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Personal/Kollegium
05.02.2018  

Grundschullehrer reichen Klagen wegen hoher Arbeitsbelastung ein

Zwei Grundschullehrer haben mit Unterstützung der Gewerkschaft GEW Klage gegen ihre überhöhte Arbeitszeit eingereicht. „Wir gehen nun auch den juristischen Weg, weil es von politischer Seite bisher noch nicht einmal ein Signal für eine umfassende Entlastung unserer Kolleginnen und Kollegen gibt“, sagte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth am 31. Januar.
Insgesamt will die GEW zehn Fälle vor die Verwaltungsgerichte Braunschweig und Hannover bringen. Sie beginne mit Schulleitungen und Teilzeitkräften an Grundschulen, weil die Göttinger Arbeitszeitstudie 2016 bei ihnen besonders hohe Wochenarbeitszeiten festgestellt hatte, hieß es.

„Die beiden Fälle, für die wir gestern Klagen eingereicht haben, weisen mehr als 55 und sogar über 60 Stunden wöchentlich auf. Die Gesundheit der Betroffenen muss dringend geschützt werden. Das gilt in ähnlicher Weise für alle Lehrkräfte“, sagte die Landeschefin. Ab Februar werde die GEW weitere Verfahren vorbereiten. Dann gehe es um Gymnasiallehrkräfte, die nach Ansicht der Gewerkschaft ebenfalls enorme Arbeitszeitbelas-tungen aufweisen.

Zuvor hatte die Gewerkschaft eine Studie vorgestellt, nach der Lehrer in Deutschland im Schnitt länger als vergleichbare Beschäftigte im öffentlichen Dienst arbeiten. Seit 20 Jahren seien Lehrern ständig neue Aufgaben aufgesattelt worden, und die Zahl der Pflichtstunden sei teils noch erhöht worden, sagte die GEW-Bundesvorsitzende Marlis Tepe bei der Vorstellung der Studie am 29. Januar in Hannover. Die Gesundheit der Lehrer sei dadurch gefährdet, dringend nötig sei eine spürbare Entlastung. Für Lehrer an Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien hatte die GEW 20 Studien zur Arbeitszeit aus den vergangenen 60 Jahren auswerten lassen.

Nach der Untersuchung arbeiten Lehrer pro Woche eine Stunde und 40 Minuten länger als andere öffentliche Angestellte, wobei die Schulferienzeiten schon berücksichtigt wurden. Der Göttinger Sozialwissenschaftler Frank Mußmann, der die Untersuchung leitete, sieht Lehrkräfte aufgrund zu hoher Arbeitszeitvorgaben gegenüber vergleichbaren Beschäftigten im öffentlichen Dienst im Schnitt schlechter gestellt.

„Die Arbeitszeitverkürzungen der letzten Jahrzehnte kamen nur verspätet und nicht vollständig an.“ Außerdem fehlten Erholungsmöglichkeiten in den Schulpausen, die Sieben-Tage-Woche sei in der Schulzeit quasi obligatorisch und die Auflösung von Arbeitszeitgrenzen fast die Regel.

Internet:
- GEW-PM mit Link zur Studie im Volltext http://dpaq.de/DuMDA

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