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Aus- und Weiterbildung
01.02.2016  Hilde von Balluseck

Berufe und Ausbildungen in der Frühen Bildung

Begreift man das gesamte Kindesalter als Zeitraum für die Frühe Bildung, so sind es viele Berufe, die in diesem Bereich tätig sind. Aber es entscheidet nicht nur die Berufsausbildung über die Eignung.

Die persönliche Haltung und Qualifikation

 
Dass Menschen, die einen Beruf im Feld der Frühen Bildung erlernen und ausüben wollen, Kinder mögen, ist wohl selbstverständlich. Aber das allein reicht für die Arbeit nicht aus. Es gehören auch Persönlichkeitsmerkmale dazu, die man schwer erlernen kann. Daher überlegen Sie gut, wenn Sie sich für einen der beschriebenen Berufe entscheiden. Hier sind einige Hinweise aufgeführt, die Sie bedenken sollten.
  • Wer mit Kindern arbeitet, muss ihnen auf Augenhöhe begegnen, sie wertschätzen als eigene Persönlichkeiten. Autoritäre Verhaltensweisen ("Ich sage dir jetzt mal, wo es lang geht" oder "Ich habe immer Recht") sind out.
  • Sie müssen physisch in der Lage sein, Lärm auszuhalten, denn Kinder machen Krach, und das müssen sie auch manchmal dürfen.
  • Sie sollten nicht in den Beruf gehen, um in erster Linie eigene Probleme zu lösen, sonst sind Sie nicht in der Lage, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Kindern individuell einzugehen. 
  • Sie müssen neugierig sein, sonst verstehen Sie die Kinder nicht, die vor Neugierde geradezu platzen. Nur wenn Sie selbst bereit sind, sich auf neue Fragen einzulassen, können Sie mit Kindern mehr oder weniger überraschende Lösungen finden.
  • Zugewandte Männer zu erleben ist für Mädchen wie für Jungen gleich wichtig. Deswegen: Wenn Sie als Junge oder als junger Mann Kinder mögen, wählen Sie einen der beschriebenen Berufe. Männer in der Kita, in der Grundschule, in der Offenen Arbeit -  das ist ein Zukunftsprojekt. Sie müssen allerdings Frauen als potentielle Kolleginnen wertschätzen, keine Angst vor ihnen haben und gerne mit ihnen zusammen arbeiten, denn vorläufig sind die meisten Arbeitskräfte in Kita und Grundschule noch Frauen.
  • Nun noch zu einem sehr heiklen Thema. Es geht um Pädophilie, eine sexuelle Orientierung, in der zumeist Männer Kinder sexuell begehren. Die meisten Pädophilen können auch zu Erwachsenen sexuelle Kontakte entwickeln. Aber bei ca. 1 % der Männer ist eine primärpädophile Orientierung  vorhanden, sie werden also nicht durch Kontakte mit Gleichaltrigen befriedigt. Für seine angeborene sexuelle Orientierung - und das ist Pädophilie - kann niemand. Aber Pädophile haben in der Arbeit mit Kindern nichts zu suchen.
Wenn Sie die genannten persönlichen Bedingungen erfüllen, haben Sie beste Voraussetzungen, um in der Frühen Bildung einen spannenden und erfüllenden Beruf zu finden.

Tätigkeitsfelder und Berufe

Die Kindertagespflege


Ausbildung
Tagesmütter und -väter  müssen heute gute Kenntnisse über die Anforderungen der Kindertagespflege nachweisen, die sie z.B. durch Weiterbildungen erworben haben.  Diese Qualifizierungen werden vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und den Arbeitsagenturen finanziell gefördert.
Bezahlung
Wenn das Jugendamt die Tagesmutter vermittelt, erhält diese eine Geldleistung, die beinhaltet:
  • die Sachaufwendungen für das Kind
  • einen Beitrag zur Anerkennung der Förderungsleistung.
  • Sozialleistungen für eine Unfallversicherung
  • einen Teil der Renten- und Krankenversicherung
Der Betrag ist unterschiedlich bei den verschiedenen Ländern und Kommunen.
Am 1. März 2014 waren 147507 Kinder bei 44.860 Tagesmüttern oder -vätern in Pflege, davon 101,132 Kinder unter drei Jahren (Fachkkräftebarometer 2014, S. 14)
 

Die Kita

 
In der Kita arbeiten pädagogische Fachkräfte mit unterschiedlichen Qualifikationen zusammen. Sie alle orientieren sich an den Bildungsprogrammen der Länder für diesen Bildungsort.  Darin  ist festgelegt, welche Kompetenzen Kindern in der Kita vermittelt werden sollen und nach welchen Werten sich die Fachkräfte orientieren (http://www.bildungsserver.de/Bildungsplaene-der-Bundeslaender-fuer-die-fruehe-Bildung-in-Kindertageseinrichtungen-2027.html).
 
