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Personal/Team
30.01.2016  Rita Greine und Heike Heilmann im Interview mit Sibylle Münnich

„Kita-Mitarbeiterinnen brauchen Kraftquellen!“ Impulse zum Auftanken eigener Ressourcen

Welche Auswirkungen haben die Veränderungen der Kita-Landschaft auf pädagogische Fachkräfte? Und wie können diese damit umgehen, ohne an die eigene Belastbarkeitsgrenze zu kommen? Darüber hat Sibylle Münnich von klein&groß - Das Kita-Magazin mit den beiden Seminarleiterinnen Heike Heilmann und Rita Greine gesprochen.

klein&groß: Frau Greine, Sie sind seit vielen Jahren Autorin und Seminarleiterin in ganz Deutschland. Haben sich die Bedürfnisse seitens der Kita-Mitarbeiterinnen in dieser Zeit verändert?

Rita Greine: Auf jeden Fall! Am auffälligsten erscheinen mir zwei Veränderungen zu sein: Erstens die gestiegenen Anforderungen an das Kita-Personal, hier will ich nur die langen Öffnungszeiten und die Bildungspläne nennen. Und zweitens die spürbare Zunahme von Fluktuation und Erkrankungen. Kolleginnen, die sich häufig auf neue Personalsituationen einstellen müssen, finden kein richtiges Verbundenheitsgefühl mehr zu ihrem Kita-Team, erkrankte Kolleginnen müssen im Alltag irgendwie „kompensiert“ werden. Dabei ist gerade im Kita-Bereich so wichtig! Teams, die über Jahre hinweg stabil zusammen arbeiten, gibt es heute kaum noch.

k&g: Frau Heilmann, Sie haben bis vor kurzem noch selbst eine Kita geleitet. Können Sie die genannten Entwicklungen bestätigen?

Heike Heilmann: Ja, auch ich habe im Laufe der Jahre festgestellt, dass sich in der Kita-Landschaft am ehesten die Kolleginnen behaupten, die extrem flexibel auf Veränderungen reagieren. Es reicht längst nicht mehr, gerne mit Kindern zusammen zu sein, oder dass die Kinder ihre Kita gerne besuchen. Insgesamt ist der Druck auf Erzieherinnen gestiegen, die Kinder gezielt auf die Schule vorzubereiten und die Betreuungszeiten verlässlich zu gewährleisten. Um mit diesem Druck umgehen zu können, benötigen Erzieherinnen und Leiterinnen nicht nur „ein dickes Fell“, sondern auch Kraftquellen im Alltag.

k&g: Können sie unseren Leserinnen konkrete Beispiele solcher Kraftquellen nennen?

Greine: Die Methode, sich im Alltag – und gerade wenn es hoch her geht – sogenannte „Kraftfragen“ zu stellen, ist bestens geeignet für spontane Gemütsaufhellung.

  • Warum wird unser Fest ein voller Erfolg werden?

  • Was mögen meine Kolleginnen an mir?

  • Wem möchte ich heute noch ein Lächeln schenken, oder worauf freue ich mich heute am meisten?

Das sind Fragen, die kraftvolle, positiv ausgerichtete Antworten implizieren. Das wirkt sich auf die Psyche und auf das Denken aus, die Stimmung hebt sich und die Arbeit fällt einem leichter.

Ein anderes Beispiel: Yoga für zwischendurch, auch im Gruppenraum! Hierfür werden Übungen aus dem Internet oder Fachbüchern ausgedruckt und gut sichtbar aufgehängt, überall wo Fachpersonal sich aufhält. Kurze Yoga-Übungen auf dem Bürostuhl, Vorlesesofa oder Boden stimulieren den Kreislauf, stärken die Muskulatur und führen zu neuer Kraft. Sogar im Außenbereich oder bei Ausflügen können kleine Yoga-Einheiten durchgeführt werden. Vielleicht wollen Kinder ja sogar mitmachen!

Heilmann: Ich möchte als Beispiel eine „Danke-schön-Teamsitzung“ beschreiben: Dienstbesprechungen oder Teamsitzungen finden meist nach den regulären Öffnungszeiten statt. Einer Tagesordnung folgend wird unter Leitung der „Chefin“ Punkt für Punkt abgearbeitet. Wie wäre es also mal mit der Idee, dass sich die Leiterin und ihr Team mit einer „besonderen“ Teamsitzung beieinander bedanken für die geleistete Arbeit? Ein Kinobesuch, gemeinsames Bowling oder die Zubereitung eines kleinen Imbisses – die Intension, sich extrinisch neu zu motivieren, kann in jeder Kita funktionieren.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!


 

Rita Greine, Referentin für gesunde Bildung und Autorin, Recklinghausen.

Heike Heilmann, Erziehungswissenschaftlerin M.A., freiberufliche Autorin und Fortbildnerin mit Schwerpunkt Teamgesundheit und Teamhumor.

Kontakt

Information zum Seminar „Kraftquellen“: www.heike-heilmann.de, www.rita-greine.de


Quelle: klein&groß - Das Kita-Magazin 02-03/16, Seite 58


 


 


 



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