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Pädagogische Ansätze
06.02.2018  Hilde von Balluseck

Sexuelle Übergriffe von Kindern im Kindergarten

Kinder sind nicht nur lieb. Schon im Kindergartenalter entwickeln sich Rangeleien um Macht und Anerkennung. Dazu gehören auch sexuelle Übergriffe.
Die Frage ist: Wann handelt es sich um ein Doktorspiel und wann um einen sexuellen Übergriff? Die Berliner Diplompädagogin Ulli Freund gibt uns eine brauchbare Definition: "Um einen Übergriff handelt es sich dort, wo ein Machtgefälle ausgenutzt wird und wo ein Kind zu Handlungen gezwungen wird....Fünfjährige zwingen Dreijährige. Eine Gruppe zwingt ein einzelnes Kind. Das betroffene Kind ist ein Außenseiterkind, das eigentlich nur endlich mitspielen will. Machtgefälle und Unfreiwilligkeit sind die beiden entscheidenden Kennzeichen von sexuellen Übergriffen unter Kindern." Das Problem ist dabei für die Fachkraft, dass sie die Unfreiwilligkeit nicht immer erkennen kann. Denn gerade Außenseiterkinder machen oft gute Miene zum bösen Spiel - nur, um zur Gruppe dazu zu gehören. Es bedarf also einer guten Beobachtungsgabe und Mut, hinzusehen und etwas wahrzunehmen, was man lieber nicht in seiner eigenen Gruppe hätte.

Den Unterschied zwischen normaler sexueller Entwicklung, zu der auch Doktorspiele gehören, und sexuellen Übergriffen müssen Fachkräfte also lernen. In Fortbildungen stellt Ulli Freund fest, dass maximal eine von 20 ErzieherInnen diesen Unterschied machen. Wenn es denn zu einem Übergriff gekommen ist, sollte die Fachkraft ihre Aufmerksamkeit nicht nur dem übergriffigen Kind widmen, sondern auch demjenigen, das sich als Opfer fühlen muss. Es braucht Trost.

Die Eltern beider Kinder müssen umgehend informiert werden, es muss Gespräche geben, am besten einen Elternabend über sexuellen Missbrauch.

Der falsche Weg wäre, ein Kind von der Kita abzumelden. Ulli Freund: "Das Kind, das übergriffig war, hat nichts gelernt und ist abgestempelt. Das von dem Übergriff betroffene Kind fühlt sich schuldig und hat gelernt, dass schlimme Dinge passieren, wenn es ein Geheimnis weitererzählt."

Der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Wilhelm Rörig,  hat eine Studie durchführen lassen, die sexuelle Übergriffe von Kindern und vom Personal zum Thema hatte. 80 % der 1100 einbezogenen Kitas hatten sich schon mit dem Thema befasst und eine Risikoanalyse durchgeführt. Diese bestand z.B. in der Begutachtung von Räumlichkeiten, aber auch der Beobachtung von Abhängigkeitsverhältnissen unter Kindern. Es geschieht also etwas - aber es reicht noch nicht.

Alle Angaben und Zitate aus dem Artikel von Christina Hucklenbroich in der tageszeitung von heute.

Foto: Shutterstock

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