Im Prinzip machen alle Fachkräfte die gleiche Arbeit, wenn sie Kinder erziehen und bilden. Aber es gibt Unterschiede. Z.B. dürfen einige Fachkräfte keine eigene Gruppe leiten, sondern brauchen dazu eine besser ausgebildete Kollegin. Auch die Entwicklungsgespräche mit den Eltern erfordern eine hohe Qualifikation, die nicht alle Fachkräfte erworben haben.

Sozialassistentin, Sozialassistent/Kinderpflegerin, Kinderpfleger

Die Ausbildung erfolgt an Berufsfachschulen oder Berufskollegs. Für die Ausbildung ist der Hauptschulabschluss (3 Jahre Ausbildung) oder der Mittlere Schulabschluss (2 Jahre Ausbildung) Voraussetzung. Die Aufgabe liegt in der Betreuung von Kindern und behinderten Menschen. SozialassistentInnen und KinderpflegerInnen werden in einigen, aber nicht in allen Bundesländern, auch in Kitas beschäftigt (Link: http://www.sozialassistentin.com/). Weitere Arbeitsmöglichkeiten sind:
  • in Kinderkrippen, Kinderhorten
  • in Kinderheimen oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderung
  • an Ganztagesschulen
  • in Privathaushalten (mit Kleinkindern)
  • in Erholungs- und Ferienheimen
  • in Kinderkrankenhäusern und -kliniken
Am 1. März 2014 gab es in Deutschland in Kitas und Horten 60.709 KinderpflegerInnen und 5.337 SozialassistentInnen. Außerdem arbeiteten  7140 HeilpädagogInnen als pädagogisches Personal (Fachkräftebarometer 2014, S. 33).
 
Bezahlung
Die Gehälter der SozialassistentInnen sind in den Ländern unterschiedlich und liegen zwischen 1.259 - 3.151 € (http://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Sozialassistent-Sozialassistentin).
Bei Kinderpflegerinnen beträgt das Einstiegsgehalt 1.400 bis 1.800 € (http://www.ausbildung.de/berufe/kinderpflegerin/gehalt/)
 
Staatlich anerkannte Erzieherin/staatlich anerkannter Erzieher
 
Erzieher/innen betreuen und fördern Kinder und Jugendliche. Sie arbeiten hauptsächlich in Kinderbetreuungseinrichtungen, z.B. in kommunalen und kirchlichen Kindergärten, Kinderkrippen, Schul- und Betriebskindergärten sowie Horten oder Heimen für Kinder und Jugendliche. Sie sind auch in Erziehungs- oder Jugendwohnheimen, Jugendzentren, Familien- oder Suchtberatungsstellen, Tagesstätten, Wohnheimen für Menschen mit Behinderung oder in ambulanten sozialen Diensten tätig. Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bieten Kinderkliniken, kirchlich-religiöse Einrichtungen der Kinderbetreuung, Grund- und Sonderschulen oder Internate, Jugendorganisationen und Interessenvertretungen sowie Erholungs- und Ferienheime.
 
Die Bedingungen der Bundesländer für die Ausbildung von ErzieherInnen sind unterschiedlich. Die Weiterbildungsinitiative hat unter http://www.weiterbildungsinitiative.de/nc/studium-und-weiterbildung/anbieter/ (dann auf "Alle Anbietertypen" klicken) die Zugangsvoraussetzungen und Ausbildungsbedingungen  für jedes einzelne Bundesland sowohl für die Berufsfachschulen, wie für die Fach- und Hochschulen beschrieben.
Weitere Informationen finden Sie hier: http://fruehe-bildung.atrivio.net/artikel.php?id=592
 
Am 1. März 2014 arbeiteten 354.530 ErzieherInnen mit Fachschulabschluss in Tageseinrichtungen (Fachkräftebarometer 2014, S. 33)
 
Bezahlung
2015 streikten die ErzieherInnen mehrere Wochen lang. Das Resultat war eine leichte Erhöhung der Gehälter, nachzulesen hier : http://www.gew.de/fragen-und-antworten/ pdf-Datei!
 
