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Sozialraum
28.01.2016  Rainer Deimel

Was haben Abenteuerspielplätze mit Abenteuer zu tun?

Selbstwirksamkeit zu erleben, bedeutet: Ich kann etwas – ich bin in der Lage, meine Fähigkeiten dauerhaft zu erweitern. Auf dem Abenteuerspielplatz kommt mir noch zugute, dass ich anderen helfen kann und dass mir andere helfen können: gelebtes Team! Vergegenwärtigt man sich beispielsweise das Aufwachsen zahlreicher junger Menschen als Einzelkinder, ist eine solche Erfahrung unabdinglich.

„Abenteuer“-Erleben ist in erster Linie Bildung, es ist Gesundheitsförderung – beides Leitziele des ABA Fachverbandes mit Blick auf ein zeitgemäßes pädagogisches Tätigwerden. Ein kleiner Blick auf die Prämisse „Gesundheitsförderung“ sei gestattet: Ein Abenteuerspielplatz fördert die Gesundheit nicht nur mit Hilfe des „freien Spiels im Freien“, wenn wir etwa an seine antiallergene Wirkung denken. Vor allem das Erlebnis der Selbstwirksamkeit wirkt im Sinne von Aaron Antonovsky salutogenetisch, mit anderen Worten: Mein Erleben auf einem Abenteuerspielplatz hilft mir dabei, mit mir selbst eins zu werden, einen sogenannten „Kohärenzsinn“ („Sense of Coherence“) zu entwickeln. Beschrieben wird hiermit die Fähigkeit eines Menschen, vorhandene Ressourcen zu nutzen, um sich gesund zu halten. Oder wie es der bereits erwähnte Eckhard Schiffer auf die prägnante Formel bringt: „Schatzsuche statt Fehlerfahndung!“

Keine andere Einrichtung (sic!) hat es bislang geschafft, ähnlich angemessene, entwicklungsförderliche Konzepte zu entwickeln, wie dies bei einem Abenteuerspielplatz der Fall ist. Der Abenteuerspielplatz fördert die Schatzsuche auf exklusive Weise, sofern er „Abenteuer“ bewusst integriert. Dies beispielsweise können weder der organisierte Karneval oder kommerzielle Einrichtungen wie der EuroEddy trotz anderslautender Bekundungen leisten. Beim Abenteuer haben wir es nämlich nicht mit einer organisierten Inszenierung zu tun – vielmehr handelt es sich eher um eine Gegeninszenierung, wie es der verstorbene Bielefelder Professor Dieter Baacke seinerzeit im Zusammenhang mit der Spielmobilarbeit einmal formulierte. Er sprach vor diesem Hintergrund von Begegnung von Pädagogen und Kindern, die versuche, „zwischen Gegenseitigkeit, Körperlichkeit, Ganzheitlichkeit (und) Rhythmus zu vermitteln und das Gefühl für Freiheit und Bewegung (...) wieder hineinzuholen in (die) … Angebote“ der Offenen Arbeit mit Kindern.

Manche Erwachsene haben sich vielleicht zwischenzeitlich auf eine kleine Phantasiereise begeben. Wie war es denn eigentlich damals bei mir? Welche spannenden, aufregenden, gefährlichen Erlebnisse waren es, von denen ich auch heute noch profitieren kann? Was ist mir als persönliche Krönung aus meinem Kinder(er)leben in Erinnerung geblieben? Welche Verbote von Erwachsenen habe ich überschritten, ohne deshalb einen markanten Schaden erlitten zu haben? Was ist es, das ich mit Freunden gern heute noch einmal im Gespräch aufleben lassen möchte – vielleicht nach dem Motto „Weißt du noch …?“

Wer hat nicht seine Freude an Michel aus Lönneberga, Pippi Langstrumpf, Emil mit seinen Detektiven oder Huckleberry Finn? Diese Roman- und Filmkinder führen uns die Widersprüchlichkeit gegenwärtigen Aufwachsens deutlich vor Augen. Ich garantiere, dass keine dieser Phantasiefiguren – wären sie heutzutage Realität – ohne Ritalin davonkäme. Kreativität natürlich! Aber bitte möglichst geräuschlos und profillos: ein pädagogisch-psychologisches St.-Florians-Prinzip, das sich da entwickelt hat. Dieses wieder aufzulösen, ist Aufgabe vorbildlicher Abenteuerspielplatzarbeit.

Quelle: ABA Fachverband Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

 



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