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Rezensionen und Reviews
16.02.2018  Christiane Hartmann

Fachzeitschriften: Neues für die Kita 2/2018

Zehn Kita-Fachzeitschriften werden ausgewertet. Es geht darum, wohin sich die Kitas in Zukunft bewegen, um Kindertageseinrichtungen im Fokus der Zukunftsforschung. Auch die Draußenspiele im Winter und die Vorbereitungen für Ostern kommen zum Zuge. Und es geht u.a. um Nachdenken über die Ethik pädagogischer Beziehungen. Dies ist nötig, sind doch seelische Verletzungen die häufigste und zugleich am meisten ignorierte Gewaltform im Bildungswesen. Mit unserem knappen Überblick möchten wir Sie ins Bild setzen.

Der Überblick umfasst Mitte Februar 2018 folgende Fachzeitschriften:

Wohin bewegt sich die Kita?

Thomas Rauschenbach, der Direktor des Deutschen Jugendinstitutes, umreißt in TPS 1/2018 die großen politischen Debatten der jüngsten Kita-Geschichte: "Gesellschaftlich hat die Kita einen erheblichen Reputationsgewinn erfahren, der seinesgleichen sucht: Sie ist nicht nur zu einem zentralen Jobmotor der Kinder- und Jugendhilfe, sondern des gesamten Arbeitsmarktes geworden." (S. 6)

Anke König untersucht den boomenden Sektor und kommt zu dem Schluss, dass Kindertagesstätten zu den zukunftsträchtigen Arbeitsfeldern in Deutschland gehören. Für die Zukunft wichtig sind hohe Durchlässigkeitsstrukturen in Ausbildung und Studium. Anke König warnt vor einer Gleichstellung von fachfremden Qualifikationen, denn Deprofessionalisierung statt Modernisierung wären die Folgen. (S. 13)

Angebot und Nachfrage aus der Elternperspektive werden von Christian Alt, Katrin Hüsken, Sandra Hubert und Kerstin Lippert untersucht. 

Wir haben es heute mit einer Infantilisierung der Armut zu tun. Daniela Kobelt Neuhaus schreibt: "Materielle Armut und niedrige Bildung verringern die Aussichten von Kindern und Erwachsenen und beeinflussen die Gesundheit." (S. 19) Eine erfolgversprechende Strategie zur Unterstützung armer Familien ist der Ausbau von Kitas zu Familienzentren als Bildungs- und Gesundheitsknotenpunkten in Kommunen. Aus Sicht von Daniela Kobelt Neuhaus sind folgende Stichpunkte zur Weiterentwicklung von Familienzentren mit niederschwelligem Zugang zentral:
  • "Entsäulung der Zuständigkeiten zugunsten von Kooperation und Vernetzung in Richtung "ganzheitliche" Sichtweisen auf Familien,
  • sozialräumliche Orientierung: vorgehalten wird, was gebraucht wird.
  • Komm- und Geh-Struktur.
  • ein umfassendes Angebot von der frühen Elternschaft bis hin zu Angeboten für Senioren verbunden mit Beteiligungsmöglichkeiten.
  • zusammen wirken: Alle Akteure unterstützen sich gegenseitig durch ihre Kompetenzen und durch ihre Finanzierungsstruktur." (S.21)
Dominique Gönder wagte mit ihrer Studie "Kita 2030" einen Blick in die Zukunft deutscher Kindertageseinrichtungen. Sie mahnt: "Zukunft ist gestaltbar"! Wenn wir uns der Gestaltung verweigern, werden unsere Kindertagesstätten vielleicht niemals Orte für chancengerechte und qualitativ hochwertige Bildungs- und Sozialisationsangebote sein. (S. 29)  Sie macht Mut zur bestmöglichen Gestaltung der zukünftigen Kindertageseinrichtungen. 

Zur Sicherung eines ausreichenden Platzangebotes und zur Qualitätssicherung der Kindertagesbetreung vor Ort ist eine kommunale quantitativ und qualitativ ausgerichtete Entwicklungsplanung erforderlich. Heidrun Barnikol-Veit empfiehlt: "Eine umfassende Entwicklungsplanung sollte wenigstens alle fünf Jahre durchgeführt werden und diesen Zeitraum sowohl im Rückblick als auch in der Perspektive umfassen. In Regionen mit sehr dynamischen Bevölkerungsentwicklungen, z.B. dem Rhein-Main-Gebiet, sind zwei bis dreijährige Abstände zu empfehlen." ( TPS 1/2018, S. 41)

Personalmangel und -wechsel als Normalität

Über diese Herausforderung für Team und Leitung schreibt Herbert Vogt in TPS 1.2018.
Und Sonja Alberti erklärt, wie man die Wahrheit als Chance nutzt und personelle Notsituationen den Eltern trasparent macht. 