Kindheitspädagogin, Kindheitspädagoge
 
Seit 2004 entstehen an Deutschlands Hochschulen Bachelor- und Masterstudiengänge für Bildung und Erziehung im Kindesalter. Ausgangspunkt für die Akademisierung waren die überwiegend akademische Ausbildung für die Frühpädagogik im europäischen Ausland, die Erkenntnis, dass dieser Frauenberuf aufgewertet werden müsste, und das schlechte Abschneiden von Deutschland bezüglich von Bildungsprozessen und -ergebnissen in internationalen Vergleichen .
 
Für das Studium ist die Hochschulzugangsberechtigung Voraussetzung. Immer mehr Hochschulen bieten auch ErzieherInnen in der Praxis ein Bachelorstudium an. Weitere Informationen zur Ausbildung finden Sie hier http://www.weiterbildungsinitiative.de/studium-und-weiterbildung/studium/studiengangsdatenbank/#logo
 
Die Bezahlung von KindheitspädagogInnen ist nicht immer von vorne herein besser als die von ErzieherInnen, die Aufstiegschancen sind aber besser. Mit einem zusätzlichen Masterstudium können KindheitspädagogInnen auch Führungspositionen außerhalb der Kita besetzen oder eine wissenschaftliche Karriere anstreben.
 
Am 1. März 2014 waren 3038 KindheitspädagogInnen in Kitas und Horten tätig (Fachkräftebarometer 2014, S. 34). Dies zeigt, dass die Akademisierung sehr langsam voranschreitet. Der Großteil der Beschäftigten in Kitas wird nach wie vor von ErzieherInnen gestellt.
 
Sozialpädagogin/Sozialpädagoge, Sozialarbeiterin/Sozialarbeiter/
 
Sozialpädagogik oder Sozialarbeit - die Bezeichnungen für das gleiche Studium sind unterschiedlich - kann an Hochschulen studiert werden. SozialarbeiterInnen/SozialpädagogInnen können in ähnlichen Bereichen arbeiten wir ErzieherInnen, werden aber zumeist besser bezahlt, weil sie im Gegensatz zu ErzieherInnen ein Studium absolviert haben. In der Kita gilt dies nicht automatisch, aber wie die KindheitspädagogInnen haben sie bessere Aufstiegschancen.
 
Am 1. März 2014 waren 15.943 SozialarbeiterInnen/ SozialpädagogInnen in Kitas und Horten tätig (Fachkräftebarometer 2014, S. 34).
 

Die Grundschule

 
In Deutschland besteht Schulpflicht ab dem 6. Lebensjahr. Die erste Schulstufe ist die Grundschule. Sie umfasst in den meisten Bundesländern vier Jahre, in Berlin und Brandenburg jedoch sechs Jahre, erstreckt sich dort also bis zum 13. Lebensjahr.
 
Über die Stellung der  Grundschule im deutschen Bildungssystem informiert eine Broschüre in 20 Sprachen, auch englisch und arabisch:
http://www.bildung.koeln.de/schule/artikel/artikel_02480.html
 
LehrerInnen
 
An erster Stelle sind die LehrerInnen zu nennen, die den Kindern grundlegende Fähigkeiten für den späteren Schul- und Berufserfolg vermitteln.
 
Die Lehrerausbildung findet an Universitäten statt und ist in Deutschland ebenso wie die ErzieherInnenausbildung länderspezifisch geregelt. Ähnlich wie bei den Studiengängen der Kindheitspädagogik und der Sozialen Arbeit bieten die Hochschulen jeweils ein eigenes Profil der Ausbildung an. Lehrkräfte absolvieren heute ein Bachelor-Studium, an das sie ein Master-Studium anschließen müssen.
 
LehrerInnen gehören zum Bildungssystem, während ErzieherInnen - und zumeist auch SozialpädagogInnen - zum  System der Kinder- und Jugendhilfe gehören. Das führt zu besseren Verdienstchancen von Lehrkräften von Anfang an. Da die Systeme selten zusammen gesehen werden, gibt es keinen Vergleich der Gehälter. Man muss sich selbst ein Bild machen. Unter http://www.lehrerfreund.de/schule/1s/lehrer-gehalt/3707#lehrergehalt-allgemeines findet man - leider nur in deutscher Sprache - alle Informationen. .
 
SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen
 
Viele Schulen verfügen über Horte, aber seit einigen Jahren gibt es den Trend zur Ganztagsschule, in der die Kinder nicht nur den Vormittag, sondern den ganzen Tag verbringen. Dies ist in vielen anderen Ländern schon lange die Regel, in Deutschland setzt sich die Ganztagsschule nur sehr langsam durch. Die Kultusministerkonferenz verspricht sich davon mehr Chancengleichheit für die Kinder mit unterschiedlichem sozialem Hintergrund und für die Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie (mehr dazu hier: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2015/352-KMK-TOP-009-Ganztagsschulbericht.pdf).
 
Bei den Angeboten außerhalb des regulären Unterrichts sind SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen pädagogisch tätig. Beide Berufsgruppen werden nicht speziell für die Arbeit mit Kindern ausgebildet. Ihre Gehälter sind unterschiedlich, da ErzieherInnen an Fachschulen, SozialarbeiterInnen an Hochschulen ausgebildet werden.
 
Im Schuljahr 2012/2013 nutzten ein knappes Drittel aller SchülerInnen die Angebote der Ganztagsschule, davon 785.000 Kinder in der Grundschule (http://www.ganztagsschulen.org/de/7194.php). ). Im Schuljahr 2013/14 gab es 15.749 Grundschulen. 8.342 Schulen in ganz Deutschland wurden zu Ganztagsschulen gezählt. (http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik/GTS_2013_Bericht.pdf, S. 5Gehen wir davon aus, dass die Anzahl der Ganztagsangebote sich nicht wesentlich verändert hat, so sind  doch etwa die Hälfte der Grundschulen Ganztagseinrichtungen (https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Schulen/Tabellen/AllgemeinBildendeBeruflicheSchulenSchularten.html;jsessionid=33021EEE5354346FDADFA1830C2C7925.cae1)..
 
Dies bedeutet einerseits, dass Horte abgebaut und in die Schule integriert wurden. Zweitens aber, dass mehr und mehr Fachkräfte, die nicht den Lehrerberuf ausüben, in der Schule tätig sind.
 

Die Offene Kinder- und Jugendhilfe

 
In der Offenen Kinder- und Jugendhilfe arbeiten vor allem SozialarbeiterInnen und ErzieherInnen. Ihre Gehälter sind unterschiedlich, weil sie unterschiedliche Ausbildungen haben. Die Verdienstmöglichkeiten für SozialarbeiterInnen finden Sie hier: http://www.gehalt.de/einkommen/suche/offene-Jugendarbeit
 

Quereinstiege - Durchlässigkeit
 

Es gibt in Deutschland derzeit viele Bemühungen, die in einem erlernten Beruf erworbenen Kompetenzen anzuerkennen, wenn jemand seinen Beruf wechseln möchte. Für die Anerkennung sind  letztlich die zuständigen Ministerien der Länder verantwortlich. Auch im Ausland erworbene Qualifikationen müssen von den Ministerien anerkannt werden, bevor eine Berufstätigkeit ausgeübt werden kann.
 

Fazit


Die Ausbildungen aller genannten Berufe finden an unterschiedliche Orten statt, die jeweils unterschiedliche Aspekte der kindlichen Entwicklung betonen.
 
Ein Ziel muss es sein, dass an allen Ausbildungsstätten ein Bild vom Kind vermittelt wird, dem alle denkbaren Chancen zugestanden werden, sich optimal zu entwickeln und diese Entwicklung auch mit zu gestalten.
 
Fachkräfte brauchen hohe Qualifikationen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Ihre Erfahrungen vor Ort sollten genutzt werden, um die Kooperation mit anderen Bildungsorten zu gestalten und Synergieeffekte zu erzielen.
Die Gesellschaft, die Politik, die Wirtschaft haben Sorge zu tragen, dass Fachkräfte, die die Verantwortung für die nachwachsende Generation übernehmen, angemessen wertgeschätzt und bezahlt werden.  
 
Quellen
 
Kindertagespflege: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.):Handbuch Kindertagespflege.www.handbuch-kindertagespflege.de)

Sozialassistenten/Kinderpflegerinnen:
https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/faces/index?path=null/kurzbeschreibung&dkz=9170
https://berufenet.arbeitsagentur.de/berufenet/bkb/9170.pdf
 
Alle Berufsgruppen: Autorengruppe Fachkräftebarometer (2014): Fachkräftebarometer Frühe Bildung 2014. München, Deutsches Jugendinstitut. http://www.fachkraeftebarometer.de
 
http://www.weiterbildungsinitiative.de/studium-und-weiterbildung/studium/studiengangsdatenbank/#logo
 
 

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