. Bereichernd für die SchülerInnen kann es sein, wenn die Kinder ihren Lebensort, ihre Kommune näher kennenlernen. Und umgekehrt kann sich auch die Schule öffnen und als kultureller Treff dienen.
Die ersten beiden Teile dieser Kurzserie sind auf dem online Portal des Verlags zu finden: www.o-klick.de/gsm20170152 und https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/2017-2/das-tor-zur-welt (kostenpflichtig).

Caroline Goehring und Lena Krone beschäftigen sich im Rahmen der Gestaltung inklusiver Lernkulturen mit dem Parkourlaufen (S. 50-51). Diese Trendsportart hat einen hohen Aufforderungscharakter und wirkt motivierend – auch im inklusiven Sportunterricht ab Klassenstufe 1. „Beim Parkourlauf kommt es darauf an, sich möglichst fließend über eine Reihe von Hindernissen fortzubewegen. Elementare Bewegungsformen sind Laufen, Balancieren, Springen, Landen, Hangeln sowie Klettern“ (S. 50). Für inklusive Sportgruppen ist es auch deshalb geeignet, weil jede(r) die Hindernisse auf eine ganz eigene Art überwenden kann. Beim Aufbau ist darauf zu achten, dass der Parkour unterschiedliche Möglichkeiten bietet und den Fähigkeiten der SportlerInnen entspricht. Sicherheit bleibt aber oberstes Gebot. Unter Umständen bietet es sich an, verschiedene Arten wie die jeweiligen Hindernisse zu überwinden sind, zu visualisieren. Unter dem Stichwort ‚Parkour Grundschule‘ sind im Netz zahlreiche Anregungen, Stundenmodelle und Aufbauhinweise zu finden.
Wenn Sie diesem Link folgen, gelangen sie zur Verlags- und Zeitschriftseite: https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/2016-2
 
Oldenbourg hat im März April ein Sonderheft zum Thema Musik herausgegeben. Hier werden fünf Modelle vorgestellt, wie GrundschülerInnen konkrete Erfahrungen mit Musik machen können, um Kompetenzen in diesem Bereich aufzubauen. Beschrieben werden ein Frühlingskanon, die Möglichkeit klassische Musik mit Orff-Instrumenten zu begleiten (am Beispiel der Hochzeit des Figaro), Musikalische Traumreisen als Möglichkeit Achtsamkeit und Imaginationen zu fördern sowie der anspruchsvolle Versuch, zu einem Bild von Franz Marc Musik zu komponieren.
Link: https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/sonderheft-grundschulmagazin/2017-1
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Lesekompetenz stärken ist das Thema des Fördermagazins Grundschule (2/2017, April, Mai, Juni). In dem Heft sind praxisnahe Beiträge veröffentlicht, in denen es darum geht, wie Kinder mit Leseschwierigkeiten zum Lesen motiviert werden können und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, sie in ihrer Lesekompetenz zu stärken.
 
Claudia Crämer setzt sich mit der lesefördernden Wirkung des Vorlesens auseinander: Leseunterricht motivierend gestalten (S. 5-7). Die Lesemotivation ist ein entscheidender Faktor für das Lesenlernen. Aber gerade schwächere LeserInnen verlieren schnell die Lust, da viele Texte sie überfordern. Umso bedeutsamer ist die Gestaltung anregender Vorlesesituationen. In der Grundschule ist das Reihum-Vorlesen leider noch oft gängige Praxis. Dieses wirkt aus unterschiedlichsten Gründen wenig motivierend: Eine Auseinandersetzung und ein Einhören in Sprache und Inhalt findet dabei häufig nicht statt, weil beispielsweise jedes Kind mit der Stelle beschäftigt ist, die es vorzulesen hat. Und gerade schwächere LeserInnen machen in diesen Situationen schlechte Erfahrungen und werden bloß gestellt. Auch Spannung entsteht kaum, weil jedem der gleiche Text vorliegt. Deutlich motivierender ist das regelmäßige, ritualisierte, gut vorbereitete und betonte Vorlesen durch die Lehrkraft. Wenn Lesemotivation bei den Kindern aufgebaut ist, ist es wichtig, diese zu erhalten, Überforderung ist zu vermeiden. So stellt die Autorin in ihrem Beitrag vor, wie Texte leseförderlich zu gestalten sind. Beispielsweise ist auf eine Vereinfachung des Layouts und eine sprachliche Entlastung zu achten.
 
