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Mint-Fächer
01.10.2017  Silke Ottow

Schwarz-gelb gestreift ‒ Ein Kuckuck im Bienennest

Heute gibt es die Auflösung vom Insektenrätsel, das wir letzte Woche veröffentlicht haben: Schwarz-gelb gestreift ‒ Was kann das sein?. Lina hüpft schon seit gefühlt mindestens zwei Wochen von einem Bein auf das andere und fragt: „Können wir nicht …?“, „Wann machen wir …?“, „Wann ist endlich …?“. Die gute Nachricht: Jetzt ist endlich. Tatatataaa … Das schwarz-gelb gestreifte Insekt ist eine Wespenbiene.

Eine Wespenbiene trinkt Nektar an weißem Steinklee.

Wie die Wespenbiene zu ihrem Namen kam
Vielleicht kannst du dir denken, wie die Wespenbiene zu ihrem Namen kam. Es liegt an der Ähnlichkeit mit den Wespen. Wespenbienen haben fast keine Haare, haben eine Wespentaille und sind schwarz-rot, schwarz-gelb oder schwarz-rot-gelb gezeichnet. Es sind aber keine Wespen, es sind Bienen.
Unsere Wespenbiene hat schwarz-gelbe Streifen. Allerdings ist auch etwas rot dabei. Schau hier:


Unsere Wespenbiene ist von unten rötlich.

Unsere Wespenbiene hat eine rote Unterseite und die rote Farbe läuft auch noch ein bisschen in die schwarz-gelben Streifen hinein. Dabei ist der erste Ring an ihrem Hinterleib komplett schwarz-rot. Und siehst du die beiden roten Höckerchen zwischen ihren Flügeln?
Wespenbienen sind Wildbienen und leben alleine. Das heißt, sie bilden keinen Bienenstaat und machen daher auch keinen Honig. Fast alle Wildbienen leben einzeln. Deshalb nennt man Wildbienen auch häufig Solitärbienen.
Wespenbienen kommen fast überall auf der Welt häufig vor. Nur in Australien gibt es sie selten. In unseren Breiten sind etwa sechzig verschiedene Arten der Wespenbiene bekannt.
Es könnte sein, dass unsere Biene eine Wespenbiene ist, für die es keinen deutschen Namen gibt, nämlich eine Nomada zonata. Ob das stimmt, wissen wir allerdings nicht genau. Es ist sehr schwierig, die verschiedenen Wespenbienen-Arten auseinanderzuhalten. Vor allem auf Fotos und erst recht für einen Laien. Trotzdem gibt es einige Merkmale, die passen würden: Die Nomada zonata ist sechs bis neun Millimeter klein, hat zwei deutliche rote, manchmal auch gelbe, Höcker auf dem Rücken, der erste Ring an ihrem Hinterleib hat keinen gelben Fleck und wir haben sie Ende Juli gesehen.


Eine Nomada zonata hat zwei rote Höckerchen auf dem Rücken, zwischen ihren Flügeln. Unsere Nomada hat das auch.


Was Teddy weiß ‒ Ein Kuckuck im Bienennest

Alle Wespenbienen sind Kuckucksbienen. Das heißt, sie legen ihre Eier in die gemachten Nester anderer Bienenarten. Die Larve der Wespenbiene frisst dann entweder das Ei ihres Wirts ‒ also der anderen Bienenart ‒ oder tötet die Larve ab. Anschließend vertilgt sie die Vorräte, die eigentlich gar nicht für sie gedacht waren.
Fast alle Wespenbienen-Arten sind auf eine, manche auch auf zwei bestimmte Bienenarten spezialisiert. Nur dieser Bienenart legen sie ihre Eier ins Nest. Die Nomada zonata zum Beispiel legt ihre Eier in die Nester der Rotbeinigen Körbchen-Sandbiene und wahrscheinlich auch in die der Andrena congruens. Das ist auch eine Sandbiene. Man erkennt es am Gattungsnamen Andrena. Auch für die Andrena congruens gibt es keinen deutschen Namen. Der lateinische Gattungsname für Wespenbienen ist übrigens Nomada. Aber das hast du dir ja vielleicht auch schon gedacht.


Hier steckt die Nomada ihren Rüssel in eine Blüte des Weißen Steinklees.


Eine leckere, süße Portion Nektar an Weißem Steinklee.

Wir haben uns gefreut, als wir gelesen haben, dass die Nomada zonata nicht gefährdet ist. Denn das heißt, dass die beiden Sandbienen, bei denen sie schmarotzt, auch nicht gefährdet sind. Denn sonst würde die Nomada zonata ja keine gemachten Nester für ihre Eier finden.
Denn das ist das Los, das Kuckucksbienen haben. Wir nennen sie auch „Schmarotzer“ oder „Parasiten“ ‒ und nicht nur Wespenbienen sind Schmarotzer. Sie sind auf Gedeih und Verderb von ihrem Wirt, also der Bienenart, von der sie leben, abhängig. Verschwindet der Wirt, stirbt auch der Kuckuck aus.


Schau, die Nomada mag auch den Nektar von Graukresse.

Wusstest du, dass in unseren Breiten etwa sechshundert Wildbienen leben? Davon ist über die Hälfte gefährdet. Manche sind sogar stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Und das Gute ist, wir können etwas tun: Nektarpflanzen auf Balkone und in Gärten, etwas Unordnung zulassen und Nisthilfen zur Verfügung stellen. Das geht auch auf dem Balkon. Wildbienen sind absolut friedlich, auch in Nestnähe. Sie müssen ja keinen Staat verteidigen.
Hier findet ihr ein sehr schönes Beispiel dafür: Werner Davids Naturgarten(Balkon).
Und das sind Feldwespen
Viele von euch haben bei unserem Wespenbienen-Rätsel auf eine Feldwespe getippt. Eine Feldwespe haben wir auch getroffen. Hier findet ihr sie: Eine Feldwespe bei der Körperpflege.

Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

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