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Beobachtung, Dokumentation
05.12.2015  Kerstin Pack, Hilde von Balluseck

Beobachtungsverfahren und diagnostische Dokumentation

Im Bildungsbereich werden seit einigen Jahren verstärkt Verfahren zur Beobachtung von Kindern eingesetzt. Ziel dieser Erhebungen ist es, Entwicklungsverzögerungen rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Interventionen einzuleiten. Hintergrund ist u.a. eine Verschiebung des Krankheitsgeschehens in den Industrieländern von akuten zu chronischen Erkrankungen und von somatischen zu psychischen Störungen.

Ergebnisse von Einschulungsuntersuchungen in verschiedenen Bundesländern und die des bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KIGGS) bestätigen diesen Trend einer „neuen Morbidität“ (Ravens, S., u.a. 2007).

In Anbetracht der Zunahme von Störungen bzw. Auffälligkeiten im sozial-emotionalen Bereich besteht akuter Handlungsbedarf. In der Bella-Studie (www.bella-Studie.org) werden bei rund 22% der bundesdeutschen Kinder und Jugendlichen diese Störungen festgestellt. Nur ein frühes Erkennen von belastenden Rahmenbedingungen, physischen  und/oder psychischen Beeinträchtigungen ermöglicht eine rechtzeitige Intervention und beugt in den allermeisten Fällen einer Verschlechterung der Gesundheit in allen Entwicklungsbereichen vor.

Ungenauigkeit der Verfahren

Die Methoden zur Erfassung klar definierter Entwicklungsbereiche von Kindern von 0-6 Jahren weichen teilweise stark voneinander ab. Inwieweit diese unterschiedlichen Verfahren zur Früherkennung von Entwicklungsverzögerung langfristig Störungen verhindern, ist bislang noch nicht ausreichend untersucht worden. Der Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung in Nordrhein Westfalen - Udo Beckmann – beurteilte die aktualisierte  Version der Sprachstandsfeststellung  „Delfin 5“ kritisch:  "Ausgaben für frühkindliche Bildung bzw. Förderung sind grundsätzlich eine Investition in die Zukunft. Doch nur, wenn diese gezielt an richtiger Stelle eingesetzt und nicht im Rahmen von unausgereiften Verfahren bzw. punktuellen Sprachtests verschwendet werden" (Beckmann 10.01.2012). Die ungenaue Abbildung des gesamten Komplexes des untersuchten Gegenstandes „Sprache“ wurde von vielen Experten kritisiert. Das Resultat sei „…eine zufällige Bestandsaufnahme der momentanen Realisierung von Sprache…“ (Nottebaum, 2012, S.4). Aufgrund der immer lauter werdenden Kritik, entledigte sich ein Bundesland nach dem anderen dieses Verfahrens.

Ein Beispiel zu einem weiteren Gegenstand der Beobachtung, aus einem fiktiven Beobachtungsverfahren, wie es in einer Vielzahl von Einrichtungen täglich eingesetzt wird. Das zu beobachtende Merkmal „Das Kind kann Gefühle zeigen“ soll nach den Parametern "oft", "manchmal", "selten" oder "nie" eingeordnet werden. ErzieherInnen werden so aufgefordert, sich zu Merkmalen des Kindes wertend festzulegen.

Nun mag man argumentieren, dass mit einem gewissen Maß an Allgemeinbildung davon auszugehen ist, dass das Merkmal „Gefühle zeigen“ recht eindeutig ist. Die entwicklungstheoretischen Erkenntnisse belegen jedoch eine Vielzahl von Formen des individuellen, emotionalen Expressionsverhaltens. Kinder entwickeln sich in den verschiedenen Entwicklungsbereichen (Sprache, Bewegung, sozial-emotional) in unterschiedlicher Art und Weise. Ein Kind lacht oft, das andere nicht. Kann dieses Kind darum weniger Gefühle zeigen als das andere? Müssen alle Kinder einen gewissen Standard im „Gefühle zeigen“ erfüllen? Gibt es einen Normbereich für Wutanfälle? Was ist "oft" und was ist "manchmal"?

Wenn selbst Mediziner von problematischen Entscheidungen hinsichtlich individueller Entwicklungsverzögerungen im Normbereich berichten, kann man die Schwierigkeiten von pädagogischen Fachkräften bei einer derartigen Einschätzung leicht nachvollziehen (vgl. Brockmann www.kindergesundheit.de 2013).

Hinzu kommt, dass Fachkräfte unterschiedliche Vorstellungen von "normaler", "gesunder" Entwicklung haben und daher beim gleichen Kind zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen können.

