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Sprachliche Bildg./Mehrsprachigkeit
09.09.2017  Marina Geißler

Wie lernen Kinder mit Deutsch als Zweitsprache Lesen und Schreiben?

 Lesen und Schreiben zu können sind basale Voraussetzungen für Kinder, um erfolgreich weiter zu lernen sowie am kulturellen Leben teilhaben zu können. Die deutsche Kultur ist vorwiegend durch Schrift geprägt, während in vielen anderen Kulturen die gesprochene Sprache im Vordergrund steht. Gerade Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund benötigen beim Schriftspracherwerb besondere Rücksichtnahme, da sie zum Teil nicht über die nötigen Vorerfahrungen verfügen.

Welche Voraussetzungen haben Kinder  mit Deutsch als Erstsprache für den Schriftspracherwerb?

Kinder mit Deutsch als Erstsprache haben bereits einiges Vorwissen in sprachlicher und kultureller Hinsicht erworben. Sie verfügen im Regelfall über Erfahrungen in semantischer Hinsicht, also über einen altersgemäßen Wortschatz, phonetischer Hinsicht, also zur korrekten Lautbildung, zum Wort- und Satzakzent, der impliziten Grammatikverwendung, also im intuitiven Gebrauch von Wortarten, Flexionsformen etc., literaler Hinsicht, kennen also Textstrukturen durch Vorlesen, Kinderlieder, Reime etc., kultureller Hinsicht, wissen also z. B. welche Tiere in Deutschland leben.

Welche Voraussetzungen haben Kinder mit Deutsch als Zweitsprache für den Schriftspracherwerb?

Die Spanne der Voraussetzungen für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache reicht von wenig bis gar keinen Erfahrungen in der Schriftsprache bis hin zu bereits in ihrer Erstsprache alphabetisierten Kindern mit deutschen Sprachkenntnissen. Dies hängt davon ab, in welchem Alter die Kinder in das deutsche Schulsystem integriert werden und ob und in welcher Sprache sie alphabetisiert wurden. Dementsprechend kann man verschiedene Gruppen von Kindern unterscheiden, die Lesen und Schreiben in der Zweitsprache Deutsch erlernen sollen. Es gibt Kinder, die noch in keiner Sprache alphabetisiert wurden, in lateinischer Schrift alphabetisiert wurden (z. B. Türkisch, Polnisch), in kyrillischer Schrift alphabetisiert wurden (z. B. Russisch, Ukrainisch, Bulgarisch), in arabischer Schrift, einer Konsonantenschrift, alphabetisiert wurden (z. B. Arabisch sprechende Kinder aus dem Irak, dem Libanon, aus Nordafrika), in einer anderen Buchstabenschrift alphabetisiert wurden (z. B. Thailändisch), in einer Zeichen- oder Wortschrift alphabetisiert wurden (z. B. Chinesisch). Zudem kommen bei diesen Kindern noch motivationale Faktoren hinzu, die u. a. von der schulischen Integration, der Einstellung zur Zielsprache Deutsch, der Akzeptanz der Erstsprache und der Mehrsprachigkeit, dem Aufenthaltsstatus, der Familientradition, dem Wohnumfeld, den Freizeitaktivitäten und dem Umgang mit Medien abhängen (vgl. Schulte-Bunert 2013).

Sie können den Artikel weiterlesen, wenn Sie ihn hier herunterladen. Wir haben den Beitrag aus dem Grundschulmagazin des Oldenbourg Verlages übernommen.

Foto: WavebreakMediaMicro/Fotolia
 

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