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Familie
07.12.2015  Vera Schilling, Franz Petermann, Petra Hampel

Situation bei Familien von Kindern mit ADHS

In einer Studie wurde festgestellt, dass ADHS bei Kindern oder Jugendlichen Auswirkungen auf das gesamte Familienklima hat.

Erste Studien belegen, dass die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nicht nur mit einer ungünstigen Entwicklung des erkrankten Kindes oder Jugendlichen verbunden ist, sondern auch Auswirkungen auf die psychosoziale Situation aller Familienmitglieder hat. Die Pilotstudie ging der Frage nach, ob sich die Lebensqualität der Eltern von Kindern mit ADHS von der Lebensqualität der Eltern gesunder Kinder unterscheidet. Außerdem war von Interesse, inwieweit das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes mit der psychosozialen Anpassung der gesunden Geschwister und der Lebensqualität der Eltern verbunden ist. Insgesamt 48 Elternteile beurteilten das Ausmaß hyperkinetischen Verhaltens der gesunden Geschwister sowie ihre eigene Lebensqualität. Die Eltern mit einem an ADHS erkrankten Kind schätzten zusätzlich das Ausmaß hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes sowie die psychischen Auffälligkeiten der gesunden Geschwister ein. Die Ergebnisse legen nahe, dass das psychische Wohlbefinden der Eltern mit einem an ADHS erkrankten Kind gegenüber Eltern gesunder Kinder beeinträchtigt ist. Des Weiteren hing das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes positiv mit den internalisierenden und Aufmerksamkeitsproblemen der gesunden Geschwister zusammen. Das Ausmaß des hyperkinetischen Verhaltens des erkrankten Kindes war außerdem mit einem beeinträchtigten psychischen Wohlbefinden des Elternteils assoziiert. Die Befunde unterstreichen die Forderung nach familienorientierten Interventionsmaßnahmen in der Behandlung von ADHS, die die psychosoziale Anpassung aller Familienmitglieder berücksichtigen.


Schlüsselwörter:ADHS, Familien, Lebensqualität
Psychosocial Situation in Families of Children with ADHD

Studies suggest that attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) is not only related to a poorer adjustment of the ill child or adolescent but also to the adjustment of other family members. The present study questioned whether the quality of life (QoL) of parents with children with ADHD differs from the QoL of parents with healthy children. Additionally, the relationship between the severity of ADHD and the adjustment of healthy siblings and the QoL of their parents was an issue to this study. 48 parents rated the hyperactivity of the healthy sibling and their own QoL. Parents of a child with ADHD additionally rated the hyperactivity of the ill child and the adjustment of the healthy sibling. The results show that the mental well-being of parents of a child with ADHD was impaired when compared to parents of healthy children. Besides there was a positive relationship between the hyperactivity of the child with ADHD and social withdrawal, depressive symptoms, and symptoms of anxiety as well as problems with attention in the healthy sibling. The hyperactivity of the child with ADHD was also related to an impaired mental well-being of its parents. These results underline the demand for family-oriented interventions in ADHD that take the psychosocial adjustment of all family members into account.

Schlüsselwörter:ADHD, families, quality of life, QoL

Dieses Abstract erschien 2006 in der
Zeitschrift für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie (2006), 54, pp. 293-301. DOI: 10.1024/1661-4747.54.4.293. © 2006 Verlag Hans Huber.
Es wäre hochinteressant zu erfahren, ob die Kritik an der schnellen Diagnostizierung dieser neuen Erkrankung heute andere Forschungsergebnisse bringen würde.
 

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