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Kindliche Entwicklung
18.04.2018  Sandra Trauner (Frankfurt/Main)

Einzelkinder in der Minderheit

Die meisten Kinder wachsen mit Geschwistern auf. Im Jahr 2016 lebten 81 Prozent aller Zehnjährigen in Deutschland mit einem Bruder oder einer Schwester in einem Haushalt, wie das Statistische Bundesamt anlässlich des Tags der Geschwister mitteilte.
Im Vergleich zu vor zehn Jahren blieb der Wert nahezu unverändert: 2006 lebten 82 Prozent der zehnjährigen Kinder mit Geschwistern zusammen. Unterschiede gibt es vor allem zwischen Ost- und Westdeutschland: Wäh-rend 2016 im Osten 75 Prozent der Zehnjährigen mit Bruder oder Schwester zusammenlebten, lag der Anteil im Westen bei 82 Prozent. Auch bei großen und kleinen Gemeinden ist nicht alles gleich: Während in kleinen Gemeinden bis 5000 Einwohner 83 Prozent der zehnjährigen Kinder mit Geschwistern lebten, lag dieser Wert in Gemeinden ab 500 000 Einwohnern bei 78 Prozent.
Die Ergebnisse basieren auf dem Mikrozensus, für den jährlich ein Prozent der Haushalte befragt wird.

Charakterbildung in der Familie

Egal, ob man sich gut versteht oder viel streitet: Mit Geschwistern aufzuwachsen, prägt den Charakter. „Geschwisterbeziehungen stellen die längsten Beziehungen im Leben eines Menschen dar“, schreibt die Salzburger Erziehungswissenschaftlerin Christine Schmid. „Die in Geschwisterbeziehungen erworbenen Fähigkeiten und Verhaltensweisen haben Auswirkun-gen auf das spätere Leben.“

Was Kinder von Geschwistern lernen – darüber gibt es zahllose Artikel und Bücher. Die Autoren sind sich einig: Geschwister „bieten die Möglichkeiten, Beziehungen zu trainieren“, wie Jürg Frick es formuliert, Autor des Buchs „Ich mag dich – du nervst mich!“ Wer Brüder oder Schwestern habe, lerne zu streiten, sich durchzusetzen und auch mit Gefühlen wie Liebe und Hass umzugehen.

Reihenfolge wirkt sich kaum aus

Anders als die Küchenpsychologie vermutet, hat es aber kaum Einfluss auf den Charakter, ob man Erstgeborener, Sandwichkind oder Nesthäkchen ist. Forscher aus Leipzig und Mainz haben für eine 2015 veröffentlichte Studie Untersuchungen mit mehr als 20 000 Teilnehmern aus den USA, Großbritannien und Deutschland ausgewertet. Das Ergebnis: Wie emotional, extrovertiert oder gewissenhaft ein Mensch sei, habe keinen Zusammenhang mit der Reihenfolge der Geburt.

Quelle: © dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH. Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Inhalten, Texten, Grafiken und Bildern ist ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der dpa unzulässig. Dies gilt insbesondere für die Verbreitung, Vervielfältigung und öffentliche Wiedergabe sowie Speicherung, Bearbeitung oder Veränderung.
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Foto: fotolia/okzana kuzmina
 

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