Wenn Kinder ungewaschen sind 

Das kommt vor: Ein Kind ist schmutzig und riecht so stark, dass es von den anderen Kindern gemieden wird. Und nun? Martina Teschner und Herbert Vogt betrachten in ihrer neuen  TPS-Kolumne häufige, nicht leicht lösbare Alltagssituationen in Kitas. 

Im Winter geht was: Draußenspiele

Pit Brüssel vertritt in Welt des Kindes den Standpunkt, dass Kindern auch in der kalten Jahreszeit Potentialentfaltung in der Natur ermöglicht werden sollte. Wie man den zusätzlichen Spiel- und Erfahrungsraum "Außengelände" den ganzen Tag über nutzen kann, zeigt Veronique Braun in Welt des Kindes, die sich in der Januar-Februar-Ausgabe die Draußenspiele als Schwerpunkt gesetzt hat. Auch das Kreative Gestalten in der Natur kommt nicht zu kurz. Lucia Menz erklärt, wie mit einfachsten Mitteln zauberhafte Landart-Kunstwerke geschaffen werden können. 

Was ein Waldkindergarten in der kalten Jahreszeit macht, schildert Anja Seitz in ihrem Beitrag "Abenteuer im Winterwald". Das SPEZIAL zu Welt des Kindes handelt davon, wie aus Ästen, Stöcken und Brettern Kunstwerke aus Holz geschaffen werden. 

Debatte über die offene Arbeit

Frank Jansen, der Geschäftsführer des Verbands Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder (KTK) - Bundesverband e.V. hat mit einem Plädoyer für die offene Arbeit eine Debatte in Welt des Kindes ausgelöst. 

Kinder schützen, fördern, beteiligen: Was ist erreicht, was bleibt zu tun?

frühe Kindheit 06/17 dokumentiert die Jubiläumstagung anlässlich 40 Jahre Deutsche Liga für das Kind. Die Tagung stand unter dem Motto "Kinder schützen, fördern, beteiligen: Was ist erreicht, was bleibt zu tun?" Besonders eindrucksvoll war eine aktuelle Initiative, die Annedore Prengel vorgestellt hat: die Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen. Hintergrund für diese Initiative ist u.a., dass Annedore Prengel davon ausgeht, "dass durchschnittlich mit jeder zwanzigsten pädagogischen Interaktion eine starke eindeutig als unzulässig zu erachende Verletzung einhergeht" (S.24). So, wie es eine Tierethik, eine Medizinethik oder eine Medienethik gibt, muss es auch eine Ethik pädagogischer Beziehungen geben. Interessant ist auch das Interview, das Hilde von Balluseck für Frühe Bildung online mit Annedore Prengel führte. 

Lore Maria Peschel-Gutzeit zieht in frühe Kindheit 06/17 die Bilanz von 40 Jahren Arbeit der Deutschen Liga für das Kind, deren Aufgaben nicht kleiner geworden sind. Über die soziale Lage und Bildung referiert Jutta Allmendinger. Skeptisch sein mag man in Anbetracht der Initiative, ein Wahlrecht ab Geburt zu fordern (Axel Adrian). Es gibt auch einen Beitrag zur Neurobiologie im Säuglingsalter (Nicole Strüber), in dem u.a. erläutert wird, wie vorgeburtliche Erfahrungen die spätere Stressbewältigung prägen. Die Frühen Hilfen und der Kinderschutz (Ute Thyn) spielen bei der Bestandsaufnahme genauso eine Rolle wie die Zukunft der Kinderrechte (Lothar Krappmann). 

Der Frühling erwacht

In MUSIK in der KITA 1/2018, dem Praxismagazin für die wichtigen Jahre von 2 bis 6, zeigen Elke Gulden und Bettina Scheer, wie die Kinder zu Mark Forsters Gute-Laune-Song Sowieso tanzen, klatschen und hüpfen können. Die kunterbunt verrückte Faschingszeit kommt zu ihrem Recht (u. a. Sylvia Manina Dürkop und Christine Möller) ebenso wie die Osterzeit. Elke Gulden und Bettina Scheer präsentieren mit der Suche nach dem Osterei eine Geschichte zum Bewegen und Mitmachen. Von Wolfgang Hering stammt eine gut brauchbare Sammlung von Finger- und Babyversen aus aller Welt. Ein musikalisches Theaterstück von Andrea Rittersberger hat Vogelgezwitscher und Frühlingsboten zum Thema. Dem Heft MUSIK in der KITA liegt wie immer eine Audio-CD bei, welche viele der im Heft vorgestellten Lieder als Original und Playback enthält. 