Die Kompetenzen der Fachkräfte                   

Beim Entwurf und der Auswahl diagnostischer Methoden werden die Kompetenzen und Interessen von ErzieherInnen manchmal missachtet. Ein unter der Schirmherrschaft von Frau von der Leyen gestartetes Projekt der BKK baut auf die Zusammenarbeit mit den Kinderärzten. Hier werden Erzieherinnen damit beauftragt, zusätzliche Vorsorgebögen auszufüllen, die dann an den behandelnden Kinderarzt weitergegeben werden. Einerseits sollen ErzieherInnen ihre Wahrnehmung zur kindlichen Entwicklung festhalten, andererseits traut man ihnen darüber hinaus keine weiteren Interventionen zu. Pädagogische Fachkräfte werden als InterviewerInnen eingesetzt und haben selber keine Möglichkeit zur Verwertung der mühsam gesammelten Daten und Fakten. Neben dem erheblichen Zeitaufwand wirkt sich bei diesem Projekt der Aspekt der fehlenden Wertschätzung der Kompetenzen von Fachkräften negativ auf die Durchführung der Beobachtungen aus. Mit einem solchen Vorgehen wird das Selbstbewusstsein der ErzieherInnen geschwächt, was wiederum Auswirkungen auf ihren Umgang mit Dokumentationsaufgaben hat.

Die  teilweise ablehnende Haltung gegenüber Beobachtungs- und Feststellungsverfahren (vgl. Nentwig-Gesemann 2014) resultiert auch  aus einer Unsicherheit im Bezug auf die eigene Wahrnehmung. Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Beobachtungsweise und Ängste im Bezug auf die korrekte Bewertung dieser persönlichen Eindrücke tragen in einem hohen Maße dazu bei, diesen Bereich der pädagogischen Arbeit negativ zu bewerten.

Auch von daher äußern ErzieherInnen erhebliche Kritik am Sinn und Zweck von  Beobachtungsverfahren. Dagegen sprechen ihrer Meinung nach:

  • der hohe Zeitaufwand,
  • die unbefriedigende Nachhaltigkeit,
  • die rechtlich eingeschränkte Verwendung der Ergebnisse
  • und die Probleme bei der Bearbeitung der standardisierten Frage- bzw. Beobachtungsbögen.

Handlungsmöglichkeiten von frühpädagogischen Fachkräften

Ganz ohne Zweifel: Eine umfassende Früherkennung ist richtig und wichtig. Wichtig ist aber auch die Klärung der Frage der Legitimation. Aufgrund ihrer Gesamteinschätzung des Entwicklungsniveaus eines Kindes müssen die ErzieherInnen den Eltern Empfehlungen geben. Bei erkennbarer, bzw. nachweisbarer „Gefährdung des Kindeswohls“ (KJHG §8a) sind sie verpflichtet das Jugendamt, bzw. die Kinderschutzbeauftragte einzuschalten.

Dürfen Nicht-MedizinerInnen Angaben zu Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen erfassen? Und was geschieht mit den bei der Beobachtung gewonnenen Daten? Zwar hat die Bundesregierung im Januar 2012 ein überarbeitetes Kinderschutzgesetz verabschiedet, mit einer Befugnisnorm für Berufsgeheimnisträger zur Informationsweitergabe an das Jugendamt. Für einen gelungen Transfer in die Praxis mangelt es jedoch genau daran. Nach wie vor sind ErzieherInnen verunsichert, es fehlen ihnen nicht nur Informationen im Bezug auf datenrechtliche Befugnisse, auch der Mangel an Fachkenntnissen, fehlende Beratungskompetenz und die Angst vor den Reaktionen der Eltern tragen dazu bei, dass Entwicklungsdefizite oder Entwicklungsverzögerungen von Kindern in Kindertageseinrichtungen entweder nicht erkannt, oder dass keine angemessenen Interventionen eingeleitet werden.  Zudem befürchten ErzieherInnen auch eine Inobhutnahme des Kindes als Reaktion auf ihre Meldung an das Jugendamt oder die Kinderschutzbeauftragten.

