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Kinderleben
24.02.2016  Fiona Martzy

Leseförderung wirkt schon bei den Kleinsten

Zahlreiche Studien und aktuelle Ergebnisse der Neurowissenschaften belegen, wie sinnvoll die Sprachförderung bereits im frühen Kindesalter für eine positive Sprachentwicklung und Lesesozialisation ist. Trotz dieser Befunde wird allerdings immer weniger vorgelesen. Die Vorlesestudie der Stiftung Lesen 2014 ergab, dass fast ein Drittel aller Eltern selten bis nie vorlesen. Um dem entgegen zu wirken, wurde 2008 das Projekt „lOSlesen – Leseförderung von Anfang an“ ins Leben gerufen.
Von Anfang wird das Projekt „lOSlesen – Leseförderung von Anfang an“ wissenschaftlich begleitet von den Mitarbeiterinnen Fiona Martzy, Ricarda Menke und Simone Hartmann aus der nifbe-Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik unter der Leitung von Prof. Dr. Renate Zimmer, Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung.


Mehr als 1.000 Familien haben schon teilgenommen

Inzwischen haben mehr als 1000 Familien mit Kindern zwischen 12 und 36 Monaten an den sechs Projektstandorten an den Angebote von lOSlesen teilgenommen. Ziel ist es, die Eltern und natürlich insbesondere die Kinder über alle Sinne an Bücher heranzuführen, die Faszination der Bücherwelt zu vermitteln und über das Vorlesen die sprachlichen Fähigkeiten von der Wortschatzerweiterung bis zum Dialog zu fördern. Im „Bücher Baby-Treff“ können Kinder so ab einem Jahr zusammen mit ihren Eltern in den Bibliotheken sich mit Büchern und Geschichten auseinandersetzen und werden dazu motoviert, dies auch zu Hause fortzuführen. Das Projekt wurde von der VGH-Stiftung und der Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte gefördert. Die Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück fördert seit 2014 die die Ausweitung des Programms auf Veranstaltungen außerhalb der Bibliotheken wie z.B. in Familienzentren.


Präsentation der Evaluationsergebnisse

Die neue Evaluationsergebnisse zum Projekt "lOSlesen" wurden in der Stadtbibliothek Osnabrück durch die nifbe-Forschungsstelle Bewegung und Psychomotorik im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert. Nach einem bewegten humorvollen Intro des Kinderchors „Piepmätze“ und Grußworten von Patricia Mersinger, Fachbereichsleiterin Kultur der Stadt Osnabrück und Johannes Hartig, Vorstandsvorsitzender der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück legte Prof. Dr. Renate Zimmer in ihrem Vortrag „Mit dem Körper die Bücher entdecken – sinnliche Zugänge zur Lese- und Sprachkompetenz“ dar, wie wichtig das Vorlesen insbesondere auch für die kindliche Schrift- und Sprachsozialisation ist und welche Möglichkeiten es gibt, um Kinder unter Drei zur Auseinandersetzung mit Büchern und Geschichten zu motivieren und ihr Interesse zu wecken. „Besonders wichtig ist hierbei die Verknüpfung von Vorlese- und Erzählsituationen mit bewegungs- und handlungsorientierten Elementen in ihrem. Die Bewegung zählt zu den wesentlichen Dimensionen der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung. Bewegung und Sprache sind zwar in ihrer Entwicklung getrennt voneinander zu betrachten, aber sie entfalten sich gleichzeitig in Abhängigkeit voneinander und beeinflussen sich gegenseitig“ erläutert Zimmer.

Anschließend wurden die aktuellen Ergebnisse der Folgeevaluation der zweiten Projektphase (2012-2014) vorgestellt, in deren Rahmen teilnehmende Eltern der „Bücher-Baby-Treffs“ und „Mit 2 dabei“-Gruppen aller sechs beteiligten Bibliotheken schriftlich befragt und zusätzlich vertiefende qualitative Interviews mit Eltern geführt worden waren.


98% der TeilnehmerInnen war sehr gut bis gut zufrieden

Die präsentierten Ergebnisse zeigten, dass die Eltern die lOSlesen-Stunden insgesamt sehr positiv (71 % der Befragten mit „sehr gut“, 27 % der Befragten mit „gut“) bewerteten und darüber hinaus zusätzlich allgemeines Lob und Anerkennung für das Angebot bzw. die Gruppenleitung aussprachen. Diese sehr positive Resonanz wurde häufig ergänzt durch den Wunsch seitens der Eltern, auch Angebote für Kinder ab drei Jahren zu etablieren. Auch die Rahmenbedingungen wie z. B. Zeitdauer, Räumlichkeiten und Gruppengröße wurden überwiegend sehr positiv eingeschätzt. Die befragten Eltern gaben an, dass die von der Bibliothek gesetzten Ziele alle zu einem sehr hohen Prozentsatz (über 90%)in dem Projekt umgesetzt wurden. Die Entwicklung der Lesefreude am Buch wird sogar von 97,6 % der TeilnehmerInnen als erreicht angesehen. In der zweiten Projektphase zeigte sich, dass eine signifikant höhere Anzahl an teilgenommenen Stunden vorliegt (23 % mehr als 40 Stunden). Diese deutliche Kontinuität der Teilnahme ist ein weiteres Indiz für die hohe Zufriedenheit der TeilnehmerInnen. Es wird deutlich, dass die TeilnehmerInnen in der 2. Projektphase noch zufriedener mit dem Angebot waren als schon in der ersten Projektphase. Dies lässt darauf schließen, dass die AnbieterInnen es geschafft haben, die Qualität des Angebotes nochmals zu steigern und den Bedürfnissen der Teilnehmenden anzupassen.

Die mittlerweile zweite Evaluation durch die nifbe-Forschungsstelle bestätigt damit einmal mehr mit sehr guten Werten den Erfolg des Angebotes.


Auch Familien mit Migrationshintergrund wurden erreicht

„Hocherfreut“, zeigte sich Beatrice Le Coutre-Bick von der Stadtbibliothek Osnabrück über die Ergebnisse der zweiten Evaluation: „Die Eltern haben die Gruppen als positiv und wertvoll anerkannt“, sagte die Projektsprecherin und Leiterin des Literaturbüros Westniedersachsen. Die Mütter und Väter der teilnehmenden Kinder hätten angemerkt, dass ihre Kinder sich durch das Projekt sprachlich stärker entwickelt hätten und mehr Dialog einfordern würden. Sie freut sich zudem darüber, dass durchgängig 15 bis 20 Prozent Familien mit Migrationshintergrund im Projekt dabei seien.

Da das Projekt „lOSlesen – Leseförderung von Anfang an“ weitergeführt und erweitert wird, wäre es denkbar eine dritte Begleitungsperiode durchzuführen. Neben den bestehenden Angeboten werden seit Ende 2014 unter dem Motto „lOSlesen – zieht Kreise“ Lesestunden in Familienzentren angeboten. Ermöglicht wird diese Projektphase durch die Förderung von Seiten der Stiftung der Sparkassen im Landkreis Osnabrück (2014–2017). Kerngedanke und Hauptziel dieser Angebotsform ist es, noch mehr Eltern und Kinder aus bildungsfernen Milieus zu erreichen, indem man den Eltern „entgegen“ kommt und sie vor Ort abholt, wo sie täglich mit ihren Kindern sind.

Download Evaluationsbericht

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