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Personal/Team
01.02.2016  Attiya Khan

Kita-Arbeit altersgerecht gestalten

Die Arbeit in der Kita fordert viel – körperlich wie geistig. Einige Anregungen, wie die Freude an der Arbeit auch über einen längeren Zeitraum erhalten werden kann, hat die Expertin Attiya Khan in diesem Beitrag zusammengestellt.

Altersgemischte Teams

Insbesondere in den östlichen Bundesländern besteht ein Ungleichgewicht der Altersgruppen, da die Kohorte der 25-45 Jährigen aufgrund des Geburtenknicks und der damit geringeren Fachkräftebedarfs unterrepräsentiert ist. Idealerweise sollte das Personal von Kitas so aufgestellt sein, dass alle Altersgruppen vertreten sind. Gibt es ein Ungleichgewicht, kann es leicht zur Gruppenbildung („jung gegen alt“ oder „alt gegen jung“) kommen oder zu einseitigen Aufgabenstellungen führen, wie beispielsweise, dass die jüngeren Mitarbeiterinnen aus Rücksicht die überwiegend körperlich anstrengenden Arbeiten übernehmen.
In Teams, in denen nur wenige junge Fachkräfte beschäftigt sind, ist es besonders wichtig, dass diese mit ihren neuen Ideen und möglicherweise anderen Kompetenzen einen gleichberechtigen Platz in der Einrichtung bekommen. Neben dem menschlichen Aspekt, ist das auch eine wichtige Voraussetzung, um die jüngeren Beschäftigten an das Unternehmen zu binden.
In altersgemischten Teams bzw. Tandems bei der Gruppenleitung profitieren die Beschäftigten von unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen und ermöglichen damit eine hohe pädagogische Qualität. Zudem wird das interne Wissen der Einrichtung weitergetragen und geht nicht mit der Berentung einer größeren Gruppe verloren.
 

Arbeitszeit und Pausen

In vielen Einrichtungen gibt es keinen Personalraum für die Beschäftigten. Dies liegt teilweise an dem Raummangel, der aufgrund der Teilzeittätigkeit nicht gesetzlich vorgeschriebenen Pause und der weitverbreiteten Vorstellung, dass die Ruhephase der Kinder gleichzeitig auch eine Pause für die Erwachsenen ist. Viele erledigen jedoch in der Zeit (oft bei schlechtem Licht während der Schlafwache) administrative Aufgaben, so dass sie in der Zeit lediglich anders gefordert sind, sich jedoch nicht erholen. Gerade in einem Beruf, der hohe Präsenz und viel Kommunikation erfordert, ist es aus persönlichen und betrieblichen Gründen notwendig, in einem gesonderten Raum ohne störende Geräusche “abschalten” zu können.
Für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden ist es hilfreich, wenn Beschäftigte ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können. So gelingt es oft leichter die Balance zwischen Privatleben und Beruf zu wahren. Viele ältere Beschäftigte wünschen sich in den Jahren vor der Rente, ihre tägliche Arbeitszeit zu reduzieren. Wenn dies aus finanziellen Gründen nicht möglich ist, sollten belastungsreduzierte Tätigkeiten in Erwägung gezogen werden.
 

Partizipation bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit

Die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen ist nicht nur von der beruflichen Belastung abhängig, sondern auch von den individuellen Bedingungen. Deswegen sollten Arbeitgeber bzw. Leitungskräfte die Beschäftigten unbedingt in die Gestaltung ihres Arbeitsplatzes einbeziehen. Im optimalen, und vermutlich eher seltenen, Fall werden die Tätigkeiten den Bedürfnissen der Erzieherin angepasst. In der praktischen Umsetzung sieht es so aus, dass im Kontakt mit der älteren Kollegin geklärt wird, welche Aufgaben sie gut bewältigen kann und welche ihr schwer fallen. Vor dem Hintergrund aller Tätigkeiten, die in einer Kindertageseinrichtung anfallen, lässt sich prüfen, ob sie ihr Aufgabenfeld verändern kann. Wichtig ist, diese Gespräche in einer wertschätzenden Atmosphäre zu führen, da es sich beim Alter und der eigenen Leistungsfähigkeit um sensible und potenziell selbstwertbedrohende Themen handelt.
 

Wertschätzung und Kompetenzentwicklung

Junge Leitungskräfte, die ältere Kolleginnen führen, sind besonderen Herausforderungen ausgesetzt. Dabei kann es helfen, frühzeitig das Gespräch zu suchen und die Fähigkeiten sowie den Erfahrungsschatz der berufserfahrenen Fachkraft anzuerkennen. In einer vertrauensvollen Zusammenarbeit hat die ältere Erzieherin es nicht nötig sich auf die Bastion des „das haben wir schon immer so gemacht“ zurückziehen zu müssen, um ihr Lebenswerk zu schützen.
Leiterinnen und Träger sollten ihr Personal frühzeitig gezielt entwickeln, um die beruflichen Ressourcen zu stärken und die Kompetenzen zu erhalten. Da es im Feld der pädagogischen Arbeit keine Schonarbeitsplätze gibt, bestehen für leistungsgewandelte Beschäftigte wenige Einsatzfelder außerhalb der direkten Arbeit mit dem Kind. Um die wenigen Nischen zu nutzen, ist es frühzeitig sinnvoll, die Handlungsfelder und entsprechende Kompetenzen zu entwickeln. Beispielsweise könnten sich ältere Fachkräfte in der Sprachförderung oder der Elternberatung engagieren.
 

Persönliches Engagement

Da die individuellen Voraussetzungen für die Arbeitsfähigkeit bedeutend sind, können auch die Beschäftigten selber ihren Beitrag leisten und zum Beispiel Ausgleichssport treiben, sich geistig fit halten oder bewusste Erholung suchen. Dies lässt sich natürlich auch (teilweise mit Unterstützung der Krankenkassen) mit den Kolleginnen und Kollegen durchführen. Zahlreiche Übungen eignen sich auch für den sportlichen Einsatz mit Kindern.



Über die Autorin:
Dr. Attiya Khan von der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. hat auf alternsgerechte-kita.de Erfahrungen aus der Kita-Praxis in einer Plattform zusammengefasst und mit Informationen zu den Arbeitsbedingungen und der Personalführung ergänzt. Die Website zum alternsgerechten Arbeiten in der Kita bietet viele Ideen, um die Freude an der Arbeit mit Kindern und Eltern zu erhalten.




Quellen: www.alternsgerechte-kita.de und MeineKitaClub
Foto: Shutterstock.com


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