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Familie
01.02.2018  Sarah Pache

Taschengeld - Warum, wieviel?

Mit Taschengeld sollen Kinder üben, auf ihr Geld zu achten. Auch Eltern können so noch etwas lernen. Eine Anleitung
Wenn man nicht die Klappe hält, kriegt man auch kein Taschengeld! Sprüche wie diesen brüllen Kinder gerne lautstark über den Spielplatz und freuen sich vor allem über den tollen Reim. Eltern dagegen könnte der Inhalt nachdenklich stimmen. Denn wer droht nicht ab und zu mit Taschengeldentzug, wenn das Kind nicht sofort aufhört, mit Stöcken zu schmeißen, nicht kommt, sich nicht anzieht oder die Spülmaschine nicht ausräumt? Dabei weiß man ja: Erpressung ist in der Erziehung wenig sinnvoll. Taschengeld sollte kein Druckmittel sein, sondern den Kindern Sinn für Geld vermitteln.

Sehr ernst nimmt das offenbar eine Mutter in den USA, die kürzlich der Welt auf Facebook ihr Taschengeldmodell erklärte: Sie gebe ihrem fünfjährigen Kind pro Woche sieben Dollar, erzählte Essence Evans aus dem US-Bundesstaat Georgia, ziehe jedoch fünf Dollar für Miete, Strom und Wasser ab. Dieses Geld verwahre sie für den Führerschein. Die Mutter will dem Kind so beibringen, dass man zwar Geld verdient, aber nicht alles behalten kann. Andere Eltern sind weniger ambitioniert, vergessen jede zweite Woche den Zahltag, zweifeln gar am Sinn. Wie aber erzieht man seine Kinder zu finanzbegabten Menschen? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Mein Kind hat eigentlich alles, was es braucht, warum also Taschengeld?

Mit Geld umzugehen, ist gar nicht so einfach. Immer mehr Jugendlichen fällt es schwer, ihre Kauflust zu kontrollieren und den Überblick über ihre Ausgaben zu behalten. 14 Prozent der 19- bis 29-Jährigen leben überschuldet, das heißt, sie geben mehr Geld aus, als sie eigentlich haben. Das zeigt der Schuldner-Atlas des Wirtschaftsauskunftsdienstes Creditreform. Online einzukaufen, geht leicht. Personalisierte Werbung lauert hinter jedem Klick. Wer bis dahin keinen Wunsch hatte, der hat ihn jetzt. Eltern, die ihre Kinder schützen wollen, sollten sie früh üben lassen. Mit dem eigenen Budget erfahren Kinder, was es bedeutet, Geld einzuteilen, zu sparen oder eben schnell auszugeben. Sie tragen Verantwortung und begreifen: Nicht jeder Wunsch ist erfüllbar. Diese Selbständigkeit nimmt man ihnen jedoch, wenn man die Zahlung als Strafe streicht oder als Belohnung für gute Noten verteilt.

Ab wann sollte man Kindern Taschengeld zahlen?

Zehn-Cent-Münzen glänzen wie Gold, also sind sie kostbar, der 50-Euro-Schein hingegen ist ja bloß Papier. Für Kindergartenkinder ist Geld noch etwas sehr Abstraktes. Trotzdem lernt ein dreijähriges Kind, dass die Semmeln beim Bäcker von den Eltern bezahlt werden. Sie beobachten den Kauf wie ein Ritual. Im Kaufmannsladen können sie dieses Verhalten nachahmen. Doch erst mit ungefähr sechs Jahren verstehen Kinder, dass es Münzen und Scheine von unterschiedlichem Wert gibt. Sie gelten damit als „reif“ für ein eigenes Taschengeld. Bis zum Ende der zweiten Klasse können die meisten Preise einschätzen und Wechselgeld berechnen. Experten empfehlen, ab etwa zehn Jahren von einer wöchentlichen auf eine monatliche Auszahlung umzusteigen. Wer mag, kann seinen Kindern ab etwa zwölf Jahren auch ein Giro- oder Sparkonto einrichten, so lernen sie das Bankgeschäft kennen. Etwa mit 14 Jahren kann über ein zusätzliches Budgetgeld nachgedacht werden. Jugendliche können damit Kleidung, Handyrechnung oder Schminke selbst bezahlen.
Mein Kind verlangt die letzten fünf Wochen rückwirkend. Geht das?
Taschengeld sollte pünktlich, regelmäßig und unaufgefordert kommen, damit Kinder planen und haushalten lernen. Wenn die Eltern das vergessen, haben die Kinder schon recht, wenn sie auf Nachzahlung bestehen.
Den Kaugummi im Supermarkt zahle am Ende doch ich. Soll ich das eintreiben?
„Unbedingt und auch zeitnah“, sagt Alexandra Langmeyer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). „Kinder sollen Verantwortung für ihre Käufe übernehmen.“ Das heißt, man kann schon mal Geld an der Kasse vorstrecken, aber nur wenn das Kind den Betrag auch in der Sparbüchse hat. Einen Kredit bis zur nächsten Woche empfiehlt die Expertin nicht. „Geld, das man nicht hat, kann man nicht ausgeben. Das sollen die Kinder lernen.“ An diesem Beispiel sollten Eltern sich auch selbst fragen: Wie gut wirtschafte ich? Schließlich lernen Kinder am meisten am Vorbild der Eltern.