Spielideen zu Ostern spielen auch in klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN 02-03/2018 eine große Rolle,

Lachen - Humor mit Kindern

"Wann haben Sie zuletzt mit ihren Kita-Kindern gelacht?" fragt klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN 02-03/2018.  Und: über was? Humorvolles Betrachten von Alltagssituationen verleiht so mancher Gegebenheit Gelassenheit und verbindet die Beteiligten positiv miteinander. Wie kann Humor im Alltag erlebt werden und welchen Humor verstehen Kinder? Der Pädagoge Jan-Uwe Rogge beantwortet Fragen von Sibylle Münnich (Chefredakteurin von klein&groß) zum Humor. Die Lachyogalehrerin Kerstin Sauerbrey vermittelt das Lachyoga, das Lachen ohne Grund und gibt viele Tipps, wie Sie die Kinder in die Bewegung und Entspannung bringen. Heike Heilmann erzählt von zwei sehr unterschiedlichen Erzieherinnen und ihrer jeweiligen Art, Kindern Lebensfreude zu vermitteln. 

In der Krippe sind Rituale ganz besonders wichtig, denn sie sind Fixpunkte im Alltag der Kinder und damit Anker im Tagesablauf. Peggy Sarnowsky-Bresnik schreibt darüber, dass besonders jüngere Kinder Kontinuität und Rituale brauchen, an denen sie sich orientieren können, damit die Welt um sie herum überschaubar und somit berechenbarer ist. 

Ideen zum Geburtstage feiern mit Krippenkindern vermittelt Nadia-Michaela Quast. Unter dem Titel "Schwing das interkulturelle Tanzbein" steuert Noreen Naranjos Velaquez rhythmisch-musikalische Überlegungen bei. Wie wäre es mit folgender Musik?
  • "Brasilien: Bossa-Nova, Samba
  • Frankreich: Cancan, Menuett, Quadrille
  • Griechenland: Sirtaki
  • Italien: Tarantella
  • Kuba: Cha-Cha-Cha, Mambo
  • Lateinamerika: Cumbia, Salsa
  • Mexiko: Huapango, Polka, Danzon
  • Polen: Polonaise, Mazurka, Krakowiak
  • Portugal: Fado
  • Serbien: Kolo
  • Spanien: Flamenco
  • USA: Boogie-Woogie, Country- und Westernmusik, Gospel, Ragtime" (S. 25)

Leitungskräfte stärken!

Alle Kitafachzeitschriften, aber insbesondere KiTa aktuell MO 1.2018, haben die Stärkung der Leitungskräfte zum Thema. Unzureichende Zeitressourcen, mangelnde Unterstützungsstrukturen und unbestimmte Tätigkeitsprofile: ein Dreiklang, den viele Kita-Leitungen in Deutschland nur zu gut kennen. Wie sie in ihrer Position gestärkt werden können, zeigen Anne Münchow und Kathrin Bock-Famulla (beide Bertelsmann-Stiftung) in KiTa aktuell MO 1.2018

Auch die Neuregelung des Infektionsschutzgesetzes wird breit erläutert und diskutiert. Kitas sind seit Mitte 2017 verpflichtet, Eltern, die keinen Nachweis über eine erfolgte Impfberatung vorlegen können, namentlich dem Gesundheitsamt zu melden. "Was bedeutet die Gesetzesänderung in der Praxis und für das Vertrauensverhältnis zwischen Kita-Leitung und Eltern?" fragt und beantwortet Volker Abdel Fattah in KiTa aktuell MO 1.2018

In KiTa aktuell Baden-Württemberg 1.2018 beschreibt Eva Kleß die Aufgabenbereiche einer Kita-Leitung und macht auf die fehlende Diskussion bezüglich der Zuständigkeiten für diese Aufgabenbereiche aufmerksam. Leitungsaufgabe ist auch die Teamstärkung. Hier berichtet Silke Trück von außergewöhnlichen Fortbildungstagen mit Elementen aus der Stockkampfkunst.

In klein&groß MEIN KITA-MAGAZIN orientiert Anja Mannhard die LeserInnen über Mitarbeiterbeurteilung und Abschluss von Zielvereinbarungen. 

Der Diplom-Psychologe Albert Horbach wirft in kinderleicht!? einen Blick auf bewusste und weniger bewusste Motive, die zur Übernahme von Leitung einer Kita geführt haben. Dieser Blick ist sinnvoll, schließlich wählt keine Erzieherin ihren Beruf, um später eine Kita zu leiten. Was um alles in der Welt hat mich dazu bewogen? heißt Horbach's Beitrag. 

