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Perspektiven
20.02.2018  Christian Brahmann

Schulbücher schneller erneuern

Längst bestimmen Smartphones und Tablets unseren Alltag. Problematisch wird es, wenn Schulbücher diesem Trend hinterherhinken. „Schulbücher werden gemeinhin als träge Medien bezeichnet“, sagt Eckhardt Fuchs, Direktor des Georg-Eckert-Instituts (GEI) in Braunschweig. Das heißt, Veränderungen können dauern.
Dennoch sieht der Professor für Historische und Vergleichende Bildungsforschung positive Beispiele. Auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover verleiht das GeorgEckert-Institut am 20. Februar gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Didacta Verband den Preis „Schulbuch des Jahres“. In der deutschen Bildungslandschaft sei „cloud computing“ gerade ein heißes Thema, sagt Fuchs. Dabei sollen langfristige und verlässliche Strukturen entstehen, über die Lehrer und Schüler mit digitalen Medien orts- und geräteunabhängig arbeiten können. Die Cloud-Lösungen funktionieren laut Fuchs ähnlich wie bekannte Angebote wie zum Beispiel Dropbox. Weil sie aber vom Land oder Bund betrieben werden, bieten sie im Vergleich zu profitorientierten Angeboten Vorteile in Bezug auf die Datensicherheit. „Schwieriger gestalten sich die Fragen nach den Inhalten, die zukünftig in der Cloud für Bildungszwecke zur Verfügung stehen“, erläutert Fuchs.

Forscher: Analoge und digitale Medien müssen sich ergänzen

Für den Bildungsforscher stehen digitale und traditionelle analoge Medien nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Bei den Nominierungen für den Preis „Schulbuch des Jahres“ seien vor allem ergänzende Materialien wie Arbeitsblätter, DVDs und Internet-Links aufgefallen. Als Beispiel nennt Fuchs das „Mbook Geschichte“ von Cornelsen, bei dem die Verlinkung mit frei verfügbaren Materialien im Netz herausragend sei. Das mache das Fach Geschichte spannend. Erweiterungen wie QR-Codes seien zudem längst im Einsatz. Dass die Digitalisierung die Gestaltung von Unterricht verändert und erweitert, sei heute klar, sagt Ilas Körner-Wellershaus, Leiter beim Ernst Klett Verlag. Noch gebe es aber kein Rezept, wie ein digital gestützter Unterricht aussehen müsse, um das Lernen nachhaltig positiv zu beeinflussen. Für den Braunschweiger Lehrer Sebastian Staak reagieren die Verlage zu langsam auf Veränderungen. „Wir haben eine Schülergeneration, die anders liest als vor zehn Jahren“, sagt Staak. „Darauf gehen die Verlage noch nicht ein. Sie entwickeln sich zwar langsam, hätten aber schon mehr schaffen können.“ Sein Alltag sei noch entfernt von multimedialen Lernlandschaften, es dominierten Arbeitsblätter auf Papier: „Wir Lehrer kopieren ganze Regenwälder leer.“

Lehrerin: Schulbücher müssen mehr differenzieren

Tomke Dreier, Lehrerin in Seesen, sagt: „Im Zuge der Inklusion muss auch das Schulbuch differenziert aufgebaut sein.“ Wichtig sei, dass Bilder die Texte unterstützen und sinnvoll ergänzen. Oft hätten die Bilder leider keinen Bezug zu den inhaltlichen Schwerpunkten. Als positive Entwicklung sieht Bildungsforscher Fuchs, dass Schulbücher besonders in der Kategorie Sprache zunehmend realistische Bilder vermitteln, etwa indem Kinder mit Schulproblemen auftreten. Auch familiäre Konflikte würden aufgegriffen. „Die Schulbücher sensibilisieren interkulturell, beschäftigen sich mit Alltagsfragen oder greifen Jugendsprache auf“, sagt Fuchs. In Zukunft werde zunehmend auch die Erwartung an die Bildungsmedien gerichtet, die Diversität der Schülerschaft zu spiegeln und religiöse sowie kulturelle Fragen anzusprechen. „Im Klassenzimmer sitzen junge Menschen, die unterschiedliche Sichtweisen auf die Geschichte und verschiedene Erfahrungen zu Lebensweisen und Familienkonstellationen aus ihren Elternhäusern mitbringen“, sagt Fuchs. Häufig seien Minderheiten allerdings noch als neu, anders oder fremd markiert. Die Politik habe zwar schon Weichen dafür gestellt, dass die Vielfalt in den Materialien und Lehrplänen vorkommt. In der Praxis sei das aber noch nicht angekommen, auch weil die Lehrerschaft und damit die Autoren von Schulbüchern noch sehr homogen seien. „Die Bücher werden sich aber erst so richtig verändern, wenn Menschen unterschiedlicher Prägung an ihnen mitschreiben“, meint der Forscher.

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Foto: Shutterstock
 

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