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Kita
19.09.2017  Stiftung "Achtung! Kinderseele"

Seelisch gesund erwachsen werden - Das Kita-Patenprogramm

Ehrenamtlich tätige Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie haben Patenschaften für Kindergärten und Kindertagesstätten in ganz Deutschland übernommen. Sie begleiten Eltern und Erzieher als Fachpaten bei der seelisch gesunden Entwicklung ihrer Kinder. Eine Kita-Leiterin berichtet im Interview über die Bedeutung des Präventionsprogramms für ihre Kita.
Die Kita im SKM-Familienzentrum Köln-Bickendorf nimmt seit Sommer 2016 am Kita-Patenprogramm der Stiftung „Achtung!Kinderseele“ teil und wird seitdem monatlich von einem erfahrenen Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie beraten.
 
Frau Bücheler, Ihr Kita-Pate berät Ihr ErzieherInnen-Team und die Eltern bei Fragen zur seelischen Gesundheit. Diese Termine sind zusätzlicher Aufwand, warum ist Ihnen das Kita-Patenprogramm wichtig?
Als „Brennpunkt“ Kita haben wir in unserem  Alltag oftmals mit Verhaltensauffälligkeiten zu tun und kommen als Erzieher auch an unsere persönlichen Grenzen. Hierbei hilft uns unser Kita-Pate mit fachlicher Beratung und einem offenen Ohr für unsere Fragen. Der zusätzliche Aufwand ist keine verlorene Zeit für uns, sondern ein Gewinn.
 
Welche Problematiken beschäftigen die ErzieherInnen?
Viele unserer Kinder wachsen unter belastenden Bedingungen auf (z.B. leiden einige Familien unter Arbeitslosigkeit oder kämpfen mit Integrationshürden). Es sind ganz unter-schiedliche Themen, die wir mit unserem Paten besprechen: Aggressionen, Distanzlosigkeit oder introvertierte Kinder. Manchmal steht die Frage im Raum: Ab wann dürfen und wann müssen wir als Erzieher eingreifen und das Kind schützen? 
 
Wie sind die Reaktionen der Eltern auf das Kita-Patenprogramm?
Durch das persönliche Kennenlernen zwischen Eltern und Paten konnten Vorurteile und Ängste gegenüber Psychiatern aufgelöst werden. Unser Pate, Herr Dr. Even, schafft mit seiner Art, wie er Zusammenhänge erklärt, ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern. Er geht auf ihre Bedarfe ein. Z.B. hat er mit ihnen über das Thema „unruhige Nächte“ gesprochen. Die Eltern sind angetan und wollen an weiteren Gesprächen teilnehmen.
 
Ziel des Patenprogramms ist es, Stigmatisierung abzubauen und die Tabuisierung von seelischen Erkrankungen zu reduzieren. Haben Sie das Gefühl, dass das Projekt dies schafft? 
Zu 100 Prozent - das Projekt ist bei uns ein voller Erfolg! Der gemeinschaftliche Austausch zwischen den ErzieherInnen und dem Paten ist bereichernd und hilft im Umgang mit den Kindern und Eltern. Für die Eltern war es sehr wichtig, unseren Paten kennenzulernen. Wir hatten ihnen vorher von Dr. Even berichtet und wie er unser Team unterstützt. Es ist wichtig, die Eltern in das Projekt einzubinden.
 
Was wünschen Sie sich in Bezug auf das Patenprogramm?
Eigentlich kann ich mir nur wünschen, dass diese Patenschaft weiter ausgebaut wird, damit viele davon profitieren. Ich wünsche jeder Kita eine solche Patenschaft. Es ist so hilfreich eine fachkompetente Ansprechperson zu haben, der man vertrauen kann. Nicht jede Patenschaft muss so intensiv sein – aber manchmal ist es hilfreich, ein Feedback von außen zu bekommen.      
 

Das 1 x 1 der Kita-Patenschaft

  •   Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -Psychotherapie übernehmen eine Kita-   Patenschaft
  •  Die Ärztinnen und Ärzte arbeiten ehrenamtlich
  • · Sie klären auf, an mindestens zwei Terminen im Jahr
  • · Zielgruppe sind Eltern und ErzieherInnen
  • · Thema ist die gesunde seelische Entwicklung von Kindern
  • · Immer dabei: der rote Patenkoffer
  • · Das Kita-Patenprogramm gibt es bundesweit
Weitere Informationen: Stiftung Achtung! Kinderseele

Foto: Shutterstock
 

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