Anmelden
Mint-Fächer
09.12.2017  Silke Ottow

Libelle mit Klettverschluss

Wir haben vor einiger Zeit eine Libelle entdeckt. Es war im November. Wir fanden das sehr ungewöhnlich. Ist es auch ‒ jedenfalls ein bisschen. Denn nicht jedes Jahr haben wir einen so milden November wie dieses Jahr. Allerdings haben wir bei diesem Zusammentreffen zwei Dinge gelernt: Erstens, ganz so ungewöhnlich ist es dann doch nicht, Libellen im November zu treffen. Es gibt tatsächlich Libellen, die sehr spät im Jahr noch fliegen. Und zweitens, Libellen haben einen Klettverschluss! Und den finden Wissenschaftler außerordentlich interessant.
Unsere Libelle sah so aus:

Eine Große Heidelibelle sitzt auf einem Stein und sonnt sich.

Eine Große Heidelibelle
Vermutlich war unsere Libelle eine Große Heidelibelle. Ganz sicher sind wir aber nicht. Sie kann nämlich sehr leicht mit der Gemeinen Heidelibelle verwechselt werden. Jedenfalls fliegen Große Heidelibellen bis in den November. Gemeine Heidelibellen übrigens auch. Einzelne Exemplare der Großen Heidelibelle sind sogar schon im Dezember gesichtet worden!
Diese Heidelibelle ist übrigens ein Männchen. Denn nur die Männchen färben sich so wunderschön rot. Und wenn du sie von vorne betrachtest, siehst du ihre tollen Komplexaugen.


Die Große Heidelibelle hat sehr große Komplexaugen.

Die Komplexaugen der Libelle sind aus bis zu dreißigtausend Einzelaugen zusammengesetzt. Damit besitzen Libellen ein besonders gutes Sehvermögen. Das müssen sie auch. Denn sie fangen ihre Beute im Flug. Am liebsten fressen sie Fliegen.
Und wofür brauchen Libellen einen Klettverschluss?
Durch die großen Komplexaugen ist der Kopf von Libellen sehr groß und schwer. Er ist aber nur an einem kleinen Kontaktpunkt mit dem restlichen Körper verbunden.


Die Große Heidelibelle hat einen sehr großen Kopf.

Nun bilden Libellen aber bei der Paarung ein so genanntes Paarungsrad. Dabei hält das Männchen das Weibchen am Kopf fest. Wie genau das Rad aussieht, ist von Libellenart zu Libellenart verschieden. Bei der Großen Heidelibelle sieht so aus:


Die Große Heidelibelle bei der Paarung (Bild: I, Siga, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2267186).

Die Paarung kann mehrere Stunden dauern und die Libellen fliegen sogar während der Paarung. Vielleicht hast du ja auch schon einmal Libellen bei ihrem Paarungsflug beobachtet. Damit der Kopf des Weibchens bei so viel Akrobatik nicht abreißt, kann die Libelle ihn mit zwei winzig kleinen Klettverschlüssen fixieren. Praktisch, oder?
Und was ist das besondere am Libellen-Klettverschluss?
Bestimmt hast du Schuhe oder Jacken mit Klettverschluss. Und wenn du dir ein Klettband einmal genauer anschaust, siehst du, dass es aus zwei verschiedenen Teilen besteht. Aus einem Häkchenband und einem Bändchenband. Beim Verschließen greifen die Häkchen in die Bändchen. So halten die beiden Bänder zusammen. Doch wahrscheinlich hast du auch schon festgestellt, dass der Verschluss nach einiger Zeit nicht mehr so gut hält. Das liegt daran, dass sich Schmutz und Fasern in dem Häkchenband verfangen. Dann funktioniert der Mechanismus nicht mehr richtig.
Das Libellen-Klettband dagegen kann man bis zu eintausend Mal öffnen und schließen und es hält wie am ersten Tag. Wissenschaftler haben sich den Libellen-Klettverschluss einmal genauer angeschaut. Er funktioniert anders als unser Häkchen-Bändchen-Klettband. Beim Libellen-Klettverschluss gibt es keine Häkchen und Bändchen. Die beiden Seiten des Libellen-Klettverschlusses sehen gleich aus. Es sieht so aus als ob lauter kleine Pilzchen ineinander griffen. Ein solches Pilzkopf-Klettband gibt es auch schon.


Ein sehr leistungsfähiges Pilzkopf-Klettband (Bild: StromBer – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18451585).

Der Verschluss hält viel stärker, ist wesentlich belastbarer und kann tausendfach geöffnet und geschlossen werden. Und da er nicht so fiese Häkchen hat, in denen alles hängen bleibt, nutzt er so gut wie nicht ab. Wir finden das außerordentlich praktisch.
Wenn du mehr über Libellen wissen möchtest, schau doch mal im Beitrag Von Mosaikjungfern und Flussfalken nach.

Die Autorin
Dr. Silke Ottow ist Chemikerin und schreibt Bücher, in denen sie naturwissenschaftliche Phänomene kindgerecht erklärt. Weitere Informationen: www.miteinander-buecher.de

P.S.: Wenn Sie regelmäßig über die Inhalte des Portals Frühe Bildung Online  informiert werden möchten, abonnieren Sie doch unseren kostenlosen Newsletter.

 

Teilen auf
Teilen auf Facebook