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Übergänge/Kooperation im Sozialraum
28.09.2015  Astrid Krus

Gemeinsam eine Brücke bauen

Der Übergang von der Kindertagesstätte in die Schule stellt Kinder, Eltern und Fachkräfte vor große Herausforderungen. Einfacher wird es, wenn alle Beteiligten offen füreinander sind und zusammenarbeiten.
Wenn ein Kindergartenkind zum Schulkind wird, verliert es nicht nur auf einen Schlag einen Teil seines vertrauten räumlichen und sozialen Umfeldes, es steht auch vor einer Flut von neuen Lernanforderungen – natürlich kognitiv, aber auch sozial, motorisch und emotional: Von ihm wird verlangt, die vorgegebenen Lerninhalte zu verinnerlichen, sich in das neue System und die Klasse einzufinden, lange zu sitzen und konzentriert zu sein sowie ein ungewohnt hohes Maß an Selbstständigkeit und Selbststeuerung zu entfalten. Eine ganze Palette an neuen Kompetenzen, deren Erwerb subjektiv entweder als belastend oder aber als Lernchance empfunden werden kann. Fest steht: Die Art der Bewältigung prägt den weiteren Lebensweg, auch weil der Erfolg der Bildungsbiografie nachweislich davon abhängt.

Wichtige Organisationsleistung der Kita

Was also kann die Erzieherin beziehungsweise die Kita-Leitung zum Gelingen dieser sensiblen Übergangsphase beitragen? Während die Vorbereitung und Förderung der Kinder in der Kita gut etabliert ist, besteht bei der Einbindung der Eltern noch Handlungsbedarf. Auch Kooperationen zwischen pädagogischen Fachkräften im Elementarbereich und Lehrkräften im Primärbereich gibt es noch zu selten. Nicht erst seit heute wissen wir, dass schulischer Erfolg in unmittelbarem Zusammenhang mit familiären Bildungsressourcen, sozioökonomischen Faktoren und dem Erziehungsstil der Eltern steht. Familien mit sozioökonomisch niedrigerem Status haben schlechtere Zugangsbedingungen zu den Bildungsinstitutionen. Doch viele Angebote der Kitas und Schulen wenden sich vor allem an Familien mit Bildungsorientierung, etwa Elternabende zu Erziehungsthemen oder die Ausstellung von Projektarbeiten. Wie aber geht es Frau Müller, für die Schule und Lehrer nur mit Misserfolgen und negativen Bildern besetzt sind oder für Frau Yilmaz, die die deutsche Sprache nicht sicher beherrscht und sich vor den vielen neuen Formularen sowie vor Informationen und Gesprächen in der Fremdsprache fürchtet. Oder Frau Al Sayed, die gerade ihr Heimatland verlassen musste? Biographisch verankerte Emotionen, mangelnde Informationen, fehlende eigene Bildungsressourcen oder unzureichende Deutschkenntnisse können die elterliche Begleitung erschweren. Was umso dramatischer ist, weil diese Eltern durchaus hohe Bildungsambitionen für ihre Kinder haben können und sie in ihrer schulischen Karriere unterstützen wollen.

Enorme Effekte durch Einbeziehen der Eltern

Die gute Nachricht: Die aktive Beteiligung der Eltern am Übergangsprozess kann die Folgen einer geringen Bildungsorientierung oder von schmalen Bildungsressourcen minimieren. Als wirkungsvoll im Kita- und Schulalltag hat sich die Einbindung schulerfahrener oder gleichsprachiger Eltern erwiesen. Sie teilen ihr Erfahrungswissen, ermöglichen niedrigschwellig den Zugang zu Informationen und sorgen für Austausch. Darüber hinaus eignen sich zusätzliche Kontakte mit dem pädagogischen Personal, um die Hemmschwellen abzubauen. Beispielsweise indem Erzieher oder Lehrer durch eine „elternfreundliche“ Tätigkeit in den Einrichtungen (zum Beispiel in Elterncafés) besser ansprechbar werden. Natürlich wirkt sich auch die Möglichkeit der Eltern, an Entscheidungen der Bildungseinrichtung mitzuwirken, positiv auf ihre Offenheit aus.

Missverständnisse zwischen Kita- und Schul-Pädagogen beseitigen

Eine tragfähige Brücke zwischen den Institutionen kann nur dann existieren, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen und sie ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen. Neuere Untersuchungen belegen allerdings, dass es immer noch deutliche Unterschiede im Bildungsverständnis von frühpädagogischen Fachkräften und Lehrkräften gibt und die gegenseitigen Erwartungen, was schulvorbereitende Maßnahmen sind oder sein sollten, nicht übereinstimmen – zu Lasten der Kinder.

Gemeinsam antreten und Forderungen stellen

Die Gründe dafür liegen unter anderem in einer bislang unzureichenden Berücksichtigung der Übergangsthematik in der Ausbildung der Kita- Fachkräfte wie auch der Lehrkräfte. Umso dringlicher ist ein kontinuierlicher fachlicher Austausch sowie das Kennenlernen unterschiedlicher institutioneller Bedingungen durch wechselseitige Hospitationen oder Praktika – was aber durch geringe zeitliche Ressourcen oft erschwert wird. Umso lauter muss die Forderung nach einer Klärung von Aufgaben und Zuständigkeiten ausfallen.


Quelle: Meine Kita

 

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