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Ariadnes Blog
26.10.2017  Ariadne Morgenrot

Angst vor Rassismus-Vorwurf schützte die Vergewaltiger

Über Jahrzehnte haben in England ALLE Behörden den Missbrauch von Tausenden von Kindern und Jugendlichen geduldet. Weil die Täter aus der asiatisch-muslimischen Minderheit stammen und die Angst vor dem Vorwurf des Rassismus ihre Augen und Ohren verschloss.
Ich hatte schon einmal früher eine Meldung zu diesem Skandal gelesen, aber heute wird genau beschrieben, wie es kam, dass Kinder und Jugendliche zu Opfern wurden, und zwar dreifach: Zum Einen wurden sie von muslimischen Tätern aus Pakistan, Indien, Bangladesch, Iran, Irak und der Türkei gefügig gemacht, missbraucht, zur Prostitution gezwungen. Zweitens wurden sie von ihren Peinigern als "Trash", als Abschaum bezeichnet, Kinder, die keine Ehre hätten. Und drittens die Reaktion der Behörden. Das Beispiel der Stadt Rotherham: "Hunderte Artikel wurden geschrieben, Dutzende TV-Dokumentationen gedreht. 1400 Kinder-Opfer sollen es gewesen sein, allein in dieser Stadt. Jeder hat es gewusst. Mehr als zwei Jahrzehnte lang hatten Eltern, Sozialarbeiter, auch die jungen Opfer selbst die Türen von Polizei und Stadtverwaltung eingerannt. Es gab Beweise, sie verschwanden. Es gab Zeugenaussagen, sie wurden nicht ernst genommen. Es gab Ordner mit Namen und Daten, mit DNA-Spuren und Protokollen. Sie wurden ignoriert. Den Eltern wurde gesagt, sie sollten sich selbst um ihre frühreifen Töchter kümmern, ... das sei nicht Sache der Polizei. Den Mädchen, unter ihnen auch viele Heimkinder, wurde gesagt, sie seien Schlampfen, selbst schuld. Nichs wert."

Die Täter waren Muslime. Die Mädchen zumeist auch. Sie kamen aus den unteren Bildungsschichten und hatten von daher keine Lobby. Wäre das Gleiche britischen Kindern zugestoßen, hätten die Behörden - so meine Vermutung - reagiert. So aber waren die Täter doppelt geschützt: Polizei und andere Behörden hatten wenig Respekt vor den Mädchen aus der Unterschicht, die ja teilweise auch schon im Heim gelandet waren. Und sie hatten Angst vor der Reaktion einer nicht nur muslimischen Öffentlichkeit, die Beschuldigungen von Nicht-Engländern schnell als Rassismus abzutun bereit ist.

Und jetzt, wo die Verbrechen nicht mehr zu leugnen sind? Unlängst wurde eine Labour-Politikerin von der Partei abberufen. "Sie hatte zweimal öffentlich gesagt, Großbritannien habe 'ein Problem mit britisch-pakistanischen Männern'. Das sei rassistisch, hieß es, sie sei in ihrer Posiition unhaltbar. Seither ist sie eine persona non grata bei Labour."

Ich hoffe, dass solche ungeheuerlichen Vorgänge bei uns nicht stattfinden und auch nicht stattfinden werden. Wir sollten uns aber bewusst sein, was es für ein Kraftakt es ist, Verbrechen von Minderheiten beim Namen zu nennen, ohne die ganze Gruppe zu diskriminieren. Wir dürfen nicht den Mund halten, und unsere Behörden reagieren dann hoffentlich so, wie es unserem Rechtsstaat angemessen ist.

Alllerdings müssen wir uns auch der Veränderung des Frauen- und Kinderbildes - und wohl auch des Männerbildes - bei den uns Zugewanderten widmen. Denn es kann nicht gut gehen, wenn Männer - unterstützt von ihren Frauen - ein Menschenbild haben, das die Menschenrechte negiert.

Alle Angaben und Zitate aus dem Artikel von Cathrin Kahlweit: Geschichte ohne Ende, SZ vom 26.10., S. 3

Foto: Shutterstock
 

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