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Ästhetische Bildung
07.10.2017  

Unterrichtsausfall hemmt Kinder von Alleinerziehenden am stärksten

Rat für Kulturelle Bildung fordert umfassende Bildungsreformen zur Stärkung der künstlerischen Fächer. Das Kooperationsverbot muss erheblich gelockert werden.
Wer Musik- und Kunstunterricht ausfallen lässt, benachteiligt in besonderem Maße Kinder von Alleinerziehenden. Denn anders als gemeinsam erziehende Eltern können sie diesen Mangel kaum ausgleichen. „Aktuelle Zahlen der Wochenzeitung Die Zeit bestätigen, was der Rat für Kulturelle Bildung bereits 2015 durch eine Allensbach-Umfrage aus Schülersicht ermitteln konnte: Bei der Hälfte der Schülerinnen und Schüler findet der Musik- und Kunstunterricht nicht regelmäßig statt“, sagt Prof. Dr. Eckart Liebau, Vorsitzender des unabhängigen Beratungsgremiums. „Hinzu kommt der fachfremd erteilte Unterricht, dem es oft an der nötigen Qualität mangelt. Kinder von Alleinerziehenden trifft dieser Unterrichtsmangel am härtesten, das zeigt auch unsere neue Allensbach-Studie über Kulturelle Bildung in Familien, die unmittelbar vor der Veröffentlichung steht. 73 Prozent der Alleinerziehenden müssen anderswo sparen, um ihren Kindern Kulturangebote finanzieren zu können. Von den gemeinsam Erziehenden sagen das nur 32 Prozent.“

„Der Skandal des verbreiteten Unterrichtsausfalls muss beendet werden“, so Liebau weiter. „Denn die Kinder aus ökonomisch und zumeist auch soziokulturell schwächeren Familien – nicht nur der Alleinerziehenden – sind durch Unterrichtsausfall quasi doppelt betroffen. Ihre Eltern können den Mangel weniger wahrscheinlich ausgleichen. Außerdem geht manche staatliche Unterstützung an diesen Kindern deutlich vorbei, etwa das Bildungs- und Teilhabepaket, in dem jährlich dreistellige Millionenbeträge für soziokulturelle Teilhabe brachliegen. Der neue Bundestag muss deshalb substanziell daran mitwirken, die Finanzausstattung der Länder für den Unterricht auch in den künstlerischen Fächern und Bereichen auf viel stabilere Füße zu stellen. Das Kooperationsverbot muss dafür erheblich gelockert werden.“

Die repräsentative Studie „Eltern/Kinder/Kulturelle Bildung. Horizont 2017“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Rates für Kulturelle Bildung im Mai und Juni bundesweit in 664 Haushalten durchgeführt hat, erscheint Mitte Oktober unter www.rat-kulturelle-bildung.de. Ebenda steht die frühere Studie „Jugend/Kunst/Erfahrung. Horizont 2015“ zum Download bereit.

Quelle: Rat für Kulturelle Bildung
Foto: fotolia/aedcafl

 



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