Über Geld spricht man nicht?

Doch. Zeigen Sie ihrem Kind, wie Sie mit Geld umgehen, wie viel Sie verdienen und was Sie davon alles bezahlen. Ist das Geld mal knapp? Auch das dürfen Kinder wissen. Sie entwickeln Gespür für den Wert des Geldes, wenn die Familie gemeinsam überlegt, welche Anschaffungen sinnvoll sind. Diskussionen über die Höhe von Taschengeld sind bisweilen mühsam, aber sie bieten Eltern auch eine Chance, die finanzielle Lage der Familie zu besprechen.

Mein Mann zahlt einen Euro für Zimmeraufräumen. Ist das nicht Bestechung?

Es ist schön, wenn Kinder kleine Jobs in der Familie übernehmen und so erstes eigenes Einkommen erwirtschaften. Auch das schult sie im Umgang mit Geld. Zimmeraufräumen aber gehört wohl eher zum selbstverständlichen Dienst an der familiären Kommune. Kinder da mit Geld zu ködern, ist kurzfristig womöglich ein erfolgreiches Mittel. Doch was lernen sie daraus? Man muss nichts im Haushalt tun, solange kein Geld fließt? Die Grenze zwischen Hilfe und Job müssen die Eltern selbst ziehen. Typischerweise verdienten Kinder erstes Geld mit Jobs wie Babysitten, Zeitungaustragen oder indem sie der Nachbarin beim Einkaufen helfen, so Langmeyer vom DJI.

Mein Kind bekommt ständig Geld von Opa zugesteckt, wird das nicht zu viel?

Wenn die Großeltern und Paten spendabel sind, kann sich beim Kind tatsächlich ganz schön viel Geld anhäufen. Schon bei den Vier- bis Fünfjährigen summieren sich laut Kids-Verbraucheranalyse 2015 die Bargeschenke im Schnitt auf 176 Euro pro Jahr und Kind. Wie so oft, hilft reden. Sprechen Sie mit ihrem Kind, was damit sinnvoll geschehen soll. Beispielsweise kann man überlegen, ein Drittel des Geldes für einen dringenden Wunsch des Kindes zu verwenden, ein zweites Drittel für eine geplante größere Anschaffung zur Seite zu legen und den Rest anzulegen und etwa für den Führerschein zu sparen.

Was soll ich tun, wenn mein Kind von seinem Taschengeld immer nur Süßes kauft?

Nichts. Auch wenn es schwerfällt. Sinn und Zweck von Taschengeld ist es, dass Kinder ihre eigenen Entscheidungen treffen können und eben nicht immer bei den Eltern nachfragen müssen.

Sollten Handykosten vom Taschengeld abgezogen werden?

Gedacht ist das Taschengeld für die besonderen Wünsche der Kinder, also für Spielsachen, Zeitschriften, CDs oder Streamingdienste, Süßigkeiten oder Getränke. Schulsachen, Kleidung oder Lebensmittel, die notwendig für das Kind sind, gehören nicht automatisch dazu. Was aber braucht ein Kind unbedingt, und wo fangen die Wünsche an? Ist das endlose Handygespräch jugendlicher Luxus oder Standard? Und die Reparatur des kaputten Rollers? Das muss jede Familie für sich festlegen und aushandeln. In jedem Fall ist es eine tolle Möglichkeit, selbst einmal darüber nachzudenken, was man tatsächlich braucht, und wie man das den eigenen Kindern vermitteln möchte.

1 Euro oder 1,50 pro Woche sollte ein sechsjähriges Kind Taschengeld bekommen, empfiehlt das deutsche Jugendinstitut. Das Budget wächst um 50 Cent pro Lebensjahr. Ab dem Alter von zehn Jahren sollte das Geld monatlich gezahlt werden: Zunächst 15 bis 17,50 Euro und 2,50 für jedes weitere Lebensjahr. Ab 15 gibt es 30 bis 37,50 Euro plus 7,50 pro Lebensjahr. Mit 18 Jahren dann gar 60 bis 75 Euro. Die Empfehlungen leiten sich aus Richtwerten der Jugendämter ab, welche Kosten Kinder im jeweiligen Alter haben können.

© Süddeutsche Zeitung GmbH, München. Mit freundlicher Genehmigung von http://www.sz-content.de (Süddeutsche Zeitung Content).

Foto: Shutterstock
 

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