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Digitale Bildung
08.10.2017  Hilde von Balluseck

Digitale Medien in der Kita

Es gibt inzwischen diverse Fachleute, die gegen die Verwendung digitaler Medien im frühen Kindesalter zu Felde ziehen. Dagegen steht der Hype für die Digitalisierung und die Lebensrealität von Familien und ihren Kindern. Wie können sich frühpädagogische Fachkräfte ein Urteil bilden? Wir brauchen dringend wissenschaftlich begründete Expertisen zu diesem Thema, damit Fachkräfte sich orientieren können. In der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift Frühe Bildung nehmen sich zwei Artikel dieses Themas an – leider nicht sehr ausführlich.
Klaus Fröhlich-Gildhoff und Michel Fröhlich-Gildhoff betonen, dass die Risiken digitaler Medien in der Kita unterschätzt werden. Zwar gebe es keine Langzeituntersuchung zu ihrer Wirkung auf die kindliche Entwicklung, es ließen sich aber Vermutungen aufgrund einiger Studien anstellen.

Kritisiert wird die euphorische Beurteilung der Wirkung des Touchscreens . Dagegen argumentieren die Autoren:
Es „sollte zumindest bedacht werden, dass ‚Wischen‘ keinerlei objektispezifische Repräsentationen auf senso-motorischen Zwischenschichten im Gehirn hinterlässt und somit nur eingeschränkte Leistungen dieser Hirnareale ermöglicht.“  Sie zitieren ferner eine Studie, die eine Korrelation von „Bildschirmnutzung im frühen Kindergartenalter mit Aufmerksamkeitsstörungen“ erbrachte.

Auch der angebliche Anregungscharakter digitaler Medien wird kritisch unter die Lupe genommen. Hier zeigen Studien, dass Lernen mit E-Books eher zum Klicken als zum Lesen anregen und keine Nachhaltigkeit bewiesen werden konnte.

Am stärksten erscheint das auf weitere Studien gegründete Gegenargument, „dass fachlich nicht begleitete Computernutzung die bereits vorhandenen Bildungsunterschiede innerhalb der Gesellschaft eher verstärken kann.“

Angesichts der zitierten Studien und der erwiesenen Gefahren intensiver Nutzung digitaler Medien im Jugendalter fordern die Autoren eine kritische Sicht auf ihre Nutzung in der Kita. Dazu sollten zunächst die pädagogischen Fachkräfte eine vertiefte Medienkompetenz erwerben und die Eltern über die empfohlenen Nutzungszeiten für die Altersgruppen (z.B. keine Nutzung bis zum Alter von drei Jahren) aufgeklärt werden.

Norbert Neuß wendet sich gegen eine in den Medien lancierte Verteufelung von digitalen Medien  und weist darauf hin, dass soziale Medien aus dem Leben von Kindern nicht eliminiert werden können.  Der Artikel bleibt – neben vielen Schreibfehlern – zu kurz, um als Empfehlung für FrühpädagogInnen gelten zu können. Mit der  Aussage „Entscheidend beim Einsatz z.B. von Tablets oder anderen Medien in Kindertagesstätten ist die Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit und Autonomie der Kinder, d.h. wenn die Technik nur durch Erwachsene bedient werden kann, besteht die Gefahr der Entmündigung.“ erfährt die Leserin leider nicht, zu welchen Anlässen, mit welcher Dauer die Medien einzusetzen sind – ganz zu schweigen davon, dass FrühpädagogInnen nur selten über eine tiefgehende Medienkompetenz verfügen.

Es sei der Redaktion von Frühe Bildung zugestanden, dass der Fokus des Heftes auf Früher Literalität liegt. Dass aber ein so wichtiges Thema wie die Auseinandersetzung mit digitalen Medien so kurz abgehandelt wird, enttäuscht. Gerade nach den warnenden Ausführungen von Fröhlich-Gildhoff/Fröhlich-Gildhoff wäre eine intensivere Darstellung auch von Neuß erforderlich gewesen.

Quellen:
Klaus Fröhlich-Gildhoff und Michel Fröhlich-Gildhoff: Digitale Medien in der Kita – die Risiken werden unterschätzt! In: Frühe Bildung (6), Heft 4/2017, S. 225-228
Norbert Neuß: Tablets in Kinderhänden? Digitale Medienbildung in Kinderhänden.  In Frühe Bildung (6), Heft 4/2017, S. 228-230

Foto: Myst/Fotolia
 
 

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