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Raum
31.12.2015  Anne Odendahl

Die Bedeutung des Raums für die Lernatmosphäre

Raumgestaltung lässt sich gezielt einsetzen, um Konzentration und Spaß beim Lernen und Arbeiten zu fördern. Doch blaue Wandfarbe und Grünpflanzen allein reichen nicht aus, um ein kreatives Klima zu schaffen. Modelle wie "Slow Education" und außerschulische Lernorte wecken die Begeisterung, die für lebenslanges und motiviertes Lernen notwendig ist.
Die Lernräume der Zukunft sind offen und transparent. Das spiegelt sich nicht nur in der Architektur moderner Bildungsstätten wider, sondern auch darin, wie Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrkräfte Kinder motivieren können. Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, um den Lernerfolg zu verbessern?

 

Jedes Kind will lernen

Neugier ist dem Menschen angeboren. Speziell in der Kita sind Räume Forschungs- und Experimentierfelder, in denen Kinder mit allen Sinnen ein Bild von sich selbst, von Anderen und der Welt entwickeln können. Sie brauchen Freiraum, um zu toben und mit Anderen zu spielen, gleichzeitig aber einen Rückzugsraum, um zu entspannen. Ein Trend in Kitas ist das "Slow Education" - Konzept, das den Kindern mehr Zeit für ihre persönliche Entfaltung einräumt, abseits vom Optimierungswahn und strengen Stundenplänen. Die Pädagogin Antje Bostelmann unterstützt diese Entschleunigung. Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher müssten Zeit und Vertrauen investieren, "um den Kindern die Möglichkeit zurückzugeben, die eigene Zeit zu erleben, Langeweile zu genießen und Herausforderungen selbst zu meistern". So brauchen Kinder keine Dauerbeschäftigung, denn schon struktur- und texturreiche Materialien verhindern, dass bei ihnen eine Reizleere entsteht. Vielfalt in der Umgebung spricht den Erfindungsgeist von Kindern an. Ursula Günster-Schöning, ausgebildete Erzieherin, die heute als Coach arbeitet, spricht von einem "Spagat", den besonders die Kitaleitung meistern muss: "Auf der einen Seite muss sie Motor sein, vorausdenken und visionär unterwegs sein und auf der anderen Seite immer das Team im Blick haben." Als Prozessbegleiterin unterstützt sie Erzieherinnen und Erzieher bei Wandlungs- oder Veränderungsprozessen in Kitas.

Raus aus dem Klassenzimmer

Im Schulgebäude sind Raum, Farbe, Material, Licht und Akustik wichtige Gestaltungsmittel und können eine anregende Lernatmosphäre erschaffen. Lernorte sind aber nicht an Kitas, Schule oder die klassischen Bildungsinstitutionen gebunden, sondern können überall dort sein, wo Menschen ihre Kompetenzen erweitern. Sylvia Löhrmann, Ministerin für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen betont die Wichtigkeit außerschulischer Lernorte für Schülerinnen und Schüler: "Dadurch lernen sie konkreter und auch nachhaltiger. Deswegen ist es gut, wenn Kinder das, was sie in der Schule lernen, auch außerhalb der Schule anwenden."

Nicht zuletzt sind auch die didaktischen Fähigkeiten von Lehrkräften ausschlaggebend für den Lernerfolg. Die Studie "Schüler richtig motivieren" zeigt verschiedene Ansätze auf, wie Lehrerinnen und Lehrer sich verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse zu Nutze machen können. Sie sollten Schülerinnen und Schüler nicht für ein bestimmtes Ergebnis oder ihre Klugheit loben, sondern für ihre Anstrengungen. Bei Tests fallen Ergebnisse besser aus, wenn die Schülerinnen und Schüler vorher eine Belohnung bekamen, die sie dann bei einer guten Prüfungsleistung behalten durften.

Lernen mit Spaß

Neurobiologisch betrachtet, lernt man das nachhaltig, was emotional aufgeladen ist und Freude macht. "Begeisterung ist Doping für Geist und Hirn", sagt Neurobiologe Prof. Dr. Gerald Hüther. Humor beispielsweise kann als Lernbeschleuniger wirken. Bei gezieltem Einsatz, beeinflusst er die Lernmotivation positiv, reduziert Widerstände und entschärft Unterrichtsstörungen. Studien zeigen, wie Humor beim Lernen hilft: Wenn ein Kind einen Witz versteht, fördert das kreatives Denken, weil es einen Widerspruch erkannt und gelöst hat. In der Vorschule und bei Erstklässlern hilft Humor bei der Verarbeitung von Information und erhöht die Aufmerksamkeit.

Info: Bewegte Kinder – schlaue Köpfe
Um eine gute Lernatmosphäre zu schaffen, muss auch der Körper angeregt werden. Laut dem Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht sitzen Kinder täglich durchschnittlich über sechs Stunden, bewegen sich aber weniger als 30 Minuten. Durch die Einführung von Ganztagsschulen und G8 haben Schüler weniger Zeit für Sport. Das hat Konsequenzen für motorische und kognitive Fähigkeiten. Die Stiftung "Sport in der Schule in Baden-Württemberg" hebt hervor, dass Sport und die Fähigkeit zur Selbstregulation und den Lernerfolg fördern.
 

Wie vielfältig die Möglichkeiten zur Gestaltung der Lernatmosphäre sind, zeigt auch die didacta-Bildungsmesse 2016 in Köln:

Frühe Bildung

Kita-Seminar:
Tagesthema: Die Kita als Bildungs- und Lebensraum – den Raum als Ressource nutzen
16. Februar 2016
Ort: Congress-Centrum Nord
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft
Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.didacta.de/veranstaltungsportal/

Auftaktvortrag: Wie Räume die Entwicklung der Kinder prägen - Bildungsorte in Reggio Emilia
Referentin: Dr. Claudia Giudici
10:00 – 11:30 Uhr
Rheinsaal

Forum: Die Kita als einen Bildungsort des Wohlfühlens gestalten
Referentin: Ursula Günster-Schöning
13:00 – 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 5/6

Workshop 1: Bildung Raum geben
Referent/-innen: Prof. Dr. Christina Jasmund, Matthias Wilk
13:00 – 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 1

Workshop 2: Der Raum und seine pädagogische Wirkung
Referentin: Dorothee Zippmann
13:00 – 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 2

Workshop 3: Resilienz fördern durch partizipative Raumgestaltung in der Kita
Referent/-innen: Silvia Dombois, Martin Kalmutzki
13:00 – 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 3

Workshop 4: Räume zum Wohlfühlen für die Jüngsten
Referentin: Hilke Lipowski, Martina Lackerschmid-Schenk
13:00 – 14:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 4

Praxis-Workshop 5: Kinder als Experten ihrer Umwelt
Referentin: Silvia Dombois, Martin Kalmutzki
15:00 - 16:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 1

Praxis-Workshop 6: Raumgestaltung mit neuen Medien
Referentin: Antje Bostelmann, SilkeSchaper
15:00 - 16:30 Uhr
Rheinsaal Sektion 2

Sonderschau
"Lernen zum Anfassen" zum außerschulischen Lernen
16. - 20. Februar 2016
Weitere Informationen unter www.didacta.de
09:00 – 18:00 Uhr
Halle 7
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft

Quelle: bildungsklick.de



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