Am Beispiel der Beschäftigung mit dem Bilderbauch „Mein Auto ist rot“ von Peter Schössow zeigt Kathrin Walcher-Frank wie Freude am Sprechen, Schreiben und Lesen mit einem Bilderbuch geweckt werden kann (S.8-9). Der Titel ihres Beitrags lautet: Vorlesen lohnt sich. Grundsätzlich gilt, dass das Buch, welches vorgelesen wird, der Lehrkraft gefällt, sodass sie mit Freude und Begeisterung dabei ist. Um Kinder zu begeistern, bietet sich das dialogische Vorlesen an. Im Vorfeld werden dafür Textstellen markiert, an denen der Impuls gegeben werden kann, dass Kinder
  • Satzanfänge vervollständigen,
  • Inhalte wiederholen,
  • Inhalte auf eigene Erfahrungen beziehen,
  • Inhalte erläutern.
Konkret beschreibt die Autorin, wie das mit dem o.g. Buch im Unterricht umgesetzt werden kann. Zudem sind zahlreiche Arbeitsblätter für die Unterrichtsgestaltung abgedruckt (S. 10-12).
 
In ihrem Beitrag Der Sprung zum Wort (S. 13-15) setzt Claudia Crämer sich mit der Anbahnung der Synthesefähigkeit auseinander. Diese ist entscheidend für die Entschlüsselung der Wortbedeutung. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass die Synthesefähigkeit ein eigenaktiver Prozess ist, der nur schwer direkt zu beeinflussen ist. Dennoch gibt es Wege Kinder zu unterstützen den eigenen Weg zur Synthese zu finden. Beispielsweise wird der Syntheseprozess durch das eigenständige Schreiben von Wörtern angeregt. Anhand verschiedener Beispiele und Materialien (S. 15-17) wird gezeigt, wie das im Unterricht umgesetzt werden kann.
 
Melanie Besca stellt Leseübungen vor, die auf unterschiedlichen Niveau- und Schwierigkeitsstufen angeboten werden können. Ziel der Übungen ist es, das Verstehen über die Leseaufgabe „Fehler finden“ zu fördern. Hier stimmt was nicht! titelt der Beitrag (S. 18-19). Kinder müssen dabei semantisch unpassende Wörter in Wortsammlungen, Sätzen und Texten finden. Dazu wird in der Zeitschrift jeweils Material bereitgestellt (S. 20-22).

Lautes Lesen. Mit leicht lesbaren Texten Leseflüssigkeit und Leseverstehen fördern, ist das Thema von Andrea Steck (S.23-24). Sie zeigt in ihrem Beitrag, wie Texte gerade für schwächere LeserInnen so aufbereitet werden können, dass sich Leseverstehen und Leseflüssigkeit verbessern. „Geübt werden die Lesefähigkeit bei der Worterkennung, bei der Verbindung von Wortfolgen auf der Satzebene und bei der Herstellung von Relationen zwischen einzelnen Sätzen.“ (S.23) Gelesen wird dabei entweder synchron im Chor oder abwechselnd in Partnerarbeit. Die Autorin hebt insbesondere die positive Wirkung mehrfachen Lesens derselben Texte hervor. Der Ablauf gestaltet sich folgendermaßen:
  1. Tandem bilden und Text auswählen
  2. Vorübungen wie zum Beispiel Üben neuer Wörter
  3. Laut lesen üben
  4. Fragen zum Text formulieren
  5. Text für andere vorlesen und Rückmeldungen geben
 
Diese Ausgabe hält zudem bereit:
Material zum Spielerisch Lesen lernen. – Mit dem Würfelspiel Freddy Lesewurm wird gezeigt, wie Lesekompetenz motivierend gefördert werden kann (Beitrag und Material finden sich auf den S. 32-38). Und Sabine Silberhorn stellt Möglichkeiten vor, wie mit dem alltäglichen Einsatz von Yoga-Übungen und –spielen, die Konzentration und die Achtsamkeit in der Grundschule gefördert werden können (S. 27-30).
 
