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Ariadnes Blog
09.11.2017  Ariadne Morgenrot

Ein drittes Geschlecht wird anerkannt

Für die betroffenen Kinder und ihre Eltern war es klar: Es gibt nicht nur Mädchen und Jungen, nicht nur Männer und Frauen. Aber bisher gab es für Menschen, die aufgrund ihrer Physiologie weder eindeutig weiblich noch männlich, sondern eben etwas Anderes sind, keine Anerkennung ihrer besonderen Geschlechtlichkeit.
Das gestrige Urteil des Bundesverfassungsgerichts hat dies nun geändert und Verfassungsgeschichte geschrieben. Die 0,3 bis 1 % der Bevölkerung, die aufgrund anatomischer und hormoneller Eigenheiten nicht eindeutig den bisher anerkannten zwei Geschlechtern zuzuordnen sind, bilden jetzt eine eigene Geschlechtskategorie.

Das ist ein Glück für die Betroffenen, denn bisher standen diese Kinder wie ihre Eltern häufig unter dem Zwang, durch medizinische Maßnahmen eine eindeutige Zugehörigkeit zu einem der beiden Geschlechter weiblich/männlich zu erreichen. Durch diese Operationen und hormonellen Behandlungen haben Tausende von Menschen großes Leid erlitten. Außer dem Leiden durch die Medizin mussten sie erleben, dass ihre Eigenart in der Gesellschaft nicht akzeptiert, sondern als anormal angesehen wurde. Damit ist es nun vom Gesetz her vorbei, aber es wird noch eine Weile dauern, bis sich ein neues Bewusstsein über die Geschlechtszugehörigkeit von Menschen in einer breiteren Öffentlichkeit etabliert.

Mich beschäftigen dabei sehr triviale Fragen: Wie spreche ich von einem Kind in der Kita, das intersexuell ist? Sollen die Eltern entscheiden, ob es als Mädchen (sie) oder Junge (er) angeredet wird, oder ist es ein "es"? Wann kann das Kind selbst entscheiden, welchem Geschlecht es sich zugehörig fühlt?

Wir warten auf die Antworten der ExpertInnen. Und auch zur Bezeichnung aller drei Geschlechter verwende ich in Zukunft das große I.

Kontakt: Ariadne.Morgenrot@freenet.de

Foto: Shutterstock
 

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