Was jede Kita tun kann, um bindungssensibel zu werden

Neueren Erkenntnissen aus der Hirnforschung zufolge haben Kinder nur eine begrenzte Kapazität an Bindungsmöglichkeiten: nämlich maximal fünf Bindungsplätze in den ersten zwei Lebensjahren. Die Psychologin Sonja Eiden hat in kinderleicht!? 1/2018 zusammengetragen, was jede Kita (Leitung und Träger, Leitung und Gruppen, Erzieherinnen und Erzieher) dafür tun kann, um als Kita bindungssensibel zu werden

Eingreifen, bevor es zu spät ist - Kita-Sozialarbeit

In kinderleicht!? 1/2018 ist ein Interview mit drei Mitarbeitern des Jugendamtes Heinsberg enthalten. Dort wurde im August 2017 eine Jugendamtsstelle in der Kita geschaffen - mit bisher guten Erfahrungen. Die Stelleninhaberin ist Heilerziehungspflegerin und hat Soziale Arbeit studiert. Die Kita-Sozialarbeit (Stellenbeschreibung ist in kinderleicht!? abgedruckt) ist Ansprechpartner für alle 11 städtischen Kindertagesstätten. 

Typisch Junge, typisch Mädchen? - Spielzeug und Geschlecht

Dies ist das Schwerpunktthema von ZeT 1/2018, der Zeitschrift für Tagesmütter und -väter. Können die Mädchen in ihrer Kleidung und mit ihren Schuhen rennen, klettern, toben? Wird mit den Jungen mit Begeisterung jeder Bagger auf der Straße und jedes Flugzeug am Himmel beobachtet? Sabine Sundermeier hat darüber nachgedacht, warum das, was wir tun und was wir lassen, von großer Bedeutung für eine offene, vielseitige und vorurteilsfreie Erziehung ist. Das aktuelle Spielwarenangebot und die Botschaften des Gendermarketing werden von Almut Schnerring skandalisiert. Schließlich propagieren sie Rollenbilder, von denen wir gerne glauben, sie längst überwunden zu haben und prägen das geschlechtsbezogene Spielverhalten von Kindern - ein Trend, der sich in den letzten Jahren sogar verstärkt hat. Und Elsa Müller, seit 35 Jahren Tagesmutter, reflektiert ihre Erfahrungen betreffend geschlechtsspezifisches Spielverhalten in ZeT 1/2018

Das Recht am eigenen Bild in der Kita

In KiTa aktuell Recht 4/2017 wurde klar gestellt, dass jedes Kind ein eigenes Recht an seinem eigenen Bild hat. Dieses Recht genießt als Ausprägung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts Verfassungsrang. Es ist daher grundsätzlich nicht erlaubt, Fotos von Kindern ohne Einwilligung der Eltern zu fertigen oder zu verbreiten. In KiTa aktuell Recht 01.2018 geht es um rechtliche Grundregeln zum Umgang mit Fotos, die von Astrid Mix-Strzoda erläutert werden. Für die Einwilligung der Eltern zur Veröffentlichung von Fotos gilt das Schriftformerfordernis. Das Fazit der Autorin: Bereits vor dem Fotografieren und Filmen der Kinder, der Erziehungsberechtigten und des Personals der Kindertageseinrichtung sollten sich die Beteiligten besprechen, wer wann und zu welchem Zweck Fotos und Filmaufnahmen macht und welche Verbreitung der Bilder beabsichtigt ist. Hierfür sollten vorab die erforderlichen Einwilligungen eingeholt werden. Alle davon nicht erfassten Foto- und Filmaktionen oder Verwendungsabsichten bedürfen einer gesonderten Einwilligung." (S.18)

Weitere Theman in KiTa aktuell Recht 01.2018

Sabine Dahm behandelt in KiTa aktuell Recht 01.2018 die Extra-Kosten für das zu späte Abholen und geht speziell auf die Rechtslage von kommunalen Kitas ein. Es handelt sich bei den Extra-Kosten um eine besondere Benutzungsgebühr. "Die Kommunen dürfen in ihren Satzungen solche Benutzungsgebühren für ihre Kindertageseinrichtungen erheben, wenn sie dabei das Kommunalabgabenrecht beachten. Hierbei ist besonders zu berücksichtigen, dass die Gebühren für die Inanspruchnahme einer öffentlichen Leistung  - hier also für das zu späte Abholen des Kindes - die voraussichtlichen Kosten der Kommunalleistung nicht überschreiten" schreibt Sabine Dahm (S. 32). 

Auch die Rechtsgrundlage der Inklusion, der erweiterte Arbeitnehmerdatenschutz, das Verlieren eines Dienstschlüssels, die "Ehe für alle" und das neue Mutterschutzgesetz werden behandelt. Der gemeinnützige "e.V." bleibt zulässige Rechtsform für Kita-Träger. 
 

Foto: Fotolia/Robert Kneschke


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