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Pädagogische Praxis
16.02.2016  

Tests bei jungen GrundschülerInnen ohne Effekt

Frühere Studien haben bei Erwachsenen einen positiven Effekt von Prüfungen belegt. Aufgrund der Tests können sich Erwachsene im Anschluss besser auf das Erlernen neuer Informationen konzentrieren, denn die Tests verringern mögliche Störungen durch die bereits abgefragten Informationen. Dieser Effekt von Prüfungen zeigt sich auch bei älteren, aber nicht bei jüngeren Grundschülern, wie Forscher der Universität Regensburg nachweisen konnten.
Die Ergebnisse des Forscherteams um Dr. Alp Aslan und Prof. Dr. Karl-Heinz Bäuml (Lehrstuhl für Experimentelle und Angewandte Entwicklungspsychologie) sind in der renommierten Fachzeitschrift „Developmental Science“ erschienen (DOI: 10.1111/desc.12340).

Welchen Einfluss haben Prüfungen auf den anschließenden Erwerb von neuem Wissen? Zur Beantwortung dieser Frage haben die Regensburger Wissenschaftler einen Versuch durchgeführt, an dem insgesamt 144 Probanden teilnahmen. Unter den Versuchspersonen waren 48 jüngere Grundschüler (Durchschnittsalter: 6,7 Jahre), 48 ältere Grundschüler (Durchschnittsalter: 8,8 Jahre) sowie 48 Erwachsene als Vergleichs- bzw. Kontrollgruppe.

Alle Probanden sollten sich im Rahmen des Versuchs vier Listen mit Begriffen einprägen; eigentlich in Erwartung eines späteren Erinnerungstests zu allen vier Listen. Allerdings manipulierten die Forscher die Versuchsbedingungen: Die Probanden wurden entweder gleich nach dem Einprägen einer einzelnen Liste einer Prüfung zu dieser Liste unterzogen, oder die jeweilige Liste wurde zum nochmaligen Lernen wieder vorgelegt. Die Ergebnisse des Versuchs waren eindeutig: Das sofortige Abprüfen der Listen 1-3 verbesserte die Merkfähigkeit für die nachfolgend einstudierte vierte Liste bei den Erwachsenen und älteren Grundschülern, aber nicht bei den jüngeren Grundschülern.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass der positive Effekt von Prüfungen ein vergleichsweise spät auftretendes Phänomen im menschlichen Entwicklungsprozess ist. Der Effekt bildet sich somit erst im Verlauf der Kindheit aus und ist beispielsweise bei Erst- oder Zweitklässlern noch nicht beobachtbar.

In Kombination mit anderen Studien der Regensburger Forscher verweisen die neuen Beobachtungen auch auf ein generelles Problem für die Pädagogik, wenn es darum geht, störende Einflüsse für Lernprozesse bei jüngeren Kindern auszuschalten.

Der Original-Artikel im Internet unter:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/desc.12340/pdf

Quelle: Presseinfo Universität Regensburg

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