Abgerundet wird das Heft mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Zusammenhang von LRS und Rechenschwierigkeiten (S. 39-40). Die Autorin Traugott Böttinger hebt hervor, dass „bei 22% der SchülerInnen mit Lesestörung begleitend eine Rechenstörung vorliegt. Wird primär eine Rechenstörung festgestellt, finden sich bei 48% auch Schwierigkeiten im Lesen und/oder Rechtschreiben.“ (S. 39). Ursachen hierfür sind beispielsweise darin zu suchen, dass sowohl der Deutschunterricht als auch der Mathematikunterricht auf Kommunikation beruhen. Sind Schwierigkeiten bei Sprache und Schrift vorhanden, wirkt sich das negativ aus. Sowohl bei Texten als auch bei der Arithmetik ist die Reihenfolge entscheidend – haben Kinder Wahrnehmungsschwierigkeiten, hat das weitreichende Folgen. Im Bereich Mathematik kommt erschwerend hinzu, dass die Zahlen andersherum geschrieben werden als gesprochen: 4 2 und zweiundvierzig! Für Lehrkräfte folgt daraus, dass es genau zu betrachten gilt: Resultieren mathematische Schwierigkeiten möglicherweise aus sprachlichen?
 
Link: http://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/foerdermagazin-grundschule

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Aus didacta. Das Magazin für lebenslanges Lernen (02/17) Das sind wir! wird der Beitrag Miteinander ist das Zauberwort (S. 50-53) von Kerstin Trüdinger zusammengefasst. Dort werden Projekte vorgestellt, die im Rahmen der bundesweiten Schulaktion der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke durchgeführt wurden. Seit drei Jahren wird so die Wertevermittlung an Schulen unterstützt. Bisher haben über 200 Schulen im gesamten Bundesgebiet teilgenommen. Albert Schweitzers Ethik soll als Beispiel dafür dienen, wie „Miteinander“ gelebt werden kann. Viele verschiedenen Aktionen und Projektewerden in dem Beitrag vorgestellt: die Auseinandersetzung mit Albert Schweitzers Leben, eine Fotoaktion zum Thema Ehrfurcht vor dem Leben und ein Theaterstück zum Thema. Interessierte Schulen erhalten Unterstützung durch das Aktionsbüro des Albert Schweitzer-Verbands, zudem sind kostenfreie Unterrichts- und Begleitmaterialien mit Ideen und Anregungen zu beziehen. Mit Projekten in diesem Rahmen, kann Kindern und Jugendlichen gezeigt werden, dass sie sich für ein besseres Miteinander engagieren können. Werte wie Achtung, Toleranz, Freundschaft und Selbstvertrauen werden so mit Leben gefüllt.
Link zur Aktion: https://www.albert-schweitzer-miteinander.de/
Link zur Zeitschrift: http://didacta-magazin.de/
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Im Wamiki extra: Bilder bilden sind Zeitgenössische Bilderbücher für die Arbeit in Willkommensklassen das Thema. Die Autorin Kirsten Winderlich ist sich bewusst, dass das für LehrerInnen eine besondere Herausforderung darstellt.
Ausgehend von „einem Bildungsverständnis, das Lernen als ästhetisch grundiert, erfahrungsbezogen, dialogisch und sinnhaft begreift“ (S. 5), fokussiert sie auf den ästhetischen Aufforderungscharakter Zeitgenössischer Bilderbücher. Sie unterstreicht, dass diese zum Sprechen, Assoziieren, Erzählen und Philosophieren anregen. Die Sprachbildung wird dabei nicht lediglich über verbale Sprache, „sondern insbesondere über den performativen Umgang mit Bilderbüchern in Spiel und eigenem bildnerischen Handeln und Ausdruck ermöglicht“ (S. 5). Es wird kein lineares Sprachförderprogramm geliefert, vielmehr werden über das Betrachten der Bilderbücher Gelegenheiten für eine ästhetisch-künstlerische Sprachbildung initiiert.
 
