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Sprachförderung

Sprachförderung mit digitalen Medien

Digitale Medien können Sprachförderung unterstützen. Sie ersetzen nicht das Erleben, sondern ergänzen es.

Julia Knopf, Tania Kraft, Ann-Kristin Müller

Digitale Medien in der Kita haben das Potenzial, insbesondere die Förderung sprachlicher Kompetenzen zu unterstützen, die vor dem Schriftspracherwerb bedeutsam sind: Sprechen, Zuhören, die Erweiterung des Wortschatzes sowie die Bedeutung von Rhythmus und Taktgefühl. Mit digitalen Medien können Bildungsumgebungen entwickelt werden, die Kinder zum ganzheitlichen und entdeckenden Lernen und Handeln anregen. Wie eine solche Bildungsumgebung zur Sprachförderung gestaltet werden und aussehen kann, zeigt das Projekt „Weltraum entdecken“ des Forschungsinstituts Bildung Digital in Kooperation mit dem Didacta Verband. Es soll zeigen, wie sich digitale Medien in der alltagsintegrierten Sprachförderung einsetzen lassen.

 

Lilos lieben lila Limo!

Ziel des Projektes „Weltraum entdecken“ ist es, anhand einer einfachen Kletterwand, die beispielsweise in den Bewegungsbereich einer Kita integriert werden könnte, eine Bildungsumgebung zu schaffen, welche die Sprachförderung mit weiteren Bildungsbereichen wie Bewegung verzahnt. In naher Zukunft ist die Produktion einer solchen Wand geplant. Beim Beklettern einer „WeltraumWand“ (siehe Abbildung) lösen die Kinder mithilfe von Drucksensoren, die an herkömmlichen Klettergriffen angebracht werden, verschiedene Hörimpulse aus. So hören sie den Impuls: „Lilos lieben lila Limo. Puh, das ist ganz schön schwierig zu sprechen. Komm‘, wir probieren es einmal zusammen.“ Folglich entsteht ein multimediales Klettererlebnis, welches die Bildungsbereiche Medien, Sprache und Kommunikation sowie rhythmisch-musikalische Erziehung, Körper und Bewegung miteinander verbindet. Die Kinder werden über derartig verschiedene Hörimpulse aufgefordert, beispielsweise Oberflächenstrukturen wie Sand und Gummi an der Wand zu erfühlen, Weltraum-Lieder nachzusingen oder zu hüpfen und zu tanzen (siehe Abbildung).

 

Wahrnehmungsbereich Förderung während des Spielens an der Kletterwand durch...
Taktike Wahrnehmung

... das Berühren der Fellpunkte eines Monsters
... das Ertasten verschiedener Oberflächenstrukturen der Planeten
... das Entdecken und Befühlen von „Mondsand“ in einer Fühlbox

Kinästhetische Wahrnehmung ... das Ausführen von Kletteraufträgen bzw. durch freies Klettern
... das Hüpfen, Springen, Drehen, Tanzen bei Bewegungsaufträgen
Visuelle Wahrnehmung ... das Suchen bestimmter Details im Bild („Wimmelbild-Effekt“)
... das Identifizieren und die Auswahl geeigneter Klettergriffe
Auditive Wahrnehmung

... das Zuhören bei den Höraufträgen
... das Richtungshören
... das differenzierte Hörvermögen beim Erkennen, Benennen und Zuordnen von Geräuschen

 

Alle Interaktionen, zu denen die Kinder angeregt werden, werden durch solche Höraufträge initiiert, die ein genaues Zuhören erfordern – ein Grundbaustein alltagsintegrierter Sprachbildung. Die Hörimpulse erhöhen nicht nur die Motivation zum Klettern, sondern zielen direkt auf die Förderung zentraler Kompetenzen des Bildungsbereiches Sprache ab. Durch das Spiel „Sterne pusten“ beispielsweise, bei dem Kinder so lange, wie ein Lied erklingt, einen Watte-Stern mit einem Strohhalm in die Luft pusten müssen, trainieren sie Mundmotorik und Atmung. Außerdem schulen sie die Konzentration sowie die Auge-Hand-Koordination.

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An einer anderen Stelle der Wand hören die Kinder eine Sprachnachricht des Weltraummonsters „Lilo“. Es erzählt ihnen von seinem Lieblingsgetränk: „Lilos lieben lila Limo!“. Anschließend fordert die pädagogische Fachkraft die Kinder auf, den Reim gemeinsam zu wiederholen und von ihrem eigenen Lieblingsgetränk zu erzählen. Sie können neue Zungenbrecher formulieren oder versuchen, ein Wort zu finden, das mit dem gleichen Buchstaben beginnt wie ihr Name. Das trägt zur Wortschatzerweiterung sowie zum Sprachrhythmus, zur phonologischen Bewusstheit und zur Anschlusskommunikation bei.

 

Sprachförderung auch ohne Kletterwand

Die Weltraum-Kletterwand zeigt, wie sich Elemente wie Musik über digitale Medien in eine ganzheitliche Sprachförderung von Kita-Kindern einbinden lassen. Dafür braucht es jedoch keine Kletterwand. Es ist auch möglich, mit wenig Aufwand und geeigneten Apps intermediale Bildungsumgebungen zu gestalten und diese flexibel in den Kita-Alltag einzubeziehen.

 

  • Im Vorschulbereich können mithilfe der kostenlosen App „Little Story Maker“ oder „Comic Life 3“ (5,49 Euro, verfügbar für Apple), individuelle Foto-Storys erstellt werden – ein Prozess, der das Erzählen fördert.
     
  • Die kostenlose App „Puppet Pals 2“ hilft, durch die Vertonung von Geschichten die Sprechund Zuhörkompetenzen auszubauen. Durch die kreative Gestaltung kleiner Theaterinszenierungen werden die Kinder zur Hypothesenbildung angeregt und festigen erste Präsentationskompetenzen.
     
  • Die kostenfreie Lern-Software „Schlaumäuse“ zielt auf die Förderung der phonologischen Bewusstheit zum Schuleintritt ab und bezieht explizit auch mehrsprachige Kinder ein. 
     
  • Kinder- bzw. Bilderbuch-Apps oder auch kreative Mal-Apps wie beispielsweise „Wuwu & Co“ oder „Eins Zwei Drei Tier“ versprechen interaktive Early Literacy-Erfahrungen. Das kooperative Erleben, das physische Ausprobieren und die unmittelbare sprachliche und körperliche Reaktion von Bezugspersonen auf die Bedürfnisse von Kindern bleiben bei der Sprachförderung immer essenziell. Digitale Medien können gezielt eingesetzt werden und ihr Potenzial entfalten.

 

Meine Kita – Das didacta Magazin für die frühe Bildung, Ausgabe 2/2019, S. 12-14, www.fruehe-bildung.online

Prof. Dr. Julia Knopf

Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE (Kreativ lernen – Erfolg erleben) und der Didactic Innovations GmbH.

Tania Kraft

Tania Kraft ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe an der Universität des Saarlandes und Lehrkraft an einer saarländischen Grundschule. Sie setzt sich insbesondere mit Forschungsfragen zum Übergang vom Kindergarten in die Primarstufe sowie der Bilderbuchforschung auseinander

Ann-Kristin Müller

Ann-Kristin Müller ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe an der Universität des Saarlandes und widmet sich Forschungsfragen zum Übergang vom Kindergarten in die Primarstufe sowie lese- und literaturdidaktischen Fragestellungen.

Von Julia Knopf, Tania Kraft, Ann-Kristin Müller • 07.05.2019

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