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Kinder- und Jugendhilfe
24.12.2015  Hilde von Balluseck

Unsere toten Kinder

In Deutschland, dem gelobten Land für so viele flüchtende Menschen, werden Kinder geschlagen, geschüttelt, gequält - und manche sterben.
In diesem Jahr waren es die Namen von Jessica, Chantal, Yagmur und Tayler, die uns aufgerüttelt haben. Diese und noch mehr Kinder wurden von ihren Eltern vom Leben zum Tode befördert (mehr dazu hier). .
Zwar gibt es die Frühen Hilfen - sie sind ein großer Fortschritt. Aber allzuoft versagen Fachkräfte der Sozialen Arbeit.

Christian Schrapper, Professor an der Universität Koblenz-Landau, hat das Problem analysiert. Er erhob im November 2014 auf einer Tagung des DJI schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit den vielen toten Kindern, die es trotz Eingriffen der Jugendhilfe gegeben hat.  Schrapper konnte sich fachgerecht äußern, denn er war in vielen Fällen auch Gutachter. Er stellte klar, dass die zuständigen Fachkräfte keineswegs automatisch aus ihren Fehlern lernten. Zum einen gelinge es vielen Eltern, die Aufmerksamkeit der Fachkräfte weg von den Kindern auf die Eltern zu lenken. Genau das war das Problem bei einigen Kindestoden.

Zudem ginge es im politischen Raum um die Festellung von Verantwortlichkeit: Wer hat Schuld, ist die Frage. Und die Schuldigen müssen gehen. Dabei werden die komplexen Entscheidungsprozesse, die zu den Fehlentscheidungen geführt haben, nicht analysiert. Aber nur dann, wenn minutiös rekonstruiert wird, warum die Fachkräfte, die ja keine Idioten und auch keine Verbrecher sind, bestimmte Entscheidungen so und nicht anders getroffen haben, nur dann hätten sie eine Chance, den Fehler nicht wieder zu begehen. So aber, wenn der/die Schuldige gesucht wird, z.B. mit einem Untersuchungsausschuss, begeben sich die Fachkräfte in eine Verteidigungsposition und denken nur noch daran, wie sie SICH, und nicht wie sie die Kinder schützen können. "Verunsicherte Helfersysteme sind hochgefährlich", so Schrapper.

Diese Aussagen sollten uns auch heute zu denken geben.


 

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