Einführung zu zeitgenössischen Bilderbüchern
In zeitgenössischen Bilderbüchern wird mit dem traditionellen Verständnis, dass Bilder lediglich den Text unterstützen, gebrochen. Die ausgewählten Bilderbücher erzählen entweder ausschließlich über Bilder oder zeichnen sich durch vielfältige Bild-Text-Wechselbeziehungen aus.
Exemplarisch gibt die Autorin Einblick in die spezifische Ästhetik zeitgenössischer Bilderbücher:
  • Wann kommst Du Mama? von Kim Dong-Seong (Bild) und Lee Tae-Jun (Text)
  • Han Gan und das Wunderpferd von Chen Jianghong
  • Hast Du meine Schwester gesehen? Von Joke van Leeuwen
Auszüge und Beschreibungen dieser Bilderbücher können Sie unter folgendem Link einsehen. Dort finden sich auch Möglichkeiten für die weiterführende ästhetisch künstlerische Sprachbildungspraxis: www.bilderbuchkunst.de
 
Willkommensklassen
Willkommensklassen sind Lerngruppen für bis zu 12 SchülerInnen, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen, um am Unterricht in einer Regelklasse teilzunehmen. Abgesehen von dieser Gemeinsamkeit, kann ihre Zusammensetzung sehr heterogen sein. Die SchülerInnen können aus sehr verschiedenen Ländern und Familienkulturen stammen, ihr Aufenthaltsstatus kann sehr unterschiedlich sein. Sie unterscheiden sich möglicherweise deutlich in ihrem Bildungsstand und auch den Erfahrungen, die sie bisher mit Literatur oder Bilderbüchern gemacht haben. Hieraus ergeben sich Konsequenzen für die Praxis – auch für die Arbeit mit Zeitgenössischen Bilderbüchern.
 
Wie kann die Arbeit in Willkommensklassen konkret gestaltet werden?
Um der Vielfalt in den Klassen gerecht zu werden, sollten den SchülerInnen wenigstens 15 verschiedene Bilderbücher zeitgleich zur Verfügung gestellt werden. Auf diese sollten sie selbstbestimmt zugreifen können. Für die Mehrheit der Kinder werden zeitgenössische Bilderbücher in Hinblick auf Sprache, Bildkultur und Ästhetik fremd sein. Aber gerade das Fremde und Ungewohnte kann Kinder auch anregen und neugierig machen – betont die Autorin. So ist es wichtig, auch unabhängig von den Vorlieben der Kinder eine Vielfalt bereit zu halten. Gut ist, Bücher in den verschiedenen Herkunftssprachen zur Verfügung stellen zu können.
Für die Begegnung mit den Büchern schlägt die Autorin ein mehrstufiges Verfahren vor. Zunächst sollten die Kinder Zeit für die individuelle Auseinandersetzung mit den Büchern haben. Später sollte die Lehrkraft ein Buch vorstellen. Dieses kann sie entweder selbst gewählt haben oder es kann durch ein Kind vorgeschlagen worden sein. Allerdings muss die Lehrkraft das Buch kennen, damit sie es gut vorstellen kann. Es empfiehlt sich, Bücher nicht vorzulesen sondern zu erzählen. So können LehrerIn und SchülerIn besser miteinander in Kontakt treten. Anschließend sollten die SchülerInnen wiederum Zeit für die individuelle Auseinandersetzung mit dem vorgestellten Buch haben. Winderlich schlägt vor, dass jeder SchülerIn hierfür ein Skizzenheft zur Verfügung gestellt werden soll. Darin können die eigenen Eindrücke bildlich oder auch sprachlich (Muttersprache oder Deutsch) festgehalten werden.
Damit die Arbeit mit den Büchern gelingen kann, brauchen die SchülerInnen Raum und Zeit, sich in Ruhe in die Bücher zu vertiefen. Eine ansprechende Raumgestaltung mit Rückzugsmöglichkeiten wäre ideal. (Die Autorin orientiert sich an der Gestaltung der Bilderbuchwerkstatt in Berlin.) Ähnliches haben jedoch nur wenige zur Verfügung, so gilt es zu improvisieren: beispielsweise mit Tischen als Bilderbuchinseln oder mit Decken, die verwendet werden können, um Höhlen zu bauen …
 
Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Bilderbüchern werden nachfolgend 8 Beispiele vorgestellt. Diese entfalten jedoch nur mit den abgedruckten Bildern ihre Aussagekraft. So möchte ich an dieser Stelle noch einmal auf den bereits oben stehenden Link (www.bilderbuchkunst.de) verweisen, über den Einblick in die vorgestellten Bücher genommen werden kann. – Das ist sehr lohnenswert.

Foto: fotolia. Christian Müller
 

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