Das neue Gesetz verpflichtet sie „Anhaltspunkte für die Gefährdung eines Kindes wahrzunehmen und…Risikofaktoren und Belastungssituationen von Familien frühzeitig zu erkennen, die eine gesunde Entwicklung des Kindes beeinträchtigen“ (LINK Editorial). Informationen zu einer Umsetzung dieser Forderung fehlen jedoch in der Praxis. Im gleichen Interview wurden der Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind, Jörg Maywald  und die Berliner Politikerin Monika Herrmann nach den Handlungsmöglichkeiten für ErzieherInnen in Kindertagesstätten per Gesetz gefragt: “Was können, oder sollen sie tun, wenn sie die oben beschriebenen Entwicklungsbeeinträchtigungen wahrgenommen und erkannt haben? Die bizarre Antwort: Sie sollen Bestandteil eines Netzwerks zum Thema „Frühe Hilfen“ sein. So weit, so kurzsichtig. Anderen Berufsgeheimnisträger wird per Gesetz zugetraut und zugemutet, direkt mit den betroffenen „…Personengruppen die Situation zu erörtern und, insoweit erforderlich, bei den Personenberechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinzuwirken…“ (Bundesgesetzblatt Teil I Nr.70 §4, www.bgbl.de). Handlungsansätze für die Personen, deren Erkenntnisse und Wahrnehmungen in einem frühen (Entwicklungs-) Stadium und einer im weiteren Entwicklungsverlauf nicht wiederkehrenden räumlichen und zeitlichen Nähe entstehen und damit die größte Chance haben, misshandelten, vernachlässigten Kindern zu helfen, sind das nicht.

Projekte zur Unterstützung von Fachkräften in Kitas

Es gibt inzwischen Projekte, die die Kompetenzen der ErzieherInnen im Hinblick auf Beobachtung und Dokumentation wertschätzen und erweitern. Eine den Verhältnissen in Deutschland angepasste Version des in Neuseeland entwickelten Verfahrens „learning stories“ wurde bereits 2004 vom DJI empfohlen und in einigen Kitas und Schulen genutzt, um das Lernen von Kindern zu beobachten und zu beschreiben. Mit diesem Instrument werden alle Beteiligten in den Prozess einer individuellen Entwicklungsdokumentation einbezogen: Kinder, Eltern und ErzieherInnen erstellen die Bildungs- und Lerngeschichte der Kindergartenzeit gemeinsam. Beim Übergang in die Schule werden diese dann von den LehrerInnen übernommen und im günstigsten Fall sogar weitergeführt.

Daneben wurde 2007 in einigen Bundesländern das Projekt „fit von klein auf“ der BKK gestartet. Dreh- und Angelpunkt dieses Projektes war der sogenannte „Vorsorgebogen“. Pädagogische Fachkräfte in Kitas erhielten eine spezielle Schulung, damit sie Eltern zur regelmäßigen Inanspruchnahme der kinderärztlichen Untersuchungen („Ich geh' zur U und du?“) motivierten.

Iim März 2010 wurde vom Bayrischen Institut für Frühpädagogik das Projekt „Riskid“ als ein Instrument zur Gewinnung verlässlicher Informationen über die Risikokinder in bayerischen Kitas und die Versorgung dieser Kinder durch Fachdienste gestartet. Mit diesem Projekt sollte die Grundlage zur Verbesserung der Früherkennung von Entwicklungsgefährdungen, die Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten aller im Feld Agierenden, und die Vernetzung der verschiedenen Kompetenzen und Verantwortlichkeiten geschaffen werden.

Ähnlich aufgebaut ist das Konzept von „KOMPIK“ (Kompetenzen und Interessen von Kindern). Eingebunden in das Sozialraumerfassungsinstrument „KECK“ (Kommunale Entwicklung: Chancen für Kinder) stellte die Bertelsmann Stiftung Anfang 2012 ein Programm zur Erfassung individueller Verläufe in allen Entwicklungs- und Lernbereichen vor. Eltern, ErzieherInnen und der Sozialraum in dem das Kind lebt, erhalten Informationen über Lernfortschritte, sozial-emotionale Fähigkeiten, sowie die gesundheitlichen Voraussetzungen auf der Basis entwicklungspsychologischer Grundlagen. 

Das Bildungsmonitoring à la KECK/KOMPIK liefert Entscheidungsträgern in Kommunen und Städten Informationen, die als Argumentations- und Handlungsgrundlage für Bildungs-Investitionen eingesetzt werden können.  Auch aus der Sicht von Eltern und Kinder lassen sich Vorzüge der einheitlichen Beobachtungsverfahren beschreiben: Erst durch die transparente Gestaltung einer kontinuierlichen Entwicklungsdokumentation wird, bei einer konsequenten Anwendung der Datenschutzbestimmungen, eine individuelle Förderung des Kindes in den unterschiedlichen Entwicklungs- und Bildungsbereichen, entlang der gesamten Bildungskette, ermöglicht.

In der Frühpädagogik gehören Beobachtungsverfahren mittlerweile zum Qualitätsstandard der Einrichtungen, sie sind die Basis einer individuellen Förderung von Kindern im Alter von 0-6 Jahren. Die Bundesregierung unterstützt diese Aktivitäten im Rahmen des neuen Kinderschutzgesetzes in 7 unterschiedlichen Regelungsbereichen. Ein Schwerpunkt ist die kontinuierliche Qualitätsentwicklung, bei der es sich vor allem um „Verbindliche Standards in der Kinder- und Jugendhilfe“(BMFSFJ 2013) handelt.

Auch in anderen EU-Ländern wird die Problematik aufgegriffen und es werden Strategien zur Lösung entwickelt. In der Schweiz hat die Stiftung für Gesundheitsförderung und Suchtfragen 2011 das Pilotprojekt FIP gestartet. Maßgebliches Ziel dieses Projektes ist es, die MitarbeiterInnen in Kindertagesstätten im Umgang mit Kindern, die in ihrer gesunden Entwicklung gefährdet sind, zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht die Früherkennung und rechtzeitige Intervention in Kindertagesstätten. Auch bei den schweizerischen Eidgenossen stehen Fachkräfte in Kindertagesstätten der Herausforderung gegenüber „das Richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun“  (www. bernergesundheit.ch, 09.04.2013).

Exkurs: Die Zusammenarbeit von Kita und Schule

Die unterschiedlichen Strukturen und gesetzlichen Fundamente von Kindertagesstätten und Grundschulen können zur Stolperfalle in Bildungsbiografien von Kindern werden. Sie bilden eine Divergenz, die von Erzieherinnen und Lehrerinnen überwunden werden muss. Der Landkreistag Nordrhein-Westfalen stellt in seinem Abschlussbericht zur Erprobung der Bildungsgrundsätze für Kinder von 0-10 Jahren fest, „dass eine Zusammenarbeit zwischen Kindertagesstätte und Grundschulen vielerorts nur sehr schwach ausgeprägt ist und damit Friktionen beim Übergang […] begünstigt werden.“ (LKT-Rundschreiben vom 31.01.2013). So ergeben sich bei der Durchführung von Beobachtungs- und Feststellungsverfahren Probleme. Die wertschätzende und vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Bildungsbereiche ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Nutzung der Daten.

Die individuelle Einführung des Kindes in die Klasse und damit in den Schulalltag findet derzeit auf der Basis unterschiedlicher Entwicklungsdokumentationen statt. Den LehrerInnen wird ein bunter Strauß aus Einschätzungs- oder Entwicklungsskalen, handschriftlichen Bögen oder Softwareprogrammen der einzelnen Kitas vorgelegt. Das wären die  optimalen Voraussetzungen für einen „Übergang ohne Brüche“. In vielen Fällen und tragischer Weise besonders in den kritischen Fällen erhalten die Lehrkräfte jedoch keinerlei Informationen zum Entwicklungsstand der Kinder von den ErzieherInnen. Denn eine Weiterleitung an die Schule ist nur mit Genehmigung der Eltern gestattet. Diese unbefriedigende Situation bedarf einer gesetzlichen Klärung.

Individualisierung versus Standardisierung

Diagnostische Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren sollten sowohl die strukturellen Bedingungen der einzelnen Kitas und Schulen, als auch die - vielfach in Abhängigkeit von den Kita-Trägern - Gestaltung des pädagogischen Prozesses berücksichtigen.

Diese individualisierte Vorgehensweise steht jedoch dem Anliegen einer Standardisierung gegenüber. So positiv eine „bunte Trägerlandschaft“  in vielfacher Hinsicht auch ist, der Implementierung eines einheitlichen Beobachtungsverfahren und damit einheitlicher Standards wirkt sie entgegen. Bundes- und Landesregierungen wünschen sich einheitliche Standards, die eine datenbasierte Verwendbarkeit ermöglichen.  Es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob sich die Forderung der Bundesregierung zur Qualitätsentwicklung vor dem Hintergrund der Eigenverantwortlichkeit der Länder und der freien Träger in der Kinder- und Jugendhilfe überhaupt erreichen lässt. In der Fachliteratur wurde bereits Anfang des Jahrtausends die Diskussion über ein einheitliches deutsches Gütesiegel für Kindertagesstätten eröffnet. Dieses könnte die  Bereitschaft zur gemeinsamen Arbeit an einem entsprechenden Instrument fördern und die Implementierung eines einheitlichen Beobachtungssystems der kommunalen wie auch der freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe erleichtern.

Fazit

Voraussetzung für eine gelingende Entwicklungsbegleitung und passgenaue Förderung ist die genaue Beobachtung. Allerdings kann dieser Forderung nur dann entsprochen werden, wenn sowohl die methodischen Kompetenzen der ErzieherInnen, als auch die strukturellen Rahmenbedingungen (Zeit, Räumlichkeiten, zusätzliches Fachpersonal) in ausreichendem Maße vorhanden sind. Letzteres ist unter anderem abhängig von den finanziellen Ressourcen der Kommunen und Städte. Es erübrigt sich an dieser Stelle auf die allgemein bekannte Schieflage der Städte und Gemeinden hinzuweisen. Und die Aussichten bleiben düster: Es wird kein zusätzliches Personal eingestellt werden, weder zur Deckung des steigenden Bedarfs im Rahmen der U3-Betreuung, noch für andere zusätzliche Aufgaben, die die  ErzieherInnen übernehmen müssen. In der Folge werden die Beobachtungs- und Feststellungsverfahren - als Kernpunkt jeglicher pädagogischer Intervention - von  ErzieherInnen und LehrerInnen unter Zeitdruck und ohne ausreichendes Hintergrundwissen bearbeitet.

Erforderlich sind eine gezielte Qualifizierung der Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen und eine allgemein anerkannte, standardisierte Form von Beobachtungs- und diagnostischen Verfahren, die auch in der Schule anerkannt werden. Und überdies müssen die Kooperationen zwischen Kita und Schule, zwischen Kita und Sozialraum und anderen Akteuren so gestaltet sein, dass sie die Kompetenzen der frühpädagogischen Fachkräfte nutzen, stärken und diese nicht verunsichern.

Voraussetzung dafür ist dann allerdings auch noch eine gesellschaftliche Aufwertung des Berufs der ErzieherIn, die sich auch in der Bezahlung ausdrückt. Der Kampf der Gewerkschaft für bessere tarifliche Einstufungen hat soeben begonnen. 

Quellen 

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Bella-Studie (2014): http://www.bella-study.org/deutsch/die-bella-studie-auf-einen-blick/

Beckmann, U. (2012): VBE: Delfin 5 – Sprachstandfeststellungsverfahrengehört dringend auf den Prüfstand. http://bildungsklick.de/pm/81949/vbe-delfin-5-sprachstandfeststellungsverfahren-gehoert-dringend-auf-den-pruefstand/ eingesehen am: 29.04.2013, 9:27 MEZ.

BKK Bundesverband (2013): Kita-Vorsorgebogen. Mehr Vorsorge durch Zusammenarbeit von Eltern, ErzieherInnen und Kinder-und Jugendärzten.  http://www.fitvonkleinauf.de/kitas/bausteine/kitavorsorgebogen/projektbeschreibung/eingesehen am 29.08.2013 um 10:02 MEZ.

BMFSFJ (2012): Das Bundeskinderschutzgesetz. http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/kinder-und-jugend,did=119832.html eingesehen am 03.09.2013.

Brockmann, K. (n.n.): Grenzsteine nicht erreicht: wann welche Diagnostik? http://www.kindergesundheit.de/praevention.html eingesehen am 29.08.2013 um 10:21 MEZ.

Bronfenbrenner/Gatekeeping (2011):Theoretische Grundlagen http://www.grundschulpaedagogik.uni-bremen.de/archiv/abschlussbericht_frue_lern_.pdf eingesehen am 09.09.2013 um 11:40 MEZ.

Bundesgesetzblatt (2011): Gesetz zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugendlichen. Bundeskinderschutzgesetz – BkiSchG. http://www2.bgbl.de/Xaver/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&bk=Bundesanzeiger_BGBl&start=//*%5B@attr_id=%27bgbl111s2975.pdf%27%5D#__Bundesanzeiger_BGBl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D'bgbl111s2975.pdf'%5D__1377851014278  eingesehen am 29.08.2013 um 10:27 MEZ.

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Die Autorinnen

Kerstin Pack, B.A. Bildungs- und Sozialmanagement, staatlich anerkannte Erzieherin, ist Mitarbeiterin im Bildungsbüro/Regionalen Bildungsnetzwerk des Oberbergischen Kreises. Sie ist Trainerin für frühpädagogische Fachkräfte und Redakteurin bei www.fruehe-bildung.online. Ehrenamtlich ist sie im Vorstand des Vereins zur Förderung von Gesundheit, Sport und Familie tätig. Kontakt:pack(at)fruehe-bildung.online

Prof. em. Dr. Hilde von Balluseck ist Chefredakteurin von www.fruehe-bildung.online. Kontakt: balluseck(at)fruehe-bildung.online

Dieser Artikel erschien zuerst am 24.11.2014 auf www.ErzieherIn.de



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