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Ästhetische Bildung
22.04.2018  Renate Mann

Das Bilderbuch Der rote Punkt als Beitrag zu Visual Literacy im Unterricht

Obwohl Kinder aller Gesellschaftsschichten in Europa und anderswo mit einer Flut von Bildern aufwachsen, scheint zumindest in westlichen Ländern der Blick in ein Bilderbuch, und seit Neustem in eine Graphic Novel, ungebrochen. Während der kindliche Alltag in freier Zeit meist mit bewegten Bildern gefüllt wird, setzt Pädagogik im Rahmen der visual literacy primar auf illustrierte Texte. Frühe Bildung online verdankt diesen Beitrag der hessischen Kunsterzieherin Renate Mann.

Bilder für Kinder und deren Eltern, bewegt oder statisch, vermitteln Zielgruppen angepasste Werbebotschaften analog auf Plakaten und Lebensmittelverpackungen und digital als Videos in Sendepausen der privaten Kindersender. Sie setzen die kleinen Zuschauer auch in einer Unzahl von digital produzierten "Trickfilm"-Sequenzen, oft in der Adaption von klassischen Geschichten und Büchern, meist von den Eltern unkontrolliert, über Stunden aus. Betrachtet man zusätzlich die sozialen Netzwerke ist der privat initiierte, inflationäre Umgang von z.B. von Familien- und Urlaubsbildern ein Zeichen dafür, dass sich in der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts längst ein Wandel hin zu einer stark visuell geprägten Wahrnehmung vollzogen hat und gerade von Jüngeren kaum noch kritisch hinterfragt wird.

Fast kontra produktiv setzt schulische Bildung in unserer Kultur bis heute immer noch auf Schriftsprachlichkeit, das wohl eher der Trägheit notwendiger pädagogischer Reformen geschuldet ist, als einer kritische Anpassung an schulische Wirklichkeit. Und dies trotz eines langen, kontinuierlich erforschten Umgangs von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Medien. Das ist sehr polemisch formuliert, zeigt jedoch, wie schwierig es zu sein scheint, einen Konsens in dem Moloch Bildungssystem zu finden. Obwohl, das sei an dieser Stelle gesagt, alles über Methoden sinnvollen Lernens in den letzten fast 150 Jahren, natürlich ohne das Wissen der rasanten digitalen Entwicklung, gesagt ist. Immerhin stellen sich die Bildungsminister der Länder stetig der Problematik, suchen jedoch die Lösung in den Ausstattungen der Schulen und nicht flächendeckend verstärkt der Professionalisierung der Lehrenden.

Jedermann weiß, dass es notwendig ist, auf die zunehmende Visualisierung in jeglicher Form zu reagieren, Medienkompetenz in den Mittelpunkt von Unterricht zustellen und folglich Bilder gezielt einzusetzen. Aber es würde unserer liberalen Gesellschaft nicht gut tun, auch bildungsorientierten, visuellen Medien vollkommen das Feld zu überlassen. Es wäre sträflich, Sprache und Literatur vollkommen zu vernachlässigen, sind sie doch das Medium, das ein eigenes, von medialen Einflüssen entferntes (soweit es überhaupt noch möglich ist). "Kino im Kopf" entstehen lasst Ein Bilderbuch ist wunderbar geeignet, Visuelles und Sprache zu verbinden.

 

Anmerkung zum Unterricht

Gerade diesem Umstand soll das folgende Projekt Rechnung tragen: Der rote Punkt ist Protagonist und Identifikationsfigur in einem minimalistisch gestalteten Bilderbuch, dessen Text zunächst nur einführende bzw. unterstützende Funktion hat. Dieser Ansatz bietet viel Raum für individuelle Assoziationen der Kinder und soll sie in die Lage versetzen, eigene Ideen im besten Fall als Erzählbilder umzusetzen. Das Buch endet mit einem unvorhergesehenen Ereignis, vermittelt einen kleinen Einblick in den Kunstbetrieb und führt zu einer möglichen Adaption gängiger Ausstellungspraxis.

Primär wurde es für den Einsatz im Kunstunterricht geschrieben, kann aber auch Fächer verbindend als ein etwas ungewöhnlicher Impuls in Mathematik (Einführung in geometrische Formen) in Deutsch (Schreiben eines Berichtes) eingesetzt werden.

Bezogen auf den Umgang mit dem Buch könnte man mit einem roten Punkt als stummen Impuls anfangen und den Kindern Raum für freie Assoziationen geben. Danach wird das Bilderbuch gezeigt und besprochen. Erst dann beginnt die Gestaltungsphase mit den eigenen Ideen der Kinder. Dabei sollten ihnen verschiedene Formate, Papierqualitäten und Kreiden bzw. Farben zur Verfügung stehen. Der Arbeitsauftrag lautet:

"Malt Bilder, die vermutlich in der Galerie gehängt haben und zeigt, welche Spuren der rote Punkt hinterlassen hat. Der rote Punkt sollte in deinem Bild in irgend einer Form zu sehen sein."

Hinweis

Um das Herunterladen des Buches für jedermann möglich zu machen, wurde eine geringere Auflösung gewählt. Auf den Seiten 8, 9 und 15 ist der rote Punkt zu blass geraten und hielt leider auch einer nachträglichen Bearbeitung stand. Sorry!

 

Kurze Beschreibung des Buchinhaltes

Das Buch soll einerseits einen Einblick in den praktizierten bzw. oft nicht kalkulierbaren, aber lancierten Kunstbetrieb geben, primär jedoch den Kindern mit Hilfe eines Protagonisten, dem roten Punkt, die Möglichkeit geben, eigene Gestaltungsideen zu entwickeln.

Der Inhalt: Der ziemlich erfolglose Galeriebesitzer Mr. Kläxxmann hat dann doch einmal Glück: Er verkauft ein Bild und kennzeichnet es mit einem roten Punkt. Dann schließt er beschwingt die Galerie für ein paar Tage zu und begibt sich nach Hause.

Nun beginnt die eigentliche Geschichte: Der rote Punkt langweilt sich und hat die Idee, den einzelnen Bildern einen Besuch abzustatten. Was er nicht weiß, er hinterlässt Spuren sowohl in seiner Gestalt als roter Punkt als auch auf den Wegen im Bild.

Als Mr. Kläxxmann am nächsten Tag die Galerie öffnet und sich an seinen Schreibtisch setzt, begeistert sich nicht nur die Journalistin Frieda Krizzel erstaunlicherweise für die Bilder, die vorher kein Mensch sehen wollte, interessierte Besucher kaufen ihm sogar die Galerie leer. Erst sehr langsam dämmert es Mr. Kläxxmann, dass all das mit dem ersten, geklebten, roten Punkt zu tun hat.

Sie können das Bilderbuch hier downloaden. 


Quelle: Renate Mann  (Bilder und Text)

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