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Beobachtung, Dokumentation
01.10.2017  Redaktion von klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN

Das bin ich! Beobachtung und Dokumentation in der Kita

ErzieherInnen sind Wegbegleiter: sie dürfen ein Kind auf einem Stück ihres Lebensweges unterstützen und begleiten. Hierbei besteht die Aufgabe, es in seiner Entwicklung positiv zu fördern, ihm Möglichkeiten aufzeigen und diesen Weg zu dokumentieren. Voraussetzung hierfür sind eine gezielte Beobachtung und kreative Dokumentationsmöglichkeiten. Die Redaktion von klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN hat freundlich genehmigt, dass ihr Artikel aus Ausgabe 10/17 auf diesem Portal veröffentlicht werden darf.

Schau‘ mal, hier siehst du Fotos von unserem Ausflug zum Planetarium. Danach haben wir selbst Planetenmodelle gebastelt. Das war echt nicht einfach. Auf diesem Foto haben Simon und ich überlegt, wie wir die einzelnen Planeten miteinander verbinden können und hier siehst du, wie wir es geschafft haben, juhu!“ Der fünfjährige Louis ist sichtbar stolz, als er seiner Oma die Dokumentation zeigt.
Nachvollziehen zu können, wie etwas geschafft wurde, wie Hindernisse überwunden und wie einzelne Projektschritte entstehen, ist für die Kinder der Kita mittlerweile selbstverständlich. Die Erzieherinnen haben dafür einige Teamfortbildungstage mit dem Schwerpunkt Beobachtung & Dokumentation hinter sich und weitere folgen. Schließlich ist dies die Grundlage pädagogischen Arbeitens.




Wer die Wahl hat…
Beobachtungsverfahren gibt es mittlerweile viele. So viele, dass Teams sich überlegen sollten:
 

  • Mit welchem Beobachtungsverfahren können wir die Entwicklung des Kindes effektiv erkennen?
  • Gibt es für uns ein verpflichtendes Beobachtungsverfahren?
Letztere Frage ist abhängig von Trägern und Bundesland. So werden in manchen Bundesländern und bei manchen Trägern Beobachtungsbögen verpflichtend vorgeschrieben, während in anderen Bundesländern die Kitas selbst die Beobachtungsbögen auswählen.
Beobachtungsbögen bieten eine fundierte Grundlage für die weitere Entwicklungsunterstützung, Elterngespräche und die pädagogische Planung. Mit der Beobachtung eines Kindes steigt das Verständnis, denn jede Beobachtung ist wie ein Puzzleteil, mit dem wir das Bild des Kindes weiterentwickeln und wir es besser kennenlernen.



Beobachtungsverfahren kompakt
Mit der Zeit werden immer wieder neue Beobachtungsverfahren entwickelt und bewährte Beobachtungsbögen aktualisiert. Daher haben wir eine Auswahl an Beobachtungsbögen kompakt für Sie zusammengestellt. Hier können Sie diesen Überblick downloaden: www.kleinundgross.de/kug20171006
Wir maßen uns nicht an, dass dieser Überblick vollständig ist, daher können Sie gerne Infos zu weiteren Beobachtungsbögen an uns mailen, die wir dann in diese Auswahl mit aufnehmen. Wie die Beobachtung selbst ist auch das Entwickeln von Beobachtungsbögen ein dynamischer Prozess.
Zudem lohnt es sich, unterschiedliche Beobachtungsverfahren kennenzulernen und gemeinsam mit Kolleginnen zu überlegen, welcher Bogen für Sie der geeignete ist.
Reflexionsfragen, die Sie sich bei dieser Auswahl stellen können:
  • Welcher Beobachtungsbogen ermöglicht einen ganzheitlichen Blick auf das Kind?
  • Anhand welches Beobachtungsverfahrens können wir gemeinsam mit Eltern kompetenzorientiert arbeiten und Unterstützungsmöglichbedarfe aufzeigen?
  • Welcher Beobachtungsbogen ist für alle im Team verständlich und praxisnah umsetzbar?
  • Benötigen wir eine Teamfortbildung zu dem Beobachtungsverfahren, so dass alle Fachkräfte den Bogen kompetent einsetzen können?
  • Ein Beobachtungsverfahren ist die Grundlage für die weitere pädagogische Planung der Fachkräfte. Welcher Beobachtungsbogen lässt uns die „richtigen“ Schlüsse ziehen, so dass wir das Kind bestmöglich (seine Interessen, Fähigkeiten und Handlungsbedarfe) erkennen?
Sichtbar-Machen
Dokumentation hat als Ziel sowohl die Entwicklung des Kindes wie auch seine Aktivitäten im Kita-Alltag transparent zu machen. Sprechende Wände, digitale Bilderrahmen und auch das Portfolio bieten die Möglichkeit, sowohl Pädagogen, Eltern und Kindern Einblick in Entwicklungsschritte, Bildungsprozesse und alltägliche Aktionen zu geben.
Eltern möchten erfahren:
  • „Was hat mein Kind heute erlebt / gespielt / gegessen?“
  • „Wie entwickelt sich mein Kind?“
Kinder interessiert:
  • „Wie habe ich das gelernt?“
  • „Was kann ich schon alles?“
Erzieherinnen überlegen:
  • „Welche Interessen hat das Kind?“
  • „Wie entwickelt es sich und wie kann ich es hierbei unterstützen?“
Dokumentation soll einen Überblick geben und deshalb sollten Bildungsprozesse übersichtlich und verständlich gestaltet werden.



Reflexionsfragen zur Dokumentation
Bildungsprozesse definieren: Überlegen Sie gemeinsam im Team was Sie unter einem Bildungs- bzw. einem Selbstbildungsprozess verstehen und wie Sie diesen für Kinder sinnvoll dokumentieren.
Transparenz der Grundstrukturen als Basis für Kinder, Eltern und Erzieherinnen, um Sicherheit im Alltag zu bekommen und dann mitentscheiden und mitbestimmen können:
Wie übersichtlich ist unser Tagesablauf dokumentiert?
Checklisten an den Wänden, auf denen täglich Abläufe und Bildungsprozesse bildhaft dokumentiert werden:
Was ist Kindern wichtig über sich selbst zu sehen? Über welche Aktivitäten möchten Eltern Bescheid wissen? Was werden wir immer wieder gefragt?
Wo erfahren Eltern etwas über diese Aktivität ihrer Kinder?
Kreativität im Dokumentationsprozess: Variieren Sie in der Darstellung von Bildungsprozessen. Da gibt es z. B.:
  • einmal im Monat etwas zu Hören: Kinder erzählen, was sie in der Turnstunde erlebt haben oder was das spannende bei dem Experiment war.
  • eine Fotowand, an der Fotos auf unterschiedlichen Höhen angebracht sind. Kinder müssen um diese anzusehen, auf die danebenstehende 3-Stufen-Leiter steigen oder Erwachsene müssen sich ganz klein machen, um die Fotos anzusehen.
  • einen kleinen Film anzusehen, in dem die Kinder einen Ausflug nachspielen und dokumentieren, was sie beim „echten“ Ausflug alles erlebt haben.
  • einen Fototag, an dem ein Kind jeweils ein anderes in unterschiedlichen Situationen fotografiert und Beobachtungen aufmalt.
  • eine Straße aus Stühlen, bei der auf jedem Stuhl eine Projektphase sichtbar wird und die Kinder erkennen, wie und was sie gelernt, Herausforderungen überwunden und wie sie zum Ziel kamen.

Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist dabei nur, dass der Bildungsprozess im Mittelpunkt steht und nicht die Dekoration bzw. die Originalität der Präsentation.

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Sie können eine Auswahl an Beobachtungsverfahren hier downloaden. 

Quelle: klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN 10/17, Seite 7-9

Foto: Fotolia ferkelraggae

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