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Aus- und Weiterbildung
25.01.2016  

Noch in der Ausbildung und schon Kita-Fachkraft?

Bei der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern gewinnen berufsbegleitende Teilzeit-Modelle an Bedeutung. Mit diesen Formaten gelingt es, neue Personenkreise für die Arbeit in der Kita zu gewinnen. Gleichzeitig lastet auf den Studierenden ein hoher Erwartungsdruck, da sie ab dem ersten Ausbildungstag in einer Einrichtung als Fachkraft angestellt sind und häufig auf den Personalschlüssel angerechnet werden.

 Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF). Sie basiert auf einer Befragung von Lehrkräften, Studierenden und Praxismentorinnen und -mentoren in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen.

Studierende, die sich für eine berufsbegleitende Teilzeit-Ausbildung entscheiden, stehen von Beginn an in einem Angestelltenverhältnis und arbeiten durchschnittlich 24 Stunden pro Woche. Der Unterricht an den Fachschulen für Sozialpädagogik findet in durchschnittlich 16 Wochenstunden statt. Für ihre Tätigkeit erhalten sie ein reguläres Gehalt. Der Verdienst ist häufig ausschlaggebend für die Wahl dieser Ausbildungsform. Aber auch der regelmäßige Wechsel zwischen den schulischen und praktischen Ausbildungsphasen wird von den Befragten begrüßt.

Mehr Diversität in der berufsbegleitenden Teilzeit-Ausbildung
Die neuen Ausbildungsformate sprechen Personen mit vielfältigen schulischen, beruflichen und kulturellen Hintergründen an. Die Studierenden in den untersuchten berufsbegleitenden Teilzeit-Ausbildungsgängen sind im Durchschnitt 34 Jahre alt, 56% haben Kinder. Damit sind sie knapp zehn Jahre älter als die Studierenden in Vollzeit-Ausbildung, von denen nur 18% Eltern sind. Die Teilzeit-Studierenden kommen überwiegend aus fachfremden Bereichen: 65% gaben an, bereits eine nicht-pädagogische Ausbildung oder ein Studium absolviert zu haben. 12% sind außerhalb der Bundesrepublik geboren und 13% haben eine andere Muttersprache als Deutsch. Diese Merkmale treffen jeweils nur auf 6% der Vollzeit-Studierenden zu.

Fachkraft-Status beeinflusst Zufriedenheit mit der Ausbildung
Mehr als zwei Drittel der befragten Studierenden wurden bereits im ersten Ausbildungsjahr als Fachkraft auf den Personalschlüssel der Einrichtung angerechnet. Im letzten Ausbildungsjahr waren es sogar 80%. Die Studie deutet darauf hin, dass dieser Status mit einer schlechteren Betreuung verbunden ist: Mehr als 20% der Teilzeit-Studierenden – gegenüber 2% der Vollzeit-Studierenden – steht in der Einrichtung keine Mentorin bzw. kein Mentor zur Seite. Eine Begleitung ist aufgrund der Anstellung oftmals nicht vorgesehen. Auch die Anzahl und Regelmäßigkeit der Reflexionsgespräche wird von den Studierenden in der berufsbegleitenden Ausbildung kritischer bewertet. Auf der anderen Seite sehen sich die Befragten einem hohen Druck ausgesetzt, durch die Anrechnung auf den Personalschlüssel den Erwartungen des Teams zu entsprechen.

„Das Potenzial der berufsbegleitenden Ausbildungsmodelle liegt in der starken Berufsorientierung“, so die Autorinnen Joanna Kratz und Katharina Stadler von der Weiterbildungsinitiative. „Damit es ausgeschöpft werden kann, müssen bessere Rahmenbedingungen geschaffen werden. Vor allem die Anrechnung der Studierenden auf den Personalschlüssel führt dazu, dass die Ausbildung zur Nebensache wird.“

 

Die Studie 24 Teilzeitmodelle in der Ausbildung zur Erzieherin und zum Erzieher von Joanna Kratz und Katharina Stadler kann kostenlos auf dem Webportal der WiFF bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.

Quelle: Pressemeldung der